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Kommt die B169 auf Stelzen?

Bei jedem großen Hochwasser wird die wichtigste Verkehrsader der Region gesperrt. Das soll sich ändern.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. In den Behörden ist es die „Hänsel-Variante“, dabei müsste es eigentlich „Lange-Variante“ heißen, sagt Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Denn der Vorschlag, nur einen Teil der B 169 hochwassersicher neu zu bauen, kommt von Gemeinderat Bernd Lange (BIG). „Der Grundgedanke ist: Warum so viel Geld ausgeben für eine Variante, die wir nur alle hundert Jahre für zwei Wochen brauchen. Das ist doch irre“, sagt Ralf Hänsel. Denn die im vergangenen Jahr vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Meißen (Lasuv) vorgestellten drei Varianten sehen einen kompletten Neubau der Bundesstraße als eine Art Damm zwischen Elbbrücke Riesa und B 98 vor. Vierspurig. 21 Meter breit. Für 43 bis 46 Millionen Euro. Baustart ist frühestens 2020. Die Gemeinde Zeithain hat nun in ihrer Stellungnahme eine viel schlankere und vermeintlich preisgünstigere Variante vorgeschlagen. Und die wird derzeit geprüft.

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Die Montage zeigt, wie die B169 in Zukunft aussehen könnte: Es gibt Planungen, zwei Spuren – die Fahrbahn in Richtung Röderau – zu erhöhen. Dann würden künftig nur noch die Fahrspuren Richtung Riesa überschwemmt.
Die Montage zeigt, wie die B169 in Zukunft aussehen könnte: Es gibt Planungen, zwei Spuren – die Fahrbahn in Richtung Röderau – zu erhöhen. Dann würden künftig nur noch die Fahrspuren Richtung Riesa überschwemmt. © Montage Sebastian Schultz/Bildstelle SZ

„In Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen erarbeiten wir drei weitere Varianten zum Ausbau der B 169“, bestätigt Lasuv-Niederlassungsleiter Holger Wohsmann. Eine davon sieht so aus, dass die nördliche Richtungsfahrbahn der B 169 – also die zwei Spuren Richtung Riesa – wie im Bestand belassen wird. Nur die südliche Richtungsfahrbahn – die zwei Spuren Richtung Zeithain – wird entsprechend höher trassiert, um darüber die Befahrbarkeit bei künftigen extremen Elbefluten gewährleisten zu können, erklärt Holger Wohsmann. Die Variante werde derzeit in Lage und Höhe geplant und anschließend ökologisch und hydrologisch bewertet, um diese dann als Bestandteil der Voruntersuchung aufzunehmen.

„Überlegungen aus der Region sind wichtig“

An einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit will der Lasuv-Chef festhalten und die Pläne perspektivisch wieder in den kommunalen Gremien wie dem Technischen Ausschuss oder dem Gemeinderat vorstellen. „Die Überlegungen aus der Region sind wichtig“, sagt Holger Wohsmann, auch wenn die fachliche Abstimmung in den Fachbehörden erfolgen müsse. Denn ob durch einen teilweisen Ausbau tatsächlich Geld und Versiegelungsfläche eingespart werden könne, lasse sich nicht so einfach sagen. Da bei dieser Variante die Verkehrsmengen aufgesplittet werden, würden zum Beispiel an manchen Stellen sogar drei Spuren pro Fahrtrichtung nötig.

In Zeithain indes freut man sich, dass die Behörde so schnell reagiert hat und den neuen Vorschlag bereits untersucht. Ralf Hänsel zumindest hält die Variante für eine kluge Idee, die auch dem Hochwasserschutz Rechnung trage, weil weniger Fläche verbaut und damit weniger Retentionsraum verbraucht wird. Und nach den Erfahrungen der vergangenen Fluten, als die B 169 als wichtigste Verkehrsader der Region tagelang gesperrt war, ist auch Ralf Hänsel klar, dass die Gemeinde wirtschaftlich von der Trasse abhängig ist.

Nichtsdestotrotz betont der Bürgermeister, dass der geplante Neubau der S 88 zwischen Gohlis und Kreinitz für seine Kommune Priorität hat. „Die S 88 ist ursächlich für höhere Wasserstände verantwortlich“, sagt er. Deshalb müsse hier, vor allem an der Kurve vor Kreinitz, als Erstes gebaut werden. Auch dazu hatte das Lasuv bereits mehrere Varianten erarbeitet und in Zeithain vorgestellt. Mit einem Baustart rechnet die Behörde allerdings ebenfalls nicht vor 2020.