merken
PLUS

Kommt tanzen!

Am Freitag gibt es im Rammenauer Schlosspark den ersten Mittsommernachtsball. Festlich, aber nicht elitär.

© Thorsten Eckert

Von Constanze Knappe

So lange hell ist es jetzt! So kurz und lau sind die Nächte! Nicht mehr weit ist es bis zur Mittsommernacht am Sonnabend. Grund genug für das Barockschloss Rammenau, das ausgelassen und festlich zu feiern – mit einem Mittsommernachtsball unter freiem Himmel. Schlosschefin Ines Eschler wird selbst tanzen – mit der Dresdnerin kommen die Bälle zurück ins Schloss. Welche Pläne sie für den Sommer noch hat, erzählt sie im SZ-Gespräch.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Frau Eschler, Freitag feiern sie Mittsommernachtsball. Woher die Idee? Waren Sie inspiriert vom nordischen Brauch?

Wir haben uns weniger am nordischen Brauch orientiert, sondern wollen eine der kürzesten Nächte des Jahres feiern. Wir lassen die Tradition der Bälle bei uns wieder aufleben. Das Interesse ist da. Der Maskenball war ruckzuck ausverkauft.

Mittsommer ist eigentlich Sonnabend. Bei der Planung kam das deutsche Spiel bei der Fußball-WM dazwischen, oder?

Ja. Der Ball sollte eigentlich am Sonnabend stattfinden. Eine große Leinwand für das Deutschlandspiel hätte die Atmosphäre des Balls zerstört. Deshalb sind wir auf Freitag ausgewichen. Auf Nachfrage informiert der Kammerdiener gern über den Spielstand der Partie Honduras gegen Ecuador.

Nach dem Maskenball ist der Ball der zweite unter ihrer Regie. Was begeistert sie persönlich so sehr daran?

Tanzen ist wunderbar. Das ist auch ein Grund dafür, die Bälle wieder einzuführen. Mein Mann und ich tanzen seit vier Jahren, nach den Anfangskursen tanzen wir jetzt jede Woche in einem Tanzkreis und wollen das Gelernte natürlich auch anwenden.

Also wird das Barockschloss jetzt zur Hochburg festlicher Bälle?

Das wäre übertrieben. Aber Tanzen ist wieder in – in allen Altersklassen. Das zeigen die vielen neuen Tanzschulen, die beispielsweise in Dresden entstanden sind. Unser Schloss eignet sich perfekt für Bälle.

Knüpft der Mittsommernachtsball an den beliebten Ball Royal an?

Nicht direkt. Aber ich bin daran interessiert, den Ball Royal weiterzuführen. Wir haben das mit Veranstalter Heiko Düring diskutiert. Wegen der Fußball-WM kam die Zusammenarbeit in diesem Jahr nicht zustande. Wir bleiben trotzdem im Gespräch. Ich halte den Ball Royal für ein tolles Konzept für ein junges Publikum.

Was ist neu am Mittsommernachtsball?

Der Ball selbst, der zum ersten Mal unter freiem Himmel stattfindet. Auf der Wiese hinter dem Schloss wird heute ein großes Zelt aufgebaut und der Tanzboden verlegt. Vor dem romantisch angeleuchteten Teich im Park kann man in der lauschigen Sommernacht wunderbar das Ambiente genießen. Falls es kühler wird, schließen wir die Seitenwände des Zelts.

Gibt es eine Kleiderordnung?

Niemand muss in großer Robe erscheinen. Das Dresdner Ballhaus Ensemble spielt Musik aller Standard- und Lateintanzarten, auch Discomusik. Barocktänzer zeigen Tänze in historischen Kostümen und erklären außerdem die Etikette jener Zeit.

Mit 65 Euro pro Person ist die Karte nicht gerade ein Schnäppchen. Ist das für ein elitäres Publikum gedacht?

Überhaupt nicht. Wer die Preise bei Bällen kennt, der weiß auch, dass es anderswo viel teurer ist. Im Preis enthalten sind ja Begrüßungsgetränk, Buffet, Überraschungen, Feuerwerk. Und es spielt eine Live-Band.

Das Schloss muss Geld verdienen, will aber auch für Kultur begeistern. Ein Balanceakt, oder?

Wir sind immer gefordert, beide Seiten zu beachten. Wir denken über eine neue Reihe für ein jüngeres Publikum nach mit anderer Musik, wofür es sich lohnt, auch von Dresden nach Rammenau zu kommen. Andererseits arbeiten wir intensiv am museumspädagogischen Konzept, beteiligen uns am Ferienpass. Wir bieten Programme für Schüler und kleinere Kinder. Die Kita Rammenau kommt zwölfmal im Jahr zu uns. Spaß macht den Kindern, wenn sie in historische Kostüme schlüpfen dürfen.

Mit dem „Schimmelreiter“ steigt am Sonntag eine Literaturnacht. Ziehen nächtliche Angebote neue Besucher?

Ich denke ja. Die Literaturnacht ist wie Ball-, Erlebnis- und Klassik-Nacht Teil unseres 7. Sommerfestivals. Mit dem „Schimmelreiter“ gastieren die Landesbühnen Sachsen. In der Novelle von Storm geht es um den Versuch eines Mannes, sich den Naturgewalten des Meeres zu widersetzen. Nach der Jahrhundertflut 2002 und anderen Hochwassern ist das Thema topaktuell.

Die Schlossküche kocht jetzt nach neuem Konzept. Es gibt sogar Kartoffeln und Quark. Wie kommt‘s an?

Gut. Die Gäste können jetzt wählen zwischen Gerichten der gehobenen Küche im Schlossrestaurant und der Gesindeküche im Meierhof. Letztere ist nicht nur eine preisliche Alternative. Wenn vor den Familien ein großer Topf mit Suppe oder Nudeln auf dem Tisch steht wie früher beim Gesinde, haben Kinder Spaß.

Wie verbringen Sie den Sonnabend, den längsten Tag des Jahres?

Ich bin im Schloss. Es sind Führungen angemeldet. Abends werden mein Mann und ich uns auf die Fahrräder setzen.