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Kamenz

Autozulieferer schickt 900 Mitarbeiter heim

20.000 Kompressoren laufen bei TDDK in Straßgräbchen täglich vom Band. Jetzt stoppt das Unternehmen die Produktion - mit einer Vollbremsung.

20.000 Kompressoren für Klimaanlagen laufen bei TDDK in Straßgräbchen täglich vom Band. Jetzt wurde die Produktion gestoppt.
20.000 Kompressoren für Klimaanlagen laufen bei TDDK in Straßgräbchen täglich vom Band. Jetzt wurde die Produktion gestoppt. © Archivfoto: Matthias Schumann

Straßgräbchen. Auf dem riesigen Parkplatz neben dem Werk der TD Deutsche Klimakompressoren (TDDK)  in Straßgräbchen wirken die gut 20 Autos verloren. Ein Schild informiert: „Der Haupteingang ist geschlossen. Bitte benutzen Sie den Nebeneingang.“ Im Foyer ist es still. Zwei Flaschen mit Desinfektionsmittel für die Hände stehen auf einem Tischchen. TDDK hat die Produktion eingestellt und die Geschäftstätigkeit wegen der Corona-Epidemie vorübergehend ausgesetzt. Nur noch wenige Mitarbeiter sind in dem riesigen Werkskomplex. 

Personalleiterin Stefanie Fritzsche gehört dazu und gibt  Auskünfte zur Situation – in angemessener Distanz. Denn eines sei in diesen Tagen oberste Priorität, die Ansteckungsgefahren mit dem Virus zu minimieren. Um die 30 Mitarbeiter seien derzeit noch in den Werkshallen, also fast alle der 950 Beschäftigten zu Hause. „Wichtigstes Anliegen ist uns allen die Gesundheit unserer Belegschaft und unserer Familien“, teilt die Firmenleitung mit. 

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Es sei nur noch ein Krisenstab im Objekt, der lebensnotwendige Funktionen des Werkes am Laufen hält, wie die Haus- und Informationstechnik.  Fünf Brummis standen morgens noch am Lager. So ist auch in der Logistik noch Personal, um Lieferungen anzunehmen, die per Schiff aus Japan erwartet werden.

Mitarbeiter bauen Stunden ab

„Die Mitarbeiter bauen jetzt bis Ende des Monats ihre Stunden ab oder nehmen Resturlaub“, erklärt Stefanie Fritzsche. Die März-Gehälter würden voll ausgezahlt, versichert auch TDDK-Vizepräsident Ronald Juhnke. Derzeit werde geprüft, ob und wie danach auf Kurzarbeit umgestellt werden kann. Es seien noch einige Fragen zu klären. 

Ob dieser erzwungene Produktionsstopp zwei, drei, vier oder mehr Wochen dauert, könne derzeit niemand zu sagen. Der Vizepräsident war am Mittwoch in mehreren Krisensitzungen – intern mit der Mitarbeitervertretung, dem Management, der Personalleitung und mit den Gesellschaftern in Japan, zu denen Toyota gehört. „Wir haben ja auch Familien aus Japan hier. Da sei zu klären, ob sie heimkehren oder in Deutschland bleiben.“

Die Produktion ist gestoppt, der riesige Parkplatz verwaist.
Die Produktion ist gestoppt, der riesige Parkplatz verwaist. © Air-Control

Fest stehe: Um die grassierende Virusepidemie zu verlangsamen, habe die europäische Autoindustrie in den Vorwochen „mit einer Vollbremsung ihre Produktion eingestellt“, erklärt Juhnke. Es sei kaum vorstellbar gewesen und begann mit Fiat. Dann sei es manchmal im Stundentakt gegangen: VW, Daimler Volvo, Toyota, Renault, Peugeot… Von überall kamen die Stornierungen.

Ende der Vorwoche lief dann die letzte Frühschicht und die Produktion wurde komplett heruntergefahren auf den jetzigen Krisenmodus. Wo sonst die Geräte auf dem Förderband von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz rücken, wo Mitarbeiter täglich bis zu 20.000 Kompressoren montieren ist nur noch Stille, alle Produktionslinien ruhen. Das habe es in der Unternehmensgeschichte seit 1998 noch nicht gegeben.

Bänder stehen still

Die Produktion zu stoppen, sei eine schwere Entscheidung gewesen, sagt  die Personalchefin. Aber, wenn die Geschäftspartner die Arbeit ruhen lassen, „stehen bei uns ebenfalls die Bänder still.“ Damit schlägt die Corona-Krise bei den Autohersteller hart auf den Zulieferer durch. Als hundertprozentiger Zulieferer bleibe keine andere Wahl, schätzt Ronald Juhnke ein. 

Das Unternehmen stellt Klimakompressoren her. Das Herzstück der Klimanlage in jedem Auto. TDDK ist mit einem Versandvolumen von bisher sechs Millionen Kompressoren pro Jahr Marktführer. Ronald Juhnke: „Wenn Europas Automobilindustrie wieder den Bau von Autos aufnimmt und damit auch unsere Klimakompressoren braucht, werden auch wir wieder an den Start gehen.“

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