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Kommwohnen bessert in Weinhübel nach

In der Jonas-Cohn-Straße sind erst fünf von 48 Wohnungen vermietet. Jetzt erhält der Neubau Vordächer. Auch das Schneeschieben ist geklärt.

Von Ingo Kramer

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Ein bisschen ist es, als pendle Arne Myckert mit der Jonas-Cohn-Straße in Weinhübel zwischen zwei Welten. In der großen, weiten Welt stößt sein Beinahe-Neubau in den Häusern 42 bis 54 auf enormes Interesse. „Es waren schon 30 Kollegen aus der Wohnungswirtschaft in Görlitz, um sich das Vorzeigeprojekt anzuschauen“, schwärmt der Chef des kommunalen Großvermieters Kommwohnen. Auch bei einem Kongress, auf dem er den Bau vorgestellt hat, war der Saal voll, das Interesse riesig.

In der kleinen Görlitzer Welt hingegen stößt das Gebäude mit seinen Laubengängen vor allem auf Ablehnung – nicht zuletzt, weil sämtliche Bäder und Schlafzimmer im ersten und zweiten Stock zum Laubengang hin ausgerichtet sind, auf dem jeder entlangspazieren kann. „Erst fünf von 48 Wohnungen sind vermietet“, sagt Myckert. Und das, obwohl die Wohnungen schon Ende Juni bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt wurden. Damals waren sie fast fertig, aber vor allem am Außengelände waren noch einige Arbeiten offen. Von einem Misserfolg will er trotzdem nicht sprechen. Die letzten Monate des Jahres seien traditionell keine gute Zeit zum Vermieten, denn um Weihnachten herum will kaum jemand umziehen. So hofft Myckert, dass die Nachfrage jetzt anzieht.

Die fünf vermieteten Wohnungen sind allesamt 94-Quadratmeter-Wohnungen im Parterre mit großzügigen eigenen Gärten. In zwei Wohnungen sind Familien eingezogen, in die anderen drei dagegen Rentner. Im Umkehrschluss heißt das: Von den 36 Wohnungen mit je 64 Quadratmetern am Laubengang im ersten und zweiten Stock ist noch keine einzige vermietet.

Grund genug für Myckert, dort jetzt Veränderungen vorzunehmen und damit auf konkrete Kritikpunkte zu reagieren. Zum einen sollen bis März Vordächer über allen Wohnungseingangstüren im zweiten Stock angebracht werden, sodass Mieter nicht im Regen stehen, sobald sie die Tür öffnen. Das ist keine einfache und auch keine preiswerte Sache: „Um das Problem wirklich zu lösen, brauchen wir Vordächer mit Entwässerung.“ Deutlich preiswerter war es, die zu hohen Einstiege in den Duschen abzusenken. Hier hatte die Firma in acht von 48 Wohnungen die falschen Einstiege eingebaut – und musste den Fehler auf eigene Kosten rückgängig machen.

Ebenfalls geklärt ist die Frage des Schneeschiebens auf den Laubengängen im Winter: Einer der fünf ersten Mieter ist gleichzeitig Hausmeister. Er kann also jederzeit Schnee fegen. Weiterhin stellt Myckert demnächst in zwei Wohnungen Einbauküchen auf. Sollte das auf Resonanz stoßen, kommen später weitere hinzu. Und sobald es Frühling wird, sollen Blumenkästen die Geländer der Laubengänge zieren, damit das Gebäude einladender wirkt.

An einen Punkt will er aber vorläufig noch nicht ran: Den Mietpreis. Bei den Vierraum-Wohnungen im Parterre liegt die Kaltmiete bei 6,50 Euro, bei den oberen Wohnungen bei sieben Euro je Quadratmeter. Sie kosten mehr, weil der Fahrstuhl bezahlt werden muss. Warm macht das unten rund 800, oben fast 600 Euro pro Wohnung. „Wenn sich die Vermietungssituation bis März nicht verbessert hat, müssen wir uns aber auch über eine Preissenkung Gedanken machen“, räumt Myckert ein.

Auf die Frage, warum die weite Welt positiver auf das Gebäude reagiert, als die Lokale, hat er indes eine Erklärung gefunden: Es ist eine Frage der Gewohnheit. „Der Laubengang ist für die Görlitzer keine typische Bauform, in Europa aber ist er verbreitet.“

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