SZ +
Merken

Konsum Dresden setzt seinem Chef einen älteren vor die Nase

Nach neun Jahren an der Spitze muss Roger Ulke akzeptieren, dass Gunther Seifert jetzt die Befehle gibt. Dabei kommt der aus einer sehr kleinen Firma.

Teilen
Folgen

Von Georg Moeritz

Dresden. Es war im März dieses Jahres, da bekam Gunther Seifert am Morgen einen Anruf von seiner Verkäuferin. Sie habe Grippe und müsse zu Hause bleiben. Seifert stimmte zu: Die Verkaufsstelle der Sächsischen Porzellanmanufaktur Dresden GmbH nahe der Frauenkirche blieb an jenem Sonntag ausnahmsweise zu.

Inzwischen ist die ganze Porzellanmanufaktur geschlossen, in der Seifert seit 20 Jahren gearbeitet hat. Nicht einmal 20 Beschäftigte hatte das Unternehmen in Freital, als der russische Besitzer zuschloss. Doch der 60-jährige Geschäftsführer Seifert hat von nun an über Hunderte Verkäuferinnen zu entscheiden: Er wird Chef der Genossenschaft Konsum Dresden mit 850 Beschäftigten. Der Aufsichtsrat teilte gestern sehr knapp mit, der bisherige Chef Roger Ulke sei ab sofort normales Vorstandsmitglied – zuständig für Einkauf, Vertrieb, Marketing und Expansion.

Mit Expansion war Ulke zuletzt „grandios gescheitert“, wie er selbst sagte. Die vier neuen Märkte in Franken stießen auf Skepsis. Zwei der Läden wurde der Konsum wieder los. Doch es blieben weitere Baustellen: In der Dresdner Centrum-Galerie versuchte Ulke eine Kündigung des Mietvertrages wegen technischer Schwierigkeiten – der Streit geht bis zum Bundesgerichtshof. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Konsum vor, Angestellte falsch einzugruppieren und auf diese Weise zu niedrige Löhne zu zahlen. Die Mitglieder der Genossenschaft bekommen immerhin nach einem Jahr Pause wieder einen Gewinn-Anteil. Nach Verlusten im Jahr 2011 meldete der Konsum nun 2,7 Millionen Euro Gewinn vor Steuern, bei 103 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen hat 34 Filialen.

Ulke war ein Hoffnungsträger des Konsums, als er im Jahr 1998 ins Unternehmen geholt wurde. Schreiner und Buchbinder hat der Leipziger gelernt, als Experte für Ladenbau gestaltete er ganze Abteilungen bei Karstadt und im Kadewe. 2004 wurde er Vorstandssprecher, zeitweise gehörte er auch dem Vorstand der Industrie- und Handelskammer Dresden an. Nun muss der 49-Jährige sich einem Älteren unterordnen. Ganz aus dem Vorstand abberufen wurde die Steuerberaterin Ines Mokrani, die erst vor drei Jahren mit 50 in diese Leitungsposition kam. „Unüberbrückbare Differenzen“ gab es laut Pressemitteilung.

Anstelle des Hobby-Motorradfahrers Ulke leitet nun Porzellansammler Seifert das Unternehmen. Fremd ist ihm die Branche nicht: In Seiferts Lebenslauf steht, dass er in Dresden an der Fachschule für Binnenhandel studierte und seine Laufbahn im Großhandel für Obst, Gemüse, Speisekartoffeln begann. In 20 Jahren Porzellanmanufaktur erlebte er Insolvenz und mehrere Besitzerwechsel mit.