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Kostet das Baden bald Eintritt?

Schönau und Görlitz wollen für saubere Strände am Berzdorfer See sorgen, haben aber kein Geld dafür. Doch Parkgebühren allein füllen die Kasse nicht.

Von Sebastian Beutler

Am Nordstrand des Berzdorfer Sees sollte schon viel passieren. Die Planungen sahen einen Campingplatz vor, ein christlicher Verein entwickelte die Idee eines Natur-Camps. Bislang ist nichts von dem abzusehen. Die Gründe sind vielschichtig. Mal fehlt das Geld, mal ändern sich die Prämissen. Und selbst wer über Grund und Boden verfügt, muss noch längst nicht zum Zuge kommen. So geht es im Moment einer Investorenfamilie aus Lohsa bei Hoyerswerda. Sie besitzt dort ein Unternehmen für Garten- und Landschaftsbau. Und seit vielen Jahren gehört der Familie auch ein Grundstück am Nordstrand. Wie ein rechteckiges Handtuch erstreckt es sich mit den kurzen Seiten am Ufer und am nahen Wald. Das Besondere: Das Eigentum reicht bis in den See hinein und umfasst auch Strand und Rundweg.

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Die Familie bemüht sich seit Monaten, eine Waldsiedlung an dieser Stelle voranzubringen. Dafür benötigt sie aber Baurecht, und dafür muss der Planungsverband ein förmliches Verfahren eröffnen, damit das notwendige Baurecht erteilt werden kann. Doch seit mehreren Monaten kommt die Familie nicht weiter. Schon im Dezember scheiterte sie mit einem Vorstoß im Planungsverband, und jetzt im März war es schon wieder so. Denn die Anrainergemeinden des Sees wollen das Verfahren nicht beginnen, ehe nicht vertraglich geklärt ist, dass der Strand öffentlich zugänglich und der Rundweg frei befahrbar sein werden. Das muss die Familie mit dem Bergbausanierer LMBV klären, denn der hat noch das Sagen am See.

Doch beide Seiten konnten sich zuletzt nicht auf ein gemeinsames Papier verständigen, sondern bestätigten in jeweils voneinander getrennten Erklärungen, dass sie die Lösung parat hätten. Den Rundweg soll weiterhin jeder benutzen können, den Strand auch. Diese Fragen sollen im Rahmen des sowieso nötigen Flurneuordnungsverfahrens an dieser Stelle geklärt werden. Ein ganz normales Verfahren, heißt es bei der LMBV. Da geht es auch um die Antwort auf die Frage, was die Familie für das Gelände mitten im See erhält. Der Mehrheit im Planungsverband gingen diese Erklärungen aber nicht weit genug. Zumal das Flurneuordnungsverfahren Jahre dauern wird. Jenseits dieses Streites regen die Angebote der Investorenfamilie aber eine andere Diskussion womöglich an. Denn der Strand, der auch künftig in Privatbesitz bleiben soll, steht zwar allen Besuchern des Sees zur Verfügung, aber gegen eine Strandgebühr. Damit soll Ordnung und Sauberkeit an dem Strand gewährleistet werden. Ähnliche Modelle hatte zuletzt auch der Tourismus-Experte Johann-Friedrich Engel in seiner touristischen Leitidee für den Berzdorfer See vorgeschlagen.

Tatsächlich sehen sich vor allem Schönau-Berzdorf und Görlitz mit dem Problem konfrontiert, auf der einen Seite für saubere Strände zu sorgen, auf der anderen Seite dafür eigentlich kein Geld in den Haushalten zu haben.

Schönau-Berzdorf löste das Problem, indem es die Parkgebühr an der Blauen Lagune erhöhte, aber – explizit – auf eine Strand-Taxe verzichtete. Bislang agierte Görlitz ähnlich. Doch je höher die Ansprüche an Sauberkeit, Toiletten und dergleichen mehr werden, umso schneller könnte diese Politik an ihre Grenzen stoßen.