merken
PLUS Wirtschaft

Edeka vollendet in Pirna sein größtes Bauprojekt

Mit dem Scheunenhofcenter in Pirna hat Edeka ein ungewöhnliches Projekt abgeschlossen. In Sachsen will der Handelsriese weiter massiv investieren.

Vor dem Start und nur fürs Foto ohne Corona-Maske präsentiert Edeka-Regionalchef Sebastian Kohrmann das neue Scheunenhofcenter in Pirna, bis Mittwoch größtes Bauprojekt des Handelsriesen in Deutschland. Sein Einkaufskorb in Sachsen ist aber noch nicht
Vor dem Start und nur fürs Foto ohne Corona-Maske präsentiert Edeka-Regionalchef Sebastian Kohrmann das neue Scheunenhofcenter in Pirna, bis Mittwoch größtes Bauprojekt des Handelsriesen in Deutschland. Sein Einkaufskorb in Sachsen ist aber noch nicht © Jürgen Lösel

Pirna. "Ich ziehe den Hut vor dem, was Edeka in Pirna auf die Beine gestellt hat.“ Der das sagt, heißt Roger Ulke, ist Vorstandssprecher vom Konsum Dresden – mit 34 Märkten in und um Dresden sowie in Plauen Konkurrent des gelobten größten deutschen Lebensmittelhändlers.

Tatsächlich ist das am Mittwoch eröffnete Scheunenhofcenter auch für den genossenschaftlich organisierten Primus nicht alltäglich. „Klar können wir größere Einkaufsmärkte bauen“, sagt Sebastian Kohrmann, Chef von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen. „Aber so ein Objekt für weitere Händler, Büros, Praxen, mit Tiefgarage und 2.800 Quadratmeter für Betreutes Wohnen ist für uns Neuland. Der eigene 2.500 Quadratmeter große Frischemarkt habe als Anker „die richtige Größe für ein Mittelzentrum wie Pirna und ist unser erfolgreichstes Format“, so der 36-Jährige. Die Investitionssumme verrät er nicht. Zuletzt war mal unwidersprochen von 25 Millionen Euro die Rede.

Anzeige
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival
Lausitz Festival, ein neues Kultur-Festival

In Sachsen und Brandenburg findet erstmals ein Mehrsparten-Kulturfestival statt, das durch Fördermittel des Bundes ermöglicht und finanziert wird.

Von Rottendorf bei Würzburg aus lenkt Kohrmann in Franken, der Oberpfalz, Thüringen und Sachsen die Geschicke von Edeka. Die Regionalgesellschaft – eine von bundesweit sieben – repräsentiert mit 875 Märkten, 45.000 Beschäftigten und 4,25 Milliarden Euro Jahresumsatz laut Kohrmann „die goldene Mitte“ des Septetts. Das Geschäft von Primus Südwest ist mit 9,1 Milliarden Euro gut doppelt so groß.

450 Millionen Euro werden in Nordbayern und Sachsen investiert

In seinem Beritt gebe es „80, 90 größerer E-Center“, sagt der studierte Betriebswirt. „Aber in Sachsen haben wir noch Potenzial“, räumt er. Bislang gebe es im Großraum Dresden nur eine Handvoll größerer Standorte – darunter mit Simmel einen Top-Player im Verbund der 3.700 selbstständigen Kaufleute. „Deshalb wollen wir verstärkt mit solchen Märkten expandieren und führender Nahversorger bleiben“, sagt Toni Kunze, Expansionschef bei der zugehörigen Grundstücksgesellschaft.

Die Regionalgesellschaft will 450 Millionen Euro in Logistik- und Produktionsstandorte in Nordbayern und Sachsen investieren. Ein Teil fließt in den Ausbau des Lagers Berbersdorf auf 90.000 Quadratmeter , etwa der Fläche von 13 Fußballfeldern. Edeka habe das benachbarte Logistikzentrum vom Pflanzengroßhändler Landgard gekauft, „wodurch der Standort an der Autobahn 4 zu unserer Drehscheibe für Sachsen und Thüringen wird“, sagt Kohrmann. Dann gebe es alles aus einer Hand, auch Bedienthekenware wie Fleisch. Laut Expansionschef Kunze soll die Gesellschaft jährlich um drei, vier Prozent zulegen – trotz Corona. „In den nächsten zwei Jahren sind im Großraum Dresden mindestens zehn, zwölf Märkte am Start“, verspricht er. Außerdem erwartet Edeka vom Kartellamt Grünes Licht für die Übernahme von 72 Real-Märkten, darunter auch Adressen im Freistaat.

Kein Discounter mehr in weiten Teilen Mittelsachsens

Werden sie gebraucht? Vor fünf Jahren hatte der IHK-Handelsatlas Ostsachsen eine Überversorgung bescheinigt. Die Pro-Kopf-Verkaufsfläche lag damals (die Neuauflage ist in Arbeit) mit 1,6 Quadratmeter über dem Bundesmittel – auch über den 1,4 Quadratmeter von München mit weit höherer Kaufkraft. „Dort gibt es weniger Neubauten auf der Grünen Wiese“, erklärt Kunze. „Hierzulande balgen sich Aldi und Lidl um die Oberzentren.“ Andererseits gebe es in weiten Teilen Mittelsachsens keinen Discounter mehr.

René Glaser, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Sachsen, kennt das Problem und feiert das Scheunenhofcenter. Sein Angebotsmix schließe eine Lücke in Pirnas City und mache die Stadt „wie Freiberg und Annaberg-Buchholz zur Perle in der Handelslandschaft“. Selbst Dresdner kämen zum Einkaufen. „Die Pirnaer werden das Center mit Freude annehmen“, ist Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke überzeugt. Dort arbeiten 55 Menschen – auch zwei Behinderte, ein Azubi sowie je ein Flüchtling aus Syrien und dem Irak. Der große Lebensmittler sei gewollt „als Ergänzung zu den kleinen, individuellen Läden der Altstadt“, so Hanke. Edeka werde von der Altstadt profitieren und umgekehrt.

Bessere Konkurrenz

Und was sagt Einweihungsgast Ulke noch zur Konkurrenz? Man tue sich nicht weh, seine Pirnaer Filiale sei weit genug weg, so der Chef vom Konsum Dresden. „Auch ist Edeka besser als ein großer Globus-Markt.“ Man kennt sich nicht nur vom Handelsverband Sachsen, wo Ulke Vizepräsident und Kohrmann Schatzmeister ist. Sie eint auch der Genossenschaftsgedanke.

Weiterführende Artikel

Penny kommt nach Graupa

Penny kommt nach Graupa

Täglich wird die Baugenehmigung erwartet. Um Butter, Bockwurst und Bier einzukaufen, brauchen die Graupaer aber noch einen etwas längeren Atem.

Lidl führt eigene Rabattkarte ein

Lidl führt eigene Rabattkarte ein

Bei dem Discounter gibt es ab der kommenden Woche Rabatt gegen persönliche Daten. Zieht die Konkurrenz bald nach?

Edeka schließt Tochter-Betrieb in Mockritz

Edeka schließt Tochter-Betrieb in Mockritz

Die 70 Mitarbeiter wechseln von Großweitzschen nach Berbersdorf ins Logistikzentrum. Dort übernimmt Edeka den Standort von Landgard.

Ansturm aufs Scheunenhofcenter

Ansturm aufs Scheunenhofcenter

Pirnas großes Einkaufszentrum ist seit Mittwoch geöffnet. Andrang und Lob sind groß, es gibt aber auch Kritik.

Edeka kam bislang gut durch die Corona-Pandemie, das Geschäft brummt. Bis Ende Juli stand ein Umsatzplus von 13,5 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit. Ein Krisengewinnler sei man aber nicht. „Wir hatten hohen Aufwand, mussten Hygienemaßnahmen, Securitykosten und Zusatzschichten finanzieren und haben Mitarbeiter mit Gutscheinen belohnt“, sagt Kohrmann. Auf eine neue Infektionswelle sei man vorbereitet, habe sich mit „Tausenden Paletten mit Klopapier und anderen einst ausgegangenen Artikeln bevorratet“.

Und was passiert, wenn die Welle ausbleibt? „Dann machen wir im Januar eine Rabattaktion“, verspricht Kohrmann. Auch in Pirnas neuem Scheunenhofcenter.

Mehr zum Thema Wirtschaft