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Konrad Zuse als Künstler Kuno See

Das künstlerische Erbe des Computervaters ist im Hoyerswerdaer ZCOM in guten Händen.

Susann Kalbas und (fast) abstrakte Werke von Kuno See/Konrad Zuse.
Susann Kalbas und (fast) abstrakte Werke von Kuno See/Konrad Zuse. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Ingenieure brauchen wie Künstler neue Ideen – und den Mut, diese umzusetzen. Konrad Zuse (1910-1995), der Erfinder des weltweit ersten funktionsfähigen Computers, hatte beides und ging deshalb lebenslang seinen technischen und künstlerischen Neigungen nach.

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Das Zuse-Computer-Museum (ZCOM) in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 1-3 stellt alle Leistungen des Hoyerswerdaer Ehrenbürgers vor, der am gestrigen 22. Juni 110 Jahre alt geworden wäre. Zu diesem Anlass wurde die kleine Galerie im ZCOM umgestaltet, sagte die Museumsmitarbeiterin Susann Kalbas, und jetzt werden dort vor allem grafische Arbeiten, geschaffen von Konrad Zuse, gezeigt.

Dieser zeichnete schon als Schüler am Reformrealgymnasium Hoyerswerda und hat von seinem Kunstlehrer Bracki das Aquarellieren gelernt. Die Klasse fuhr auch nach Dresden zu Ausstellungen und erlebte den Expressionismus sowie die moderne Malerei. Das gefiel Konrad Zuse und das ZCOM zeigt zwei Aquarelle, die er 1926 in Hoyerswerda gezeichnet hat, sagte Susann Kalbas. Darauf sind visionäre Hochhäuser zu sehen, wie sie in der Fantasiestadt Metropolis hätten stehen können.

Naturalismus und Abstraktes

Als Student des Bauingenieurwesens an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg malte Zuse farbige Plakate für Theateraufführungen seiner Studentenverbindung. Von 1930 bis 1931 arbeitete er sogar als Werbegrafiker. Da der junge Mann in diesem Beruf wenig Erfolg hatte, beendete er doch das Bauingenieurstudium, berichtete die Museumsmitarbeiterin. 1941 stellte er seine erste programmgesteuerte und frei programmierbare Rechenanlage Z3 vor und 1944 konnte er mit der Z4 aus Berlin vor den Bombenangriffen ins Allgäu fliehen. Nach dem Krieg sicherte Zuse zunächst mit Holzschnitten das Überleben seiner Familie: naturalistische Allgäuer Landschaften und Neujahrskarten.

Dann gründete er seine Rechentechnik-Firma Zuse KG. Anfang der 1960er Jahre, als die KG wirtschaftliche Probleme bekam, begann er wieder zu malen, erzählte Susann Kalbas. Zuse verwendete damals vorrangig Pastellkreiden und Ölfarben, schuf abstrakte Gemälde, Porträts und Aktmalereien. „Er hat viele Bilder in Schichten aufgebaut wie seine Rechner“, erklärte die Museumsmitarbeiterin. Zuerst zeichnete er als statische Elemente Gebäude oder geometrische Formen und brachte diese durch darüber gelegte schwungvolle Pinselstriche in Bewegung. Er signierte seine Werke in den 1960er/1970er-Jahren mit dem Pseudonym Kuno See. Kuno war sein Spitzname aus Studentenzeiten und See wählte er, weil er sich gern am Wasser aufhielt. Die meisten Bilder im ZCOM gehören Dr. Friedrich Genser, Besitzer der wohl größten privaten Zuse-Kunstsammlung.

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