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Konkurrenz für Trevi

Der Brunnen im Hoyerswerdaer Lausitz-Center wird saniert. Seine Naturstein-Bodenplatte ist ein handwerkliches Meisterstück.

Ronny Klinger ist seit 37 Jahren Fliesenleger – aber er kann weit, weit mehr als eben das.
Siehe seine Aufgabe am Lausitz-Center-Brunnen, an dem er hier gerade Maß nimmt für eine Verblend-Leiste.
Ronny Klinger ist seit 37 Jahren Fliesenleger – aber er kann weit, weit mehr als eben das. Siehe seine Aufgabe am Lausitz-Center-Brunnen, an dem er hier gerade Maß nimmt für eine Verblend-Leiste. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Mit Brunnen verbindet der Besucher zuallererst ikonische Bilder – etwa Anita Ekberg, wie sie 1960 in Federico Fellinis Film „La dolce Vita“ („Die süße Versuchung“) Marcello Mastroianni in den römischen Trevi-Brunnen lockt. Im wahren Brunnen-Leben bewundert wird die Fontäne. Die Mittelsäule, besonders wenn sie gestaltet ist mit allegorischen Figuren. Die Umrandung, sei sie nun aus rustikalen Feldsteinen gefügt oder feinstem Marmor. Die Mosaike des Beckens, bisweilen überdauert habend Jahrhunderte. Aber der Boden des Bassins? Der ist doch nur, wenn überhaupt, aus billigen Fliesen/Kacheln gefügt; nicht der Rede wert ...

Ganz falsch! Jedenfalls in Sachen des Hoyerswerdaer Lausitz-Centers. Dessen Brunnen wird zur Zeit saniert. Nicht nur das Grünpflanzen-Umfeld, nicht nur die aus mehrstrahligen Düsen gespeisten Wasserspiele verdienen nach vollbrachtem Werk Aufmerksamkeit, sondern auch die Bodenplatte des Reservoirs – denn das ist eine einzige, ungeteilte, große graue Tafel aus Naturstein; ursprünglich 1,75 x 1,75 m groß; 2 cm stark; maßgenau zugeschnitten von Ronny Klinger aus der Fliesenlegerfirma Manfred Jurisch in Schwarzkollm. Hinzu kommen vier graue Dreiecks-Platten (96 x 96 x 120 mm), diverse schwarze Verblend-Streifen und Kästen. Alle Natursteine lieferte die Wittichenauer Firma Nebasto. Etwa 16.000 Euro lässt sich das Center die edel aussehende Sache kosten – gewissermaßen als Geschenk zum 25. Geburtstag des Centers in diesem Jahr.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Schwierigkeit Nr. 1: Es war nicht einfach nur eine monolithische sechseckige „Scheibe“ zuzuschneiden, sondern die vier Durchlässe für die Wasserzuleitungen plus eine für die Mittelfontäne mussten eingefügt werden. Ebenso die Aussparungen für die Scheinwerfer, die auf stromsparende LED umgerüstet werden.

Alles das, ohne die Stabilität des Gesamtkonstrukts zu gefährden. Schwierigkeit Nr. 2: Alle Platten werden ohne Fuge verlegt. Die Gehrungsschnitte müssen, zudem lotrecht und in der Waage arbeitend, erfolgen – nichts da also mit bequemer Werkbank. Obendrein muss alles auf den Zehntelmillimeter passen – das ist sogar exakter als die Toleranz bei den Blechen der Karossen von Luxus-Automobilen.

Ende Juni soll der Brunnen in der Einkaufszeile wieder sprudeln. Mit neuer Wasser-Technik und umrahmt teils von den gewohnten Gewächsen, teils umstanden von neuem Grün, das der Gartenbau Steffen aus Dessau bereitstellt; die Firma. die auch für die Osterdekoration zuständig ist.

Ein Ensemble soll es werden, das Erfrischung und Freude für alle Sinne der Besucher des Hauses bietet, hofft Lausitz-Center-Technik-Chef Jörg Wellnitz.

Ob zur Eröffnung eine deutsche Aktrice im Lausitz-Center-Brunnen baden wird; Palina Rojinski, Hannah Herzsprung, Veronica Ferres gar? Zeit hätten sie ja jetzt wohl ... Aber die Ekberg, Gott hab sie selig, ist unerreichbar. Und wer sollte denn der adäquate (Film-) Partner sein? Zudem ist das Center ab 20 Uhr geschlossen (keine Chance für nächtliche Amouren-Touren!). Nicht zuletzt gilt noch die ent-erotisierende Mund-Nasen-Bedeckungs-Pflicht. Einen tiefen Blick ist der Brunnen in der Lausitz-Center-Passage aber auch ohne den Schmuck mit vergänglichen Leinwand-Held(inn)en wert.

P.S.: Zwar sind für deutsche Touristen justament seit dem gestrigen 3. Juni Italien-Reisen wieder erlaubt, also auch zum Trevi-Brunnen; aber in früheren Veröffentlichungen wird gewarnt: „... voller Touristen! Man muss um einen guten Fotoplatz kämpfen ... “. Da dürfte es am Center-Brunnen bald doch entspannter zugehen.

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