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Kompromiss beim Zschaitzer Funkturm

Die Deutsche Funkturm GmbH kommt der Gemeinde entgegen. Doch auch diesen Vorschlag lehnen die Anwohner ab. Dennoch fällt eine Entscheidung.

Ein Funkturm, ähnlich diesem, könnte in Lüttewitz gebaut werden.
Ein Funkturm, ähnlich diesem, könnte in Lüttewitz gebaut werden. © Christoph Dernbach/dpa

Zschaitz-Ottewig. Die Tagesordnung der Sitzung des Gemeinderates Zschaitz-Ottewig war offenbar so interessant, dass 15 Bürger erschienen waren. Kein Wunder, ging es doch auch um den Funkturm, der im Ortsteil Lüttewitz aufgestellt werden soll.

Während der Sitzung der Gemeinderäte im Mai hatte Bürgermeister Immo Barkawitz (parteilos) versprochen, noch einmal mit der Funkturm GmbH zu sprechen. Schon im Mai hatte der Bürgermeister verkündet, dass die Firma bereit ist, den Standort des Funkturms um 150 Meter in Richtung Goselitz zu verschieben. „Nach Auskunft des Landratsamtes ist der Standort aus baurechtlicher Sicht vollkommen korrekt“, informierte Barkawitz. Es sei ein priorisiertes Bauvorhaben im Außenbereich und diene der Daseinsfürsorge.

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Die Funkturm habe neben der Verschiebung in Richtung Goselitz weitere Vorschläge unterbreitet. So bot sie an, die Höhe des Turms um neun Meter auf 37 Meter zu verringern. Zudem wäre es möglich, den Mast nicht in Gitter-, sondern in Betonbauweise auszuführen. Die Verkleinerung des Funkturms hätte aber den Nachteil, dass dann nicht alle Anbieter ihre Technik auf dem Turm installieren könnten. Das könnte dazu führen, dass andere Anbieter einen eigenen Turm bauen wollen.

Bürger bleiben bei Ablehnung

In den vergangenen Monaten habe er immer wieder nach Funktürmen Ausschau gehalten, so Barkawitz. „Es ist wirklich erstaunlich, wo überall Funktürme stehen“, sagte der Bürgermeister. Als Beispiel nannte er die Anlage in Döbeln Nord unweit der Esso-Tankstelle. Er ziehe die Schlussfolgerung, dass die Auswirkungen der Strahlung nicht so dramatisch sein können, weil dann die benachbarten Häuser schon leergezogen sein müssten.

„Wir haben jetzt also die Vorschläge der Funkturm GmbH und die Aussage des Landratsamtes, dass der Standort genehmigungsfähig ist. Wir können uns jetzt nur noch über die Alternativen unterhalten, ob wir auf die Kompromissvorschläge eingehen oder weiter auf Konfrontation gehen, und irgendwann kommt die Entscheidung, dass der Funkturm doch gebaut wird“, sagte Barkawitz. Er selbst habe auch mit vielen Betroffenen gesprochen, die keinen oder schlechten Mobilfunkempfang haben, und die den Bau des Funkturms befürworten würden.

Die anwesenden Bürger beharrten auf ihrer ablehnenden Position. „Wir wollen den Turm nicht. Wir haben in Goselitz Unterschriften gesammelt gegen diesen Funkturm“, sagte eine Frau. Gemeinderat Ronald Göllnitz (Freie Wähler) machte klar, dass eine Entscheidung gefällt werden muss. Dabei gehe es nur darum, welche Variante bevorzugt wird. „Wenn wir keine Entscheidung treffen, wird sie uns abgenommen“, so Göllnitz.

260 Meter bis zum ersten Haus

Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU), der als Gast zugegen war, hatte mittels einer Software die Abstände zu den Häusern ermittelt. „Vom neuen Standort bis zum ersten Haus am Doktorberg sind es 260 Meter. Im Umkreis von 300 Metern liegen fünf Häuser“, sagte Schilling. Auch er verdeutlichte, dass es seitens des Landratsamtes keine Veranlassung gibt, den Bau des Funkturms zu verwehren. Aufgrund des Einspruches der Gemeinde sei die Funkturm GmbH zu Kompromissen bereit. Er finde den Kompromiss tragfähig, so Schilling. Immo Barkawitz ergänzte: „Ich sehe es als Erfolg, dass die Funkturm GmbH die Vorschläge überhaupt anbietet.“

Einer der Anwohner vertrat die Auffassung, dass die Funkturm GmbH die Vorschläge nur unterbreitet hat, um Druck auszuüben. Erneut flammte eine Diskussion auf, die aber letztendlich zu nichts führte.

Bei der Abstimmung entschieden sich die Gemeinderäte bei einer Gegenstimme für die Variante, dass der Funkturm um 150Meter versetzt, mit einer Höhe von 46Metern und als Betonmast gebaut wird.

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Während Immo Barkawitz zum nächsten Tagesordnungspunkt überging, verließen die meisten Anwohner die Versammlung. Das stieß bei den Gemeinderäten auf Befremden. Jörg Fritzsche (Freie Wähler) sagte: „Ich finde es sehr traurig, was jetzt passiert ist. So lange wie jemand vor seiner Haustür ein Problem hat, erwartet er, dass wir uns drehen. Geht es aber um andere wichtige Belange wie Haushalt oder Kita, verlassen die Leute die Sitzung. Das ist in meinen Augen beschämend.“

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