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Kommt die Umgehungsstraße 2027?

Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich soll in Krauschwitz bald gebaut werden. Tageblatt hakte nach.

Nicht nur die Laster an Bendels Kreuzung
in Krauschwitz zeigen, dass das Verkehrsaufkommen zu jeder Tageszeit groß ist. Viele Pkw und Lkw fahren über die Geschwister-Scholl-Straße durch Krauschwitz statt herum.
Nicht nur die Laster an Bendels Kreuzung in Krauschwitz zeigen, dass das Verkehrsaufkommen zu jeder Tageszeit groß ist. Viele Pkw und Lkw fahren über die Geschwister-Scholl-Straße durch Krauschwitz statt herum. © Sabine Larbig

Als sich Frank Hoffmann in der letzten Krauschwitzer Gemeinderatssitzung in Gablenz zu Wort meldete, bemerkte er, dass sich seine Anfrage auf „im Ort kursierende Gerüchte“ beziehe. Danach, so Hoffmann, sei die Planung für die Umgehungsstraße Krauschwitz „in der heißen Phase“, solle der Bau 2027 starten und die Straßenführung die Gemarkung Gablenz tangieren. „Wissen Sie was dazu?“, fragte Frank Hoffmann den Gablenzer Bürgermeister.

Der äußerte, dass dies gar nicht sein könne, da die Gemeinde Gablenz im Zuge des Straßenbaus befragt werden müsste. So, wie bei den letzten Versuchen, als Gablenz – wie auch Waldeisenbahn, Forst, Bürger und Naturschützer – Widerspruch gegen die Trassenpläne einlegten. „Eine kleine Umgehung wollte Krauschwitz damals nicht. Ob es nun einfacher wird, wage ich zu bezweifeln“, meint der Gablenzer Ortschef Dietmar Noack.

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Noch nicht mal Beteiligungsprozess gestartet

Über das kursierende Gerücht kann der Krauschwitzer Bürgermeister Tristan Mühl ebenfalls nur lachen – obgleich er und die Einwohner sich nichts sehnlicher wünschen würden. „Wenn es zutreffen würde, wäre es einwandfrei. Aber noch ist ja nicht mal ein Beteiligungsprozess gestartet.“

Indes ist der immer stärker werdende Verkehr auf der innerörtlichen Geschwister-Scholl-Straße durch Lärm und Abgase nicht nur für die Anwohner kaum noch auszuhalten und gesundheitsgefährdend, sogar lebensgefährlich. Denn in Krausch-witz konzentrieren sich an der Geschwister-Scholl-Straße Geschäfte, Kitas, Schule, Firmen, Praxen, Altenpflegeeinrichtungen. Selbst Besucher des Spaßbades müssen die stark befahrene Straße überqueren – ohne Ampel oder Fußgängerüberweg. Erschwerend hinzu kommen ständige Schäden an Straße und Gullys. Denn, so Bürgermeister Mühl, beim Ausbau der Scholl-Straße anno 1995 sei nie vom heutigen Verkehrsaufkommen ausgegangen worden.

„Wenn man bedenkt, was an Verkehrsprojekten im Rahmen des Strukturwandels noch geplant ist, wie beispielsweise der Ausbau der A 4 oder die Bundesfernstraßenverbindung Mitteldeutschland-Lausitz, wird Krauschwitz während der Bauphasen und danach immer durch den Verkehr extrem belastet. Wir brauchen mehr denn je eine Umgehungsstraße“, fordert Tristan Mühl. Die Notwendigkeit zeigt auch eine aktuelle Verkehrsumleitung. Weil in Weißwasser wegen Bauarbeiten ein Stück B 156 (Bautzen-Boxberg-Weißwasser) gesperrt ist, wird der über Weißwasser kommende Verkehr in Richtung Bautzen auf der B 115 über Bad Muskau nach Krauschwitz zum Kreisverkehr Weißkeißel geleitet. Doch Lkw- und Autofahrer haben heutzutage Navigationssystem, nehmen daher meist die Abkürzung über die Geschwister-Scholl-Straße. Hinzu kommen die täglichen Laster-Kolonnen von der Autobahnabfahrt Cottbus in Richtung Autobahnauffahrt Görlitz oder Bautzen, Busse und Pkws von Pendlern, Touristen und Einheimischen, die quer durch Krauschwitz fahren.

„Wunschroute“ steht im Herbst

Da das Problem seit 30 Jahren bekannt ist und immer prekärer wird, steht die Umgehungsstraße für Krauschwitz als Projekt „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan bis 2030, sind rund zehn Millionen Euro für den Bau eingeplant. Doch wo die Straße langführen und wann sie gebaut wird, steht noch in den Sternen. „Momentan werden Vorplanung und Umweltverträglichkeitsstudie erstellt. Erst mit ihrem Vorliegen können Aussagen zur Linienführung getroffen werden“, erklärte Franz Grossmann, Pressesprecher des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gegenüber Tageblatt.

Dies bestätigt Tristan Mühl. „Das Lasuv stellte der Gemeinde vor Monaten fünf mögliche Varianten vor. Beim Großteil erfolgt die Trassenführung über die Gemeinde Krauschwitz. Eine favorisierte Variante soll jedoch erst im November feststehen und öffentlich vorgestellt werden.“

Weil danach erst der öffentliche Beteiligungsprozess erfolgen kann, ist bis zu dessen Abschluss unklar, ob, in welcher Form und wann die „Wunschroute“ der rund 3,3 Kilometer langen Umgehung für Krauschwitz – die auch die Kur- und Parkstadt Bad Muskau entlasten würde – kommt. Dass es noch dieses Jahr konkrete Aussagen geben soll, erklärte Andreas Biesold, Leiter der Lasuv-Niederlassung Bautzen, schon im Januar in einer gemeinsamen Ratssitzung von Bad Muskau und Krauschwitz. Wie er dort informierte, seien ebenfalls noch Ende 2020 Bürgerveranstaltungen geplant, in denen mögliche Varianten mit Vor- und Nachteilen dargestellt und erläutert werden.

„Wenn es bis Herbst eine Variantenfestlegung gibt, ist es ja ein Fortschritt“, meint nicht nur der Krauschwitzer Gemeinderat Thomas Najork (CDU). In trockenen Tüchern ist das Projekt aber noch längst nicht. Aufgrund des Beteiligungsprozesses sind Widersprüche möglich. Auch eventuell erforderliche Grundstückskäufe könnten scheitern. Doch Krauschwitz kämpft weiter, damit der Verkehr aus dem Ort verschwindet.

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