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Kommt das 365-Euro-Ticket in Dresden?

Bus und Bahn für einen Euro am Tag – in Wien längst Realität. In Dresden wird darum gestritten.

Mit Bus und Bahn für einen Euro am Tag durch Dresden, das wollen einige Parteien durchsetzen. Doch wann und wie genau, darüber sind sie sich uneins.
Mit Bus und Bahn für einen Euro am Tag durch Dresden, das wollen einige Parteien durchsetzen. Doch wann und wie genau, darüber sind sie sich uneins. © Sven Ellger

Dresden. Die CDU will es, Die Linke auch. Die Freien Wähler haben es zuerst gefordert. Grüne und SPD sind offen, finden es aber zu früh. Es geht um das 365-Euro-Ticket, um mit Bus und Bahn durch Dresden fahren zu können. Die CDU hat es zu einem ihrer wichtigsten Wahlkampfthemen erkoren. Und es gibt bereits politische Scharmützel deswegen.

CDU-Fraktionschef Jan Donhauser ist überzeugt von seinem Vorschlag, hat diesen, nach einer intensiven Diskussion, ins Wahlprogramm seiner Partei gebracht. „Ich sehe die Kommunalwahl als eine Art Bürgerentscheid darüber, ob die Dresdner das 365-Euro-Ticket wollen“, sagt er. Die Linke will die CDU beim Wort nehmen und noch vor der Wahl das Ticket im Stadtrat beschließen. Dann soll sich die Verwaltung mit den Verkehrsbetrieben (DVB) um die Einführung kümmern. 

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Das lehnt die CDU ab, es ginge zu schnell. „Wir können so ein zusätzliches Angebot nicht übers Knie brechen“, begründet Donhauser. Man müsse zunächst mit den DVB ausloten, ob und wie die Einführung möglich wäre. Schon heißt es von den Linken, der Vorstoß der CDU sei nur ein Wahlkampf-Gag, und sie blockiere die schnelle Einführung, obwohl sie angeblich auf das Ticket setze. „So ein Ticket ist dafür da, mehr Menschen in Busse und Bahnen zu bekommen“, sagt Linken-Chef Jens Matthis. Wer wie die CDU sagt, den Straßenverkehr entlasten und etwas für die Umwelt tun wolle, müsse auch konsequent handeln.

40 Prozent der Wege in Wien werden mit den Öffis zurückgelegt.
40 Prozent der Wege in Wien werden mit den Öffis zurückgelegt. © imago images / robertharding

Der Vorwurf eines „Gags“ im Wahlkampf bezeichnet Donhauser als „Frechheit“. „Die Linke kann das Wasser nicht halten und gefährdet damit das Projekt.“ In Wien laufe es erfolgreich, auch weil es lange vorher geplant und abgestimmt wurde. Dort werden mittlerweile 40 Prozent der Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. In Dresden waren es bei der letzten Erhebung 2013 nur 22 Prozent, aktuelle Zahlen werden Ende dieses Jahres erwartet. In Wien wurde der Ein-Euro-pro-Tag-Tarif 2012 eingeführt. Allerdings werden dort auch rund 400 Millionen Euro in den Ausbau des Netzes investiert.

Genau deshalb stehen Grüne und SPD dem Ticket eher kritisch gegenüber. „Das Vorbild Wien ist nur bedingt übertragbar“, sagt Grünen-Chefin Susanne Krause. „Dort wurde vor der Einführung 20 Jahre lang intensiv in das ÖPNV-Angebot investiert.“ In Dresden müssten zuerst das Liniennetz ausgebaut und neue Busse und Bahnen angeschafft werden. Außerdem zahlen alle Arbeitgeber in Wien eine Umlage von zwei Euro pro Arbeitsplatz, um das Ticket zu finanzieren. 

Für die Grünen sei es zunächst wichtiger, ein Sozial- und ein Bildungsticket zu haben. Zudem hätten die DVB rund 30 Millionen Euro Einnahmeausfälle, wenn das Ticket kommt. Derzeit kostet eine Abo-Monatskarte rund 620 Euro im Jahr. „Es käme momentan zu früh“, so Krause. „Investitionen in die Qualität des Nahverkehrs und Maßnahmen für den Rad- und Fußverkehr würden darunter leiden.“

Freie Fahrt für alle Dresdner?

Von „Wahlkampfgetöse der CDU“ spricht SPD-Kandidat Stefan Engel. „Das ist unglaubwürdig, weil Initiativen, um Preiserhöhungen zu vermeiden, bisher durch die CDU verhindert wurden.“ Es müsse geklärt werden, woher die 30 Millionen Euro Einnahmeverlust bei den DVB genommen werden sollen, da sie jetzt bereits jedes Jahr rund 40 Millionen Euro Zuschuss benötigen. „Unsere Priorität liegt auf dem Netzausbau und dass die Fahrpreise bezahlbar bleiben“, sagt Engel. Die Freien Wähler hatten das 365-Euro-Ticket zuerst im Wahlkampf platziert. Es gehe darum, wie man Mobilität für alle sichern, einen modernen Nahverkehr erhalten und preislich attraktiver als das Auto gestalten kann, sagt deren Chef Steffen Große. „Wir freuen uns, wenn politische Mitbewerber unsere Idee kopieren und mit uns umsetzen wollen. Wir teilen unsere Ideen sportlich fair.“

Die Piraten wollen, dass die Dresdner Bus und Bahn ohne Fahrschein fahren können. Dies soll mit einer generellen Umlage finanziert werden. „Das 365-Euro-Ticket wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung“, so Piraten-Chef Steve König. „Wir unterstützen alles, was den Nahverkehr erschwinglich macht.“

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DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach spricht sogar von erwarteten Einnahmeverlusten durch ein 365-Euro-Ticket von bis zu 32 Millionen Euro. Die steigende Nachfrage könne den Verlust nicht ausgleichen. „Aufgrund der bereits sehr hohen Auslastung sind bei Fahrgastzuwächsen jedoch mittelfristig kostenintensive Angebotserweiterungen notwendig.“ Das würde teuer und müsse öffentlich finanziert werden. Außerdem sei viel zu klären, etwa wie der Dresdner Tarif dann in den Verkehrsverbund eingebunden werden solle.