SZ +
Merken

Kommt jetzt die Kurtaxe?

Radebeul zögert noch, dem großen Nachbarn Dresden nachzueifern. Moritzburg geht ganz andere Wege.

Teilen
Folgen
© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Seit fast einem Monat löhnt der Dresden-Gast je Übernachtung eine sogenannte City-Tax, eine Kurtaxe. 1,30 Euro pro Tag Aufenthalt in einem Hotel oder einer Pension. Fünf Millionen Euro soll das in die Stadtkasse spülen. Ein Zehntel davon, heißt es, würde wieder in die Tourismusförderung investiert.

Was machen jetzt die Städte und Gemeinden um Dresden herum? Legen sie nach und verlangen auch vom Touristen Übernachtungsgeld? Oder hoffen die Hotel- und Pensionsbetreiber gar auf verärgerte Dresden-Gäste, die das als einen der Gründe sehen, lieber in Radebeul, Moritzburg oder Meißen zu nächtigen?

Radebeuls Kulturamtsleiter, auch zuständig für den Tourismus in der Stadt, möchte zu der offenbar heißen Kartoffel Kurtaxe am liebsten gar nichts sagen. Noch gibt es so eine Abgabe in der Stadt nicht. Und letztlich sei das die Entscheidung der Stadträte, sagt er. Das Geld könnte die Stadt zwar gebrauchen, aber er sei nicht dafür und finde es auch nicht gut, dass das in Dresden Kurtaxe genannt werde.

Immerhin: Radebeul hat jährlich um die 200 000 Übernachtungen. Nur mal einen Euro je Nacht gerechnet, wäre das so viel Geld, wie für einen teuren Winterdienst nebst Schlaglochflicken gebraucht würde.

Doch in dem Gewerbe, wo das Geld dann eingetrieben werden müsste, ist über solche Gedanken – logisch – niemand erfreut. Roland Paul vom Hotel Goldener Anker sagt: „Begeistert über mögliche Mehrkosten wäre hier niemand.“ Das wäre wie eine Kassengebühr bei den Ärzten, von der die Eintreiber nichts haben außer dem Verwaltungsaufwand, sagt Mandy Schubert, die Gaststätten am Anger in Kötzschenbroda betreibt und auch Zimmer und Ferienwohnungen vermietet. Zumal das Geld ja dann höchstwahrscheinlich nicht mal zur Tourismusförderung eingesetzt würde. „Ich hoffe, dass Radebeul davon noch eine Weile absieht“, sagt sie.

Jürgen Clausnitzer von der Pension Ott denkt ähnlich: „Die Gäste schauen genau auf die Preise. Da bekommt keiner so schnell mal eine Diätenerhöhung von gut 800 Euro.“ Aber aus Dresden würden deswegen trotzdem kaum Gäste nach Radebeul wechseln, vermutet er. Auch weil dann das Geld, welches in Dresden als Kurtaxe verlangt wird, für Straßen- oder S-Bahn wieder draufgeht.

Ganz andere Gedanken haben da die Moritzburger. Dort gibt es keine Kurtaxe, aber eine sogenannte Fremdenverkehrsabgabe. Und die muss auch nicht der Gast zahlen, sondern jeder Gewerbetreibende, der in Moritzburg vom Tourismus profitiert, sagt Bürgermeister Jörg Hänisch.

Eingeführt wurde die Abgabe schon in den 1990er-Jahren. Damals sei Hänisch dafür gewesen, auch weil die Partnerstadt Cochem im Westen dazu geraten habe. Mittlerweile überlegt der Chef der Gemeinde, ob diese Abgabe noch sinnvoll sei. Auch deshalb, weil damit zwar rund 18 000 Euro eingenommen werden, aber die Verwaltungsarbeit enorm sei. Hänisch: „Wir wollen jetzt Aufwand und Nutzen vergleichen und dann nochmals nachdenken.

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) wiederum hat das Thema zur Chefsache gemacht. Für ihn gehört es zum Stadtmarketing und der Frage, wie sich dieses finanzieren lässt. Seit Jahren wird darüber diskutiert, nur passiert ist nichts. Raschke will das gemeinsam mit dem Stadtrat ändern und eine eigene Stadtmarketing-Gesellschaft gründen. „Viel Werbung läuft derzeit parallel, ohne im Detail miteinander abgestimmt zu sein“, sagt der Rathauschef. Diese Kräfte und vor allem die dazu nötigen Gelder will er bündeln und auf diese Weise bessere Werbe-Effekte für die Stadt erzielen.

Trotzdem wird darüber hinaus noch Geld gebraucht. Die Stadtmarketing GmbH soll auf sicheren Füßen stehen. Angedacht ist eine Fremdenverkehrsabgabe oder Kurtaxe. Details sind noch zuklären.

Fazit: Noch wird der Gast im Landkreis Meißen von einer direkten Abgabe, wie sie jetzt in Dresden eingeführt wurde, verschont. Wahrscheinlich nicht mehr lange, angesichts der Geldknappheit in den Gemeinden und Städten.