merken
PLUS

Döbeln

Kopfgeld auf Sprayer ausgesetzt

Wolfgang Müller ist genervt von den Schmierereien an seinen Häusern. Die sind nur Selbstdarstellung.

Diesen Schriftzug hatte ein Sprayer an der Theaterstraße hinterlassen.
Diesen Schriftzug hatte ein Sprayer an der Theaterstraße hinterlassen. © privat

Döbeln. Im Döbelner Stadtbild sieht man sie immer wieder – gesprühte verschnörkelte Schriftzüge auf Fassaden. Den Döbelner Immobilienunternehmer Wolfgang Müller bringen die Schmierereien an seinen Häusern regelmäßig auf die Palme. Er hat im Laufe des Jahres einen dicken Aktenordner darüber angelegt. 

„Das ist eine Riesensauerei. Ich bringe alles zur Anzeige“, sagt er. Die Sprüher werden nur selten erwischt. Müller unternimmt einen neuen Versuch, die Sprühereien einzudämmen: Er verspricht demjenigen 100 Euro, der den Namen des Schmierers nennt. Zuletzt waren Schriftzüge an zwei Häusern an der Dresdner Straße und der Theaterstraße aufgetaucht.

Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Dass aber auch Namen von Verdächtigen nicht immer Erfolg bringen, hat Müller schon feststellen müssen. „Mir ist jemand benannt worden“, sagte er. Den Namen hat er auch schon an die Staatsanwaltschaft weitergeben. Auch bei seinen Anzeigen bei der Polizei gibt er die Person als Verdächtigen an. 

Ohne Erfolg. Müller will seinen Informanten schützen und benennt ihn nicht als Zeugen. Und Vermutungen gehe die Staatsanwaltschaft nicht nach, sagte Müller, der seinem Unmut auch ziemlich deftig Luft machen kann. „Was die sprühen, sieht nicht nur Scheiße aus. Es weiß auch keiner, was es bedeutet.“

Eine richtige Sprayerszene wie in anderen Städten gebe es in Döbeln nicht, sagte Döbelns Ordnungsamtschef Jürgen Müller. Gleichwohl tauchten immer mal wieder Schmierereien auf. „Aber wir werden nicht jeden Tag damit zugepflastert“, sagte Müller. 

„Wenn Aldi oder Lidl mal wieder billige Farbspraydosen verkauft, gibt es damit größere Probleme.“ An der Schiffsbrücke tauchten die sogenannten Tags vermehrt auf. Auch die Flüsterspiegel aus Beton in der Fronstraße waren beschmiert, kurz nachdem sie aufgestellt wurden. 

Die Stadtverwaltung geht an diesen Stellen mit Graffiti gegen Graffiti vor. Der Döbelner Sprayer Frank Schäfer hat die Flächen vor einigen Wochen gestaltet. Von ihm stammen auch die Bilder an den Umspannhäuschen der Stadtwerke. Dort wirkt das ungeschriebene Gesetz der Sprüherszene.

„Normalerweise ist es wie in Fels gemeißelt, dass man über fremde Bilder nicht darüber sprüht. Das machen vielleicht mal Anfänger“, sagte Schäfer. Der Graffitikünstler, der seit den 1980er-Jahren sprüht, arbeitet professionell und damit legal. In seiner Anfangszeit habe es in Döbeln eine Sprüherszene gegeben. Die war zwar auch manchmal illegal unterwegs. 

„Aber dort hat man noch irgendein Talent gesehen. Die haben auch mal legal eine Fläche besprüht“, sagte er. Den Sprayern, die heute überall ihre Schriftzüge hinterlassen, spricht er dieses Talent ab. „Da geht es um Selbstdarstellung. Die Leute wollen vor ihren Freunden cool erscheinen und zeigen ‚ich war hier‘“. 

Auch Schäfer ist von den Schmierereien genervt. „Mich sprechen die Leute darauf an. Die Graffitikunst wird dadurch nicht so ernst genommen und ist immer mit dem Makel behaftet, illegal zu sein. Diese Sprüher sollten sich mal fragen, ob es auf Dauer wirklich befriedigend ist, immer nur Sachen kaputtzumachen oder ob es sich nicht lohnt, mehr Mühe und Arbeit reinzustecken und etwas Sinnvolles entstehen zu lassen.“

Mehr zum Thema Döbeln