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Kommt ein Blitzer nach Skassa?

Im Großenhainer Stadtrat steht ein entsprechender Antrag zur Debatte. Anwohner hatten eine Petition auf den Weg gebracht.

Ein Geschwindigkeitsanzeiger mahnt seit März 2019 an der Ortsausfahrt Skassa Richtung Weißig vor zu schnellem Fahren. Mit dieser "Kuschellösung" könnte es bald vorbei sein.
Ein Geschwindigkeitsanzeiger mahnt seit März 2019 an der Ortsausfahrt Skassa Richtung Weißig vor zu schnellem Fahren. Mit dieser "Kuschellösung" könnte es bald vorbei sein. © Anne Hübschmann

November 2014: Glück im Unglück hatte da ein Lkw-Fahrer in Skassa, als er bei einem Unfall unverletzt blieb. Aber: An der engen Stelle am Ortsausgang Richtung Weißig kam er von der Straße ab, rutschte in die Vorgärten von drei Einfamilienhäusern ab. Der Spediteur nahm einen Strommasten und zwei Grundstücksmauern mit.

Nicht erst seitdem fordern Anwohner des Großenhainer Ortsteils hier eine Begrenzung des Tempolimits. Und obwohl seit Jahren maximal Tempo 30 erlaubt ist und seit gut einem Jahr sogar ein Geschwindigkeitsanzeiger potenzielle Raser warnt, gibt es immer wieder Unverbesserliche. Es sei gefährlich für die Anwohner, dazu lärmbelastend - so die Argumentation der Skassaer. Sie mündete in einer Petition an den Sächsischen Landtag vom Februar dieses Jahres, die im Großenhainer Rathaus zwei Monate später einging. Die Forderung: mehr Kontrolle auf Einhaltung des Tempolimits. Von dort jetzt die Nachricht: Dem Stadtrat liegt für kommenden Mittwoch ein Beschlussantrag vor, einen stationären Blitzer just in jenem Bereich aufzustellen, wo es Ende 2014 "krachte". 100.000 Euro soll das gute Stück in der Anschaffung und Installation kosten. Letztere ist noch für dieses Jahr geplant. Geblitzt wird dann sowohl an der Ortseinfahrt aus Richtung Weißig als auch in die Gegenrichtung. Das Geld würde aus dem Haushalt umgelagert: 75.000 Euro aus ursprünglich für das laufende Jahr vorgesehene Planungsarbeiten für die neue Trasse, 25.000 Euro aus einer Position zum Neubau eines Ableitungskanals für das Industriegebiet Flugplatz.

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Die Stadtverwaltung würde auf die Investition allerdings lieber gern verzichten. Schließlich liebäugelt sie schon lange mit einer Neutrassierung der Skassaer Ortsdurchfahrt inklusive Radweg und einer sogenannten Mittelinsel am Ortseingang. Pläne dafür wurden im September des vergangenen Jahres im Ortschaftsrat vorgestellt - eine Realisierung für die Jahre 2023/24 in Aussicht gestellt. Doch inzwischen hat das für die S 40 zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) klar gemacht, dass das Verfahren sehr aufwendig ist und ein Baubeginn frühestens 2024 erfolgen könne. Bis dahin irgendeine Zwischenlösung zu schaffen, ist außen vor. Eine Blitzeratrappe zum Beispiel ist im öffentlichen Verkehrsraum nicht zulässig.

Leichtgemacht hat sich die Verwaltung die ganze Sache keineswegs. Sondern auf Drängen der Anwohnerschaft immer wieder analysiert und bei Bedarf reagiert. Zwischen 2016 und 2020 gab es laut Beschlussvorlage 34 mobile Geschwindigkeitskontrollen in Skassa. Von knapp 24.500 gemessenen Fahrzeugen waren rund 2.400 zu schnell und mussten dafür löhnen. Besonders schlimm war es im Sommer 2019, als die Strecke als offizielle Umleitung für die B 98 in Wildenhain ausgeschrieben war, weil dort der Breitbandausbau vorangetrieben wurde. Diverse Kontrollen registrierten allein 47 Temposünder pro Tag im letzten Jahr.

Das dürfte sich mit einem stationären Blitzer höchstwahrscheinlich ändern. Allein der Gewöhnungseffekt für regelmäßige Pendler könnte dafür einen wesentlichen Ausschlag geben. Der Stadtrat muss das jetzt "nur" noch wollen und am Mittwoch entsprechend beschließen.

November 2014: Ein Lkw-Fahrer prallte frontal gegen einen Holz-Laternenmast und fuhr in die Gartenmauer eines Doppelhauses in Skassa.
November 2014: Ein Lkw-Fahrer prallte frontal gegen einen Holz-Laternenmast und fuhr in die Gartenmauer eines Doppelhauses in Skassa. © Archiv: Anne Hübschmann

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