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Reichenbach will Katzen kastrieren lassen

Die Stadt möchte einer Katzenplage vorzubeugen. Warum die Tierheime in Horka und Görlitz diese Idee begrüßen.

Symbolbild
Symbolbild © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Im vergangenen Jahr wurde in Großenhain die Kastrationspflicht für Katzen eingeführt. Radeberg hat das bereits seit acht Jahren in der Polizeiverordnung verankert. Bis zu 1.000 Euro Strafe drohen, wenn Katze und Kater unkastriert und nicht gechipt durch die Gegend laufen. Neuerdings denkt auch die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Reichenbach über eine Kastrationspflicht für Katzen nach, heißt es im Amtsblatt. Zur VG gehören neben der Stadt und den Ortsteilen die Gemeinden Königshain und Vierkirchen. 

Hintergrund für die Überlegung ist nach Angaben des Reichenbacher Ordnungsamtes, dass der Behörde in letzter Zeit verstärkt streunende Katzen in den Orten angezeigt wurden. Nicht im Stadtgebiet selbst, heißt es auf Nachfrage der SZ. Sondern in den Dörfern rund um Reichenbach tauchten sichtlich verwilderte Katzen an offenen Futterstellen auf. Unkastriert vermehren sich Katzen schnell und dann könne es „zu einer unüberschaubaren Katzenplage im Gemeindegebiet kommen“, so die Befürchtung der Verwaltung.

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Eine Katze bekommt jährlich bis zu zehn Junge

In den vergangenen drei Jahren habe Reichenbach mehr als 1.000 Euro pro Jahr für Kastrationen solcher wilden Katzenpopulationen aus der Gemeindekasse gezahlt. Denn eine Katze bekomme im Durchschnitt jährlich bis zu zehn Junge. „Trotz Abgängen sind das dann in wenigen Jahren hunderte Katzen“, heißt es vonseiten des Ordnungsamtes. Das war 2018 in Meuselwitz so ähnlich passiert – allerdings in einem Einfamilienhaus. Aus anfangs einer Katze wurden mehr als 50, weil die Tiere nicht kastriert waren. Das Veterinäramt musste eingreifen, die Katzen wurden in Tierheimen untergebracht.

Fast 800 Städte und Gemeinden haben die Pflicht bereits

Der Deutsche Tierschutzbund plädiert so oder so schon lange dafür, gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Tierschutzvereinen für eine flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht, um das Problem der immer weiter wachsenden Katzenpopulationen einzudämmen. Mit Stand Februar 2020 gibt es nach Angaben des Tierschutzbundes mindestens 792 Städte und Gemeinden deutschlandweit, die diese Pflicht in den Vorschriften verankert haben.

Zahl der Krankheiten steigt mit den Tieren

Von einem „Hauptthema im Tierschutz“, spricht auch Aimee Zille. Die Mitarbeiterin des  Tierheims Horka bestätigt, dass verwilderte Katzenpopulationen ein Problem sind. Immer mehr Tiere bedeute auch immer mehr Krankheiten wie Katzenschnupfen und Parasiten. Im Durchschnitt werden über den Verein Sankt Horkano jedes Jahr zwischen 20 bis 30 herrenlose Katzen eingefangen und kastriert, um deren Vermehrung einzudämmen. Dazu werden sie in Lebendfallen eingefangen und nach der Kastration in der Regel wieder an den Stellen ausgesetzt, wo sie herkommen.

Vermittelt werden können die Tiere nicht, bleiben nur in seltenen Fällen im Tierheim und wenn, dann ausschließlich im Außengehege. Sie sind weder zahm, noch kuschelige Stubentiger. Solche wilden Populationen sind den Tierheimmitarbeitern unter anderem aus Kunnerwitz, Mücka und Neusorge bekannt. Oft hätten besorgte Bürger das Tierheim darüber informiert, das dann eingriff.

Tierleid vermindern und Vermehrung eindämmen

Unkontrollierte Vermehrung von Katzen verhindern - dafür plädiert auch der Leiter des Tierheims Krambambuli in Görlitz, Peter Vater.
Unkontrollierte Vermehrung von Katzen verhindern - dafür plädiert auch der Leiter des Tierheims Krambambuli in Görlitz, Peter Vater. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Würde Reichenbach eine Katzenkastrationspflicht einführen, sei das ein Schritt in die richtige Richtung und sehr zu begrüßen, sagt Peter Vater, Chef des Görlitzer Tierheims  „Krambambuli“. So könnte Tierleid vermindert und die Vermehrung eingedämmt werden. Damit haben die Görlitzer Tierschützer immer wieder zu tun. Etwa 50 herrenlose Katzen und Kater fängt das Tierheim zur Kastration pro Jahr ein. Das Geld dafür zahlt unter anderem das Veterinäramt. Mehr als 4.000 Euro waren das im vergangenen Jahr.

„Es bringt nichts, in einer solchen Population nur die männlichen Tiere zu kastrieren. Auch bei den weiblichen Katzen muss das passieren“, sagt Peter Vater. Denn nur so könne ungebremster Fortpflanzung Einhalt geboten werden. Schwerpunkte solcher Stellen im Görlitzer Stadtgebiet sind leer stehende Häuser und Betriebsgelände, aber auch Gartensparten wie der „Eschengrund“ und „Sonnenland“. Auffällig für die Tierschützer: Auf dem Alten Friedhof Görlitz seien immer wieder Katzen ausgesetzt worden. Schnell wachsen dann die Gruppen, wenn die Tiere geschlechtsreif werden. Nur durch Kastrationen ist die weitere Ausbreitung einzudämmen.

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