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Kostenexplosion in der Förderschule

Nach dem Zabeltitzer Palais und dem Naturerlebnisbad hat die Stadt ein weiteres Problem: Auch diese Sanierung wird teurer.

Es gibt noch viel zu tun: Oberbürgermeister Dr. Sven Mißbach und Thomas Röthig vom Stadtbauamt verschafften sich am Mittwoch einen Überblick darüber, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Auflagen des Brandschutzes erfüllen zu können.
Es gibt noch viel zu tun: Oberbürgermeister Dr. Sven Mißbach und Thomas Röthig vom Stadtbauamt verschafften sich am Mittwoch einen Überblick darüber, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Auflagen des Brandschutzes erfüllen zu können. ©  Kristin Richter

Großenhain. Thomas Röthig ist Kummer gewöhnt. Wann immer die Großenhainer ein altes Gebäude sanieren wollen, läuten bei dem 57-Jährigen vorsorglich die Alarmglocken. Zu viel hat der erfahrene Mitarbeiter des städtischen Bauamtes schon erlebt. Zu viel, was schiefgehen kann – trotz optimaler Vorbereitung und größt möglichster Sorgfalt. 

Gleich nach der Wende in seinem Job als Bauleiter und erst recht in den vergangenen Jahren, in denen er mehrere große Sanierungen in der Röderstadt begleitete. „Jeder, der selbst einmal gebaut beziehungsweise ein marodes Haus wieder hergerichtet hat, weiß, da ist alles möglich! Es können Dinge zu Tage kommen und Probleme auftreten, mit denen man im Vorfeld nicht im Geringsten rechnen konnte“, erklärt Thomas Röthig.

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Und dennoch: Dass es Großenhain nach der massiven Kostenexplosion im Palais Zabeltitz im Jahr 2016 und den gestiegenen finanziellen Aufwendungen für das Naturerlebnisbad nun erneut erwischt, ist auch für ihn bitter. Über 360.000 Euro mehr wird plötzlich die Sanierung der Schule zur Lernförderung am Remonteplatz kosten. 

Eine satte Summe, über die Großenhains neu gewählten Räte am kommenden Dienstag in einer Sondersitzung beraten müssen. Dabei habe man sich gefreut, als Sachsens Kultusminister Christian Piwarz symbolisch im April Fördermittel in Höhe von 689.000 Euro überbracht hatte.

Gelder, die dringend zur Modernisierung jener Einrichtung benötigt werden, der letztmalig vor 27 Jahren eine Verjüngungskur zuteilgeworden ist. Abgesehen von der Erweiterung des Horttraktes, neuer Farbe oder Fußbodengestaltung drängte vor allem der Brandschutz. „Wir haben bereits 2013 eine sogenannte Brandverhütungsschau durchgeführt und mussten leider feststellen, dass nicht alle Erfordernisse erfüllt werden“, bekennt Thomas Röthig. 

Zum einen habe das sicherlich daran gelegen, dass die Vorschriften zum Zeitpunkt der Bauarbeiten Anfang der 1990er Jahre noch nicht so umfassend gewesen seien, wie heute. Zum anderen habe es damals an allen Ecken und Enden der Stadt Sanierungsbedarf gegeben, obgleich nicht so viel Geld zur Verfügung stand. „Wir haben deshalb 2017 eine umfangreiche Planung für die Schule in Auftrag gegeben und auf Grundlage der Mängel ein Brandschutzkonzept erarbeitet“, so Thomas Röthig.

Im Oktober vergangenen Jahres sei schließlich der Bauantrag im zuständigen Landratsamt Meißen eingereicht worden. Mit gut drei Monaten habe man gerechnet, bis der hoffentlich positive Bescheid in der Post sein würde. Doch weit gefehlt! Aus verschiedensten Gründen habe sich das Antragsverfahren zeitlich nach hinten verschoben und damit auch die Erstellung des Brandschutzprüfberichtes. „Wir selbst haben aber parallel aufgrund der vom Büro erstellten Planung schon unser Leistungsverzeichnis für die zu vergebenden Gewerke erarbeitet“, gibt Röthig zu bedenken.

Das bedeutete praktisch: Als endlich am 14. Mai die Baugenehmigung erteilt worden sei, enthielt sie laut aktuellem Gutachten der Brandschützer weit aus mehr Auflagen als gedacht. Und damit nicht genug. Nach Öffnung der ersten Decken Anfang Juni wären viele Unzulänglichkeiten sichtbar geworden, die bisher verputzt oder verbaut im Verborgenen schlummerten. 

Elektroleitungen, die sich eben nicht im Flur tummeln dürfen und ins Klassenzimmer verlegt werden müssen, Leitungen, die sich nicht im Fluchtbereich befinden sollen, die Verwendung von Kunststoff statt Metall und Brandschutzwände, über deren Beschaffenheit sich nicht diskutieren lasse. 

„Unterm Strich wurde die Latte der Auflagen höher gesteckt als ursprünglich angenommen, und die Liste der Aufwendungen stieg gleichermaßen“, konstatiert Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach.

Wie das Stadtoberhaupt betont, müssten die Auflagen im Sinne der Sicherheit von Kindern und Lehrern aber ohne Abstriche erfüllt werden. Die Mehrkosten von 368 000 Euro – davon 100.000 Euro Fördermittel – schröpften zwar das Stadtsäckel. „Aber eingedenk von gleich mit verlegten Kabeln zur digitalen Anbindung und neuen Fußbodenbelägen ist es eine Investition in die Zukunft!“

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