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Kosten fürs Abwasser steigen

Die Betriebsführung ausgelagert, die Kläranlage bald stillgelegt, die Preise im Anstieg – wohin steuert der AZV Wilde Sau?

Von Annett Heyse

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Es ist einfach und man braucht sich darüber keine Gedanken zu machen: Einfach Stöpsel ziehen und weg ist das Schmutzwasser. Die Wilsdruffer aber müssen in Zukunft schon mal über ihr Abwasser nachdenken. Denn im Zweckverband Wilde Sau bahnen sich größere Umbrüche an. Für die Privathaushalte wird dies vor allem an einer höheren Rechnung zu spüren sein.

Die Gebühren gehen nach oben

„Die Kosten für Abwasserentsorgung steigen jetzt schon. Noch fangen wir das ab, aber spätestens ab 2017 müssen die Gebühren daher neu kalkuliert werden“, bestätigt Andreas Clausnitzer, frisch gewählter Verbandsvorsitzender. Für die Wilsdruffer Haushalte bedeutet dies, dass die Einleitung von Schmutzwasser ins öffentliche Netz wohl zukünftig fast drei Euro pro Kubikmeter kosten wird. Derzeit liegt die Gebühr bei 2,76 Euro.

Verband muss Millionen investieren

Der Anstieg ist nicht allein mit höheren Betriebskosten bei der Schmutzwasserentsorgung zu begründen. Denn der Verband steht auch vor einer großen Investition. Die Kläranlage soll außer Betrieb genommen und stattdessen eine Überleitung zum Klärwerk Dresden-Kaditz gebaut werden. „Andernfalls müssten wir über einen Ausbau unserer eigenen Anlage nachdenken“, begründet Clausnitzer. 1994 wurde das Klärwerk Klipphausen mit der ersten Ausbaustufe in Betrieb genommen, zwischenzeitlich erweitert und ist jetzt zum Teil verschlissen. Vor allem die Maschinentechnik muss ersetzt werden.

Auch die Becken sind sanierungsbedürftig. Zudem ist die Anlage mittlerweile an der Kapazitätsgrenze. „Eine dritte Ausbaustufe wäre auf dem Gelände ohne Weiteres möglich“, erläutert Andreas Clausnitzer. Aber es wäre auch sehr teuer. Also entschied sich die Verbandsversammlung für eine andere Lösung: eine 12,4 Kilometer lange Überleitung nach Dresden, die zwischen 8,3 und 9,6 Millionen Euro kostet. Der Vorteil: Die Leitung hält länger als eine sanierte Kläranlage und hat deutlich geringere Wartungskosten. Allerdings bindet sich der AZV auch mehr an die Dresdner Preise.

Schuldenberg ist kleiner geworden

Jahrelang führte die Drewag Stadtwerke Dresden die Geschäfte des AZV, bis 2008 unter Federführung der Stadt Wilsdruff die Bewirtschaftung in Eigenregie übernommen wurde. Andreas Clausnitzer hält sich mit öffentlicher Kritik zurück. „Nur soviel: Der Verband stand damals auf wackeligen Füßen.“ 9,4 Millionen Euro betrug der Schuldenstand, die jährliche Zinsbelastung lag bei 360 000 Euro, es gab einen erheblichen Investitionsstau das Leitungsnetz betreffend. Unter der Eigenregie wurde dann die Kläranlage Mohorn abgelöst und eine Überleitung nach Grumbach gebaut. Auch investierte man ins Netz und erschloss weitere Straßenzüge in den Wilsdruffer Ortschaften. Zudem trieb der Verband intensiv ausstehende Beitragszahlungen ein. Die Verbindlichkeiten sind seitdem kleiner geworden, liegen nun bei 5,6 Millionen Euro. Man habe jetzt deutlich mehr Luft, sagt AZV-Chef Clausnitzer.

Stadtentwässerung übernimmt Regie

Dennoch wurde die Betriebsführung im vergangenen Jahr neu ausgeschrieben und an die Stadtentwässerung Dresden GmbH vergeben. Ausgelagert wurde alles bis auf das Finanzwesen. Die Mitarbeiter sind zur Stadtentwässerung gewechselt. Aber warum legt der AZV seine Eigenständigkeit ein Stück weit wieder in fremde Hände, nachdem man damit keine durchweg positiven Erfahrungen gemacht hat? „Wir sparen dadurch 60 000 Euro im Jahr“, begründet Andreas Clausnitzer. Ein weiterer Punkt: Mit fünf Mitarbeitern, davon nur drei Techniker, war die Personaldecke immer dünn. Die Stadtentwässerung könne das mit ihrem großen Mitarbeiterstab viel besser abdecken.

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