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Kottmarsdorfer fürchten noch mehr Gestank aus dem Gully

Die Anwohner suchen Hilfe bei Behörden – bisher ohne Erfolg. Eine Expertin rät, den Kampf nicht aufzugeben.

Von Romy Kühr

Beißender Geruch steigt in die Nase, es müffelt nach faulen Eiern. „Ja, das kommt aus dem Gully“, bestätigt Peter Arnold und zeigt auf den Kanaldeckel in der Dorfstraße vor seiner Einfahrt. Das Problem wurde viel diskutiert, ist aber immer noch da: Gestank aus dem Abwasserkanal. Arnold ist einer der Kottmarsdorfer, die im Verein Kottmarsdorfer Siedler organisiert sind und sich seit Jahren dagegen wehren. Jetzt mit einer Unterschriftensammlung.

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Was

sind die Probleme

mit dem Kottmarsdorfer Kanal?

2008 wurde der Abwasserkanal am oberen Teil der Dorfstraße gebaut. Seitdem haben die Anwohner mit üblen Gerüchen aus dem Kanal zu kämpfen. Der Grund: In der Leitung bildet sich Schwefelwasserstoff, der nicht nur unangenehm riecht, sondern in hoher Konzentration auch gesundheitsschädlich ist. Allerdings nicht in der Konzentration, die sich hier im Kanal bildet, sagt Michael Kuba, Geschäftsführer der Sowag. Sie ist für den Abwasserkanal zuständig. „Das messen wir regelmäßig nach.“ Die Kottmarsdorfer machen für das Problem Baumängel verantwortlich. Die Leitung wurde mit zu starkem Gefälle verlegt, sagt Arnold. Dadurch rauscht das Wasser schnell durch die Leitung, Feststoffe wie Fäkalien, bleiben liegen und bilden den schädlichen Stoff. Baumängel bestreitet Michael Kuba von der Sowag. „Die Leitung entspricht absolut den Regeln.“ Er räumt jedoch ein, dass sich mehr Schwefelwasserstoff bildet, desto länger Abwasser und Fäkalien in der Leitung liegen bleiben. Das ist in Kottmarsdorf der Fall, weil relativ wenig Wasser verbraucht wird. Um das Geruchsproblem in den Griff zu bekommen, installierte die Sowag, die für den zuständigen Abwasserzweckverband (AZV) Löbau Süd alle Arbeiten erledigt, dieses Frühjahr eine Fällmitteldosierstation. Sie bringt Chemikalien in den Kanal ein, die den Schwefelwasserstoff fällen, also neutralisieren sollen. Das brachte laut Sowag-Geschäftsführer Michael Kuba bereits verbesserte Werte. Nun sollen weitere Grundstücke ans Abwassernetz angeschlossen werden: an der Löbauer Straße und der Lindenallee sowie in zweiter Reihe an der Dorfstraße. Das wollen die Einwohner nicht. Sie fürchten, dass das gleiche Problem wieder entsteht.

Was

verlangen

die Einwohner?

Ein unabhängiger Gutachter soll zunächst prüfen, ob und was schiefgelaufen ist beim Kanalbau auf der oberen Dorfstraße. Bisher seien Gutachten immer von der Sowag im Auftrag des AZV erstellt worden. „Das ist doch keine unabhängige Bewertung“, sagt Reinhard Posselt, ebenfalls vom Siedlerverein. Er gehört zu denjenigen, die bald ans öffentliche Netz angeschlossen werden sollen. Erst wenn die Fehler geklärt und die offensichtlichen Baumängel am bisherigen Kanal behoben sind, sollen weitere Grundstücke angeschlossen werden, verlangt er. „Wir wollen nicht, dass dieselben Fehler noch einmal gemacht werden.“

Wie

wehren sich

die Bürger?

Mit einer Unterschriftensammlung. Fast alle der 48 Hausbesitzer, die noch angeschlossen werden sollen, haben unterschrieben. Außerdem haben die Einwohner auch schon den Petitionsausschuss eingeschaltet sowie bei verschiedenen Behörden Rat gesucht– bislang ohne Erfolg. „Wir wollen, dass die Fehler an der ersten Leitung zuerst beseitigt werden“, bekräftigt Posselt. Die bereits Angeschlossenen wehren sich gegen Gestank und Schadstoffbelastung. Peter Arnold findet: Niemand muss den Kanalgestank hinnehmen. „Die Menschen haben für einen funktionierenden Kanal bezahlt und nicht für diese stinkende Dienstleistung.“ Er selbst hat das Problem umgangen, indem er für sein Grundstück eine dezentrale Abwasseranlage installiert hat. Darum habe er aber lange gekämpft, erzählt er.

Welche

Aussichten

auf Erfolg haben die Kottmarsdorfer?

Die Kottmarsdorfer haben einen schweren rechtlichen Weg vor sich, schätzt Hannelore Semsroth, die Geschäftsstellenleiterin des Verbandes Wohneigentum Sachsen, ein. Sie kennt ähnliche Fälle. Im Raum Leipzig hat sogar das Regierungspräsidium Grundstücksbesitzern recht gegeben, berichtet sie. Dort sollte der AZV den Betroffenen Gebühren zurückzahlen. „Auf die Zahlung warten die Leute immer noch, obwohl sie recht bekommen haben“, so Frau Semsroth. Sie ermutigt die Kottmarsdorfer aber, weiterzumachen im Kampf gegen den stinkenden Kanal. „Die Leute dort haben ein echtes Problem.“ Sie seien im Recht, sagt Frau Semsroth. Sie müssten für eine solche fehlerhafte Dienstleistung nicht die volle Summe bezahlen. „Aber das durchzusetzen, ist sehr schwer.“ Die Geruchsbelästigung, wie im Fall Kottmarsdorf, sei ein Mangel, der schwer greifbar ist. Das mache es umso schwieriger.

Wie

könnte denn eine bauliche Lösung aussehen?

Reinhard Posselt schlägt eine sogenannte Freispiegelleitung vor. Auch auf dem schon gebauten Abschnitt könnten Zwischenschächte eingebaut werden, um das Gefälle zu reduzieren. „Dann würde das Wasser die abgelagerten Feststoffe wegspülen.“ Er wisse, wovon er spricht. „Wir haben Baufachleute im Verein.“ Die Sowag will allerdings keine Veränderungen mehr am Kanal vornehmen, sagt Geschäftsführer Kuba. Das sei viel zu aufwendig. Man wolle weiter die Dosierstation einsetzen.