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Kommt jetzt eine neue Grippewelle?

Im vergangenen Winter gab es die meisten Influenza-Fälle seit 2001. Wie man sich vor der Infektion schützen kann.

© dpa

Von Andrea Schawe

Freital. Noch ist die Grippewelle nicht im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge angekommen. Allerdings gab es die meisten Neuerkrankungen in der vergangenen Saison in Sachsen zwischen Anfang Februar und Anfang März. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wie viele Grippefälle gab es bisher im Landkreis?

„In dieser Saison, also ab Oktober 2015, sind uns bis jetzt nur 15 laborbestätigte Influenzafälle gemeldet worden“, sagt Amtsärztin Dr. Cornelia Mix. Von einer Grippe-Welle könne also noch nicht gesprochen werden. 2015 hatte die Influenza außergewöhnlich viele erwischt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden sachsenweit 13 064 Grippefälle registriert – das waren die meisten Grippefälle in einer Saison seit 2001 und sogar mehr als im Jahr 2009, als die sogenannte Schweinegrippe grassierte. Dem Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden bis März 2015 exakt 436 Grippefälle gemeldet. In 302 Fällen handelte es sich um die Influenza Typ A – der häufigste und für den Menschen gefährlichste Grippe-Typ – und in 66 Fällen um die Influenza Typ B, die besonders bei Kindern und Jugendlichen auftritt.

Im vergangenen Jahr erkrankten besonders viele, obwohl sie geimpft waren. Hilft der Impfstoff überhaupt?

Der Grund war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts, dass sich die Virustypen in der Luft im Laufe der Grippezeit verändert haben. Das hatte zur Folge, dass der Impfstoff nur zu 27 Prozent wirksam war. Normal sind 40 bis 60 Prozent. Das Gesundheitsamt im Landkreis verwendet einen breitenwirksamen Impfstoff, der gegen vier Typen der Influenza abdeckt. „Wir haben noch ausreichend Grippeschutzimpfstoff“, sagt Cornelia Mix, die Leiterin der Abteilung Gesundheit beim Landratsamt.

Wann sollte man sich impfen lassen, um geschützt zu sein?

Das Gesundheitsamt impft jede Saison rund 400 Bürger gegen Influenza. Die beste Zeit, sich impfen zu lassen, ist im Oktober. Der Schutz reicht dann bis etwa März oder April. „Solange die Grippewelle uns noch nicht erreicht hat, empfehlen wir, sich noch impfen zu lassen“, sagt Mix. Nach zehn bis 14 Tagen tritt dann der Impfschutz ein. Eine Impfung ist generell sinnvoll, da schon die Abschwächung der Symptome und vor allem die Senkung der Komplikationsrate Impferfolge sind.

Für welche Personen ist die Grippeschutzimpfung wichtig?

In Sachsen wird die Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat empfohlen. Sehr wichtig ist sie beispielsweise für Kinder und Jugendliche, Senioren, Schwangere, chronisch Kranke oder Menschen mit Immunschwäche und medizinisches Personal. Auch Personen, die mit vielen Menschen zu tun haben und Personen, die kranke Angehörige betreuen, sollten sich impfen lassen.

Ist ein Infekt ein Grund, die Impfung aufzuschieben?

Leichte Erkältungssymptome wie Schnupfen und Halskratzen sind kein Hindernis. Personen, die akut krank sind, sollten nicht geimpft werden. Die Impfung kann das Immunsystem überfordern und die Erkältung zum Ausbruch bringen.

Kann der Impfstoff selbst auch eine Grippe oder allergische Reaktionen zur Folge haben?

Die Impfung selbst verursacht keine Erkältungskrankheit. Die verwendeten Virenfragmente sind so abgeschwächt, dass sie selbst keine Erkrankung mehr auslösen können. Auch Personen, die gegen Inhaltsstoffe des Impfstoffes allergisch reagieren, zum Beispiel gegen Hühnereiweiß, dürfen nicht geimpft werden.

Wie kann man sich noch schützen?

Man kann versuchen, sein Immunsystem zu trainieren und zu stützen: gesunde, ausgewogene Ernährung, Bewegung an frischer Luft, ausreichend Schlaf, sich entsprechend dem Wetter kleiden. Die üblichen Hygieneregeln sollten besonders in Grippezeiten beachtet werden: nicht anhusten, anniesen, Hand geben vermeiden, das Zimmer lüften.

Wie erkennt man eine Influenza?

Im Gegensatz zu einer schleichend beginnenden Erkältung startet die Grippe plötzlich. Schnell verschlechtert sich der Allgemeinzustand. Hinzu können Schüttelfrost, hohes Fieber, ein trockener Husten, Halsschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden kommen. Die Symptome sind nicht bei allen Menschen gleich stark: Ein Drittel hat bei einer Infektion milde Krankheitszeichen, ein weiteres Drittel keine. Ob es sich um eine Grippe handelt, kann nur mittels mikrobiologischer Diagnostik festgestellt werden.

Was muss man tun, wenn man sich angesteckt hat?

Mit „Schlaf‘ dich gesund“ ist man gut beraten, sagt die Amtsärztin. Das heißt: eher im Bett bleiben, sich auskurieren, leichte, vitaminreiche Kost zu sich nehmen, ausreichend trinken, bei hohem Fieber unter Umständen Medikamente einnehmen. Einfache Hausmittel können ebenfalls helfen, die Symptome zu lindern. Bei anhaltenden starken Beschwerden sollte jedoch der Arzt aufgesucht werden.

Die Impftermine im Landratsamt: jeweils dienstags von 13 bis 17.30 Uhr in Pirna, jeden ersten Donnerstag im Monat 15.30 bis 17.30 Uhr in Freital, jeden letzten Donnerstag im Monat 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr in Dippoldiswalde. Für gesetzlich Versicherte ist die Impfung kostenfrei. Privat versicherte Bürger erhalten eine Rechnung.