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Kompetenz schlägt Parteibuch

Der CDU-Kreischef verliert gegen einen Parteilosen. Doch ganz überraschend erhält Sebastian Fischer nun eine neue Chance.

Verlierer mit einem Lächeln: Der CDU-Kreisvorsitzende Sebastian Fischer (r.) gratuliert seinem siegreichen Kontrahenten Ralf Hänsel, Bürgermeister von Zeithain.
Verlierer mit einem Lächeln: Der CDU-Kreisvorsitzende Sebastian Fischer (r.) gratuliert seinem siegreichen Kontrahenten Ralf Hänsel, Bürgermeister von Zeithain. © Arvid Müller

Landkreis. Ein Parteiloser muss es jetzt richten. Ralf Hänsel, Bürgermeister von Zeithain, gewann die CDU-interne Wahl zum Landratskandidaten am Freitagabend in Weinböhla. Die 185 anwesenden Mitglieder (so viel waren es in den letzten Jahren noch nie bei einem Kreisparteitag) stellten mehrheitlich die fachliche Kompetenz Hänsels über die Tatsache seines fehlenden CDU-Parteibuches.

Hänsel sagte am Montag: „ Es war doch recht knapp. Aber ich freue mich sehr und nehme das Ergebnis mit großer Demut entgegen. Vielleicht gelingt es mir als Parteilosem, die CDU auf das gemeinsame Ziel einzuschwören. Ich hoffe es.“ Hänsel eröffnete am Sonntag schon mal eine Wahlkampfseite auf Facebook. Zudem will er jetzt mit seinen Bürgermeister-Kollegen sprechen, um die kommunalen Probleme im Detail zu erkennen. Die weitere Wahlkampfstrategie will er noch mit der CDU absprechen.

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Sein Kontrahent, der CDU-Kreisvorsitzende Sebastian Fischer, hat alles auf eine Karte gesetzt und dann doch verloren. Für ihn ist die Abstimmungsniederlage doppelt bitter. Sie erschüttert seine innerparteiliche Position als Kreisvorsitzender und zerstört auch seine beruflichen Hoffnungen. Ob das Ergebnis von Weinböhla, 104 zu 79 Stimmen für Hänsel, tatsächlich ein Misstrauensvotum für den eingeleiteten Generationswechsel in der Kreis-CDU oder nur eine persönliche Schlappe für Fischer ist, wird die Zukunft zeigen.

"Der stärkere Kandidat hat sich durchgesetzt"

Nach SZ-Informationen gab es vor der Wahl Gespräche mit Fischer, er möge zurückziehen und den fachlich Besseren ans Ruder lassen. Fischer lehnte ab. Zu wichtig war dem gelernten Koch die Aussicht auf den Job eines Landrates. Sein Kommentar nach der Wahl fiel knapp aus: „Die Nominierung ist abgeschlossen. Der anstehende Wahlkampf wird Thema bei der kommenden Kreisvorstandssitzung im Juli sein, an der auch Herr Hänsel teilnehmen wird. Dem möchte ich nicht vorgreifen.“

Der noch bis Ende August amtierende Landrat Arndt Steinbach (CDU) kommentierte den Ausgang der Wahl so: „Sebastian Fischer hat toll gekämpft, hatte aber - inhaltlich dünn - gegen Ralf Hänsel nicht punkten können. Der stärkere Kandidat hat sich durchgesetzt.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth sieht das ähnlich: „Kompetenz schlägt diesmal das Parteibuch. Ralf Hänsel hat die besten Chancen, die Wahl zu gewinnen. Und er wird ein guter Landrat werden.“

Wirklich gefährlich werden kann Ralf Hänsel nur die AfD. Ihre Zustimmungswerte im Landkreis Meißen sind immer noch sehr hoch. Die AfD wird in jedem Fall einen Kandidaten für die Wahl des Landrates im Kreis Meißen aufstellen, teilte Landtagsfraktions-Sprecher Andreas Harlaß am Montag der SZ mit. Zwei Kandidaten haben sich bereits vorgestellt, ein dritter kommt möglicherweise noch dazu. Die Versammlung zur Aufstellung der Kandidaten wird am 11. Juli stattfinden. Dazu erklärt der Meißner AfD-Kreisvorsitzende Detlev Spangenberg: „Wir rechnen uns sehr gute Chancen aus, von der Mehrheit der Bürger gewählt zu werden.

Landrat bringt Fischer für Bundestagswahl ins Spiel

Im linken Lager ist ebenfalls noch alles offen. Vieles spricht aktuell für eine gemeinsame Kandidatin Elke Siebert von den Grünen. Ihre Partei hat sie bereits gewählt. Möglich, aber unwahrscheinlicher, ist die Aufstellung einer separaten Linken-Kandidatin Anna Gorskih, die auch Landtagsabgeordnete ist. Die SPD hat noch keine Kandidatin aufgestellt. SPD-Kreisvorsitzende Susann Rüthrich sagte, sie sei weiter optimistisch, einen gemeinsamen linken Kandidaten zu finden. Der SPD-Vorstand tagt dazu am 15. Juli.

Über den Landrats-Wahltermin entscheidet der Kreistag am Donnerstag. Die Verwaltung favorisiert jetzt den 11. Oktober. Nachwahltermin wäre in diesem Falle der 8. November.

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Trotz der Wahlschlappe ist für Sebastian Fischer noch nicht alles verloren. Plötzlich erhält er eine neue Chance. Nachdem Thomas de Maizière bekannt gab (und in Weinböhla vor den Mitgliedern erläuterte), dass er 2021 zur Bundestagswahl nicht mehr zur Verfügung steht, muss die CDU einen neuen Kandidaten finden. Landrat Arndt Steinbach, der sich eigentlich dem Hänsel-Lager zugehörig fühlt, machte einen überraschenden Vorschlag: „Sebastian Fischer ist prädestiniert für den Bundestag.“ Bislang hatte nur Fischers Stellvertreterin, die Meißner Landtagsabgeordnete Daniela Kuge, ihren Hut in den Ring geworfen. Die CDU wird vermutlich im November über diese Personalie entscheiden.

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