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Kommt ein Fenster geflogen

Eine Görlitzerin ist wegen eines Autoschadens am Verzweifeln. Die Lage ist verzwickt.

Von Susanne Sodan

Der Fall ist kurios: Am 5. November vergangenen Jahres parkt Susann Arndt ihr Auto auf der Rauschwalder Straße in Görlitz, direkt vor einem leer stehenden Gebäude. Ein paar Schritte und schon ist die junge Frau an ihrem Arbeitsplatz, einem Ingenieurbüro. Erst vor Kurzem hat sie ihre Ausbildung zur Technischen Zeichnerin beendet. Gegen 14 Uhr spricht ein Kollege sie an. Auf dem Weg ins Büro war er an Susann Arndts Auto vorbeigekommen. Mit dem roten Flitzer stimme etwas nicht, erzählt der Kollege, die Polizei sei vor Ort. Arndt geht der Sache nach und tatsächlich umringt eine Truppe aus Polizisten, Feuerwehrleuten und Mitarbeitern der Stadtreinigung das Auto. Vom dritten Stock der Rauschwalder Straße 22 war eine Fensterscheibe auf den Wagen gefallen. Der Schaden ist gravierend, nach einer ersten Einschätzung geht er in die Tausende Euro. Das Schlimmste: Susann Arndt befürchtet, auf den Kosten für die Reparatur sitzenzubleiben. Denn der Schuldige, der Besitzer des Hauses, ist für sie nicht erreichbar.

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„Der Schaden sieht auf den ersten Blick nicht schlimm aus“, sagt sie. „Allerdings ist die Scheibe wirklich ungünstig aufgeprallt.“ Tiefe Lackschäden an der Kante zwischen Dach und linker Autotür, Kratzer an der Seiten- und Heckscheibe. Dabei hatte Arndt sich den kleinen, vier Jahre alten VW Polo erst im August zugelegt. Einer der Polizisten vor Ort riet ihr, sich mit dem Eigentümer des Hauses in Verbindung zu setzen. An dem Unfall trage er die Schuld.

Gesagt, getan. Arndt erkundigte sich bei dem Görlitzer Amt für Liegenschaften nach dem Namen des Besitzers, suchte dann im Internet nach Kontaktdaten. Zunächst lief die Suche erfolgreich: Der Gebäudeinhaber scheint in Frankreich zu sein, betreibt in Montpellier offenbar eine Firma für Fassadenrestaurierung. Arndt versuchte, Kontakt zu ihm aufzunehmen, schrieb mehrere E-Mails und Briefe, auch per Einschreiben. Auf eine Antwort wartet sie bis heute.

Da geht es ihr wie der Stadt. Wie Sprecherin Ina Rueth mitteilt, reagierte der Hausbesitzer auch auf mehrere städtische Schreiben aus dem Vorjahr nicht. Die Bauaufsicht hatte Sicherheitsmängel an dem Gebäude festgestellt. Die sollte der Eigentümer beseitigen. Getan hat er aber gar nichts, sodass die Stadt auf eigene Kosten losen Putz und Steine von der Fassade und dem Dach abschlug.

Wer übernimmt nun die Reparaturkosten? Eine Vollkasko-Versicherung hat Susann Arndt zwar abgeschlossen, „aber dann müsste ich für die Selbstbeteiligung aufkommen und würde in der Versicherung hochgestuft werden“, sagt sie. Als junge Frau, die noch dazu mit einem VW unterwegs ist, hat sie von vornherein recht hohe Beiträge zu zahlen. „Das ist für mich einfach nicht machbar.“ Die Reparatur aus eigener Tasche abzustottern, ist keine Option. Der Görlitzer Versicherungsmakler Tom Budig kann das Dilemma nachvollziehen. „Tatsächlich ist es so, dass man bei einem Schaden trotz Vollkasko eine Selbstbeteiligung zahlen muss, unter Umständen auch hochgestuft wird. Auch wenn man den Schaden nicht selbst verursacht hat.“ Die Versicherung ist auch nicht in der Pflicht, selbst Kontakt zu dem Schuldigen herzustellen. Der günstigste Fall wäre, wenn der eine Grundstücksversicherung hätte und endlich reagieren würde. „Das ist aber keine Pflichtversicherung“, erklärt der Görlitzer Rechtsanwalt Uwe Renger. „Den Fall haben wir immer wieder.“