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Krabat-Sage mit Fantasie entdecken

Der Erlebnispfad mit zwölf Stationen soll inhaltlich weiter aufgewertet werden.

In den letzten Monaten nahm ein neues Projekt langsam Gestalt an. Im Haus Bethesda wurde fleißig an einem neuen Klangspiel gewerkelt, das kürzlich seinen Platz auf dem Erlebnispfad der Mühle gefunden hat.
In den letzten Monaten nahm ein neues Projekt langsam Gestalt an. Im Haus Bethesda wurde fleißig an einem neuen Klangspiel gewerkelt, das kürzlich seinen Platz auf dem Erlebnispfad der Mühle gefunden hat. © Foto: Silke Richter

Schwarzkollm. Zwölf Stationen laden zum intensiven Lesen ein. Informationstafeln sind aus Robinienholz gestaltet. Ein Erlebnispfad erläutert die Krabat-Sage nach dem Roman Otfried Preußlers. „Es geht um Krabats Ankunft in Schwarzkollm, seine Lehre, sein Handwerk, seinen Lebensalltag. Es geht um eine Vielfalt an Themen“, erzählt Magdalena Schaffer. Die 27-Jährige kümmert sich um den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in der Krabatmühle Schwarzkollm. Wir sprachen mit ihr über die Resonanz, die Erweiterung und die Zukunft des Erlebnispfades.

Frau Schaffer, welche Vorgeschichte hat der Erlebnispfad?

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Der Erlebnispfad entstand 2010. Er war eine Idee meiner Vorgängerin Kerstin Zukunft. Auf 450 Metern erstreckt er sich mit zwölf Stationen. Der Grundgedanke: die Besucher sollen sich die Krabat-Sage eigenständig, mit Neugier und Phantasie erschließen. Leitfaden dafür ist ein Quiz mit vielfältigen Fragen.

Worum geht es in dem Quiz?

Es geht um ganz gezielte Fragen zu den Themen wie „Krabats Weg nach Schwarzkollm“, „Das Handwerk in der Schwarzen Mühle“, „Die Müllerburschen des Meisters“, „Die Schwarze Magie“, „Die Rituale in der Schwarzen Mühle“ und „Die Kraft des Herzens“. Zur inhaltlichen Vertiefung tragen Stationen bei wie die Schwarzkollmer Sage „Die versunkene Kutsche des Schneiders“, ebenso die Stationen „Sorbische Osterbräuche und Traditionen“ sowie „Dichtung und Wahrheit“ rund um Krabat. Während des Rundgangs finden die Besucher auf dem Erlebnispfad immer wieder Antworten und Lösungen. Insgesamt geht es mit dem Erlebnispfad nicht nur um die Mühle, sondern vor allem um die Krabat-Sage an sich. Und hier kommt die Offene Jugendwerkstatt der Diakonie St. Martin Hoyerswerda ins Spiel…

Inwiefern?

Seit längerem verbindet die Offene Jugendwerkstatt und die Krabatmühle eine beständige Kooperation. Die Jugendlichen schufen zum Beispiel aus Holz Aufsteller für unsere Einrichtung. Für das Jurij-Brězan-Haus arbeiteten sie die Holztüren auf. Für den Erlebnispfad bauten sie aus Robinienholz die Ständer für die Informationstafeln auf. Jetzt knüpfen sie unter Leitung von Sozialpädagogin Doreen Zschiesche von der Offenen Jugendwerkstatt daran an. Dank ihres fleißigen Einsatzes können wir einige Stationen des Erlebnispfades erweitern.

Was genau wird erweitert?

Die Station 4 erläutert zum Beispiel das gemeinsame Mahl der Müllerburschen in der Schwarzen Mühle. Ein Klangspiel mit Klanghölzern soll es künftig verdeutlichen. Die Jugendlichen gestalten verschieden große Löffel. Ein jeder erzeugt einen besonderen Klang. Den größten Löffel besitzt der Schwarze Müller. Durch das Klangspiel erfährt der Besucher die Stimmung im schweren Alltagsleben der Müllerburschen. Die Station 4 soll zudem durch eine Fotowand aufgewertet werden. Das Motiv versetzt die Besucher lebensecht und direkt ins Geschehen in der Mühle hinein. Wer dort durch ein Fenster hindurchschaut, kann sich fotografieren lassen.

Was wird ebenfalls mit aufgewertet?

Erweitert wird auch die Station „Leben und Sterben der Müllerburschen“. Es geht um die Silvesternacht, in der der Schwarze Müller jedes Mal einen Müllerburschen opfert. An dieser Station gibt es künftig ein Rätsel mit festhängenden Würfeln. Es nimmt Bezug auf Krabats Trauer über seinen Freund Tonda. Zu lösen ist das Rätsel durch Zusammenfügen der Würfel. Jeder Würfel entspricht einer Textstelle des Vaterunsers. Wer die Würfel richtig zusammenfügt, kann am Ende das Vaterunser (in Deutsch und in Sorbisch) vollständig nachlesen.

Eine Station des Erlebnispfades erläutert zudem die Rituale in der Mühle…

Auch diese Station wird erweitert. Es geht um das Ritual des Müllers „Gedenke, dass ich der Meister bin und du der Schüler“. Es nimmt Bezug auf die Rückkehr der Müllerburschen nach der Osternacht. Ein jeder muss seinen Kopf in ein Ochsenjoch stecken. Dabei erneuert er den Treueschwur gegenüber dem Schwarzen Müller. Der Besucher des Erlebnispfades kann das künftig selbst direkt nachempfinden.

Wie wird die Erweiterung des Erlebnispfades organisiert?

Wir als Erlebnishof Krabatmühle stellen das Material bereit. Die Offene Jugendwerkstatt der Diakonie St. Martin Hoyerswerda sorgt für die Gestaltung.

Wie nehmen die Besucher den Erlebnispfad bereits heute an?

Schon heute kommen immer wieder Schulklassen. Dank des Erlebnispfades entdecken vor allem Schüler der 6. und 7. Klassen die Krabat-Sage. Sie kommen aus dem Raum Hoyerswerda, Kamenz, Görlitz, Dresden, sogar bis aus Berlin und aus weiteren Bundesländern. Meist führen sie Klassenfahrten oder Exkursionen hierher. Der Besuch im Erlebnishof Krabatmühle gehört dazu. Er wertet zugleich den Deutsch-Unterricht auf. Wegen der Corona-Pandemie fallen vorerst Besuche von Schulklassen bis Oktober aus. Wir hoffen jedoch auf die Zukunft.

Nehmen auch Kindergärten den Erlebnispfad gern an?

Durchaus. Wir freuen uns über die Resonanz. Seit Juni haben wir im gesamten Programm zwei spezielle Angebote für die Vorschulkinder entwickelt. Das erste Projekt heißt „Sagen – Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen“. Das zweite Projekt heißt „Krabat für ganz Kleine, aber große Begeisterte“.

Wie nehmen die Erwachsenen den Erlebnispfad an?

Auch von ihnen kommt reger Zuspruch. Tagesgäste laufen den Erlebnispfad gern ab. Sie erschließen sich nach dem Besuch des Geländes der Krabatmühle noch selbständig die Krabat-Sage. Das Quiz als Leitfaden gibt ihnen Orientierung.

Ist das Quiz auch in Sorbisch gestaltet?

Ja. Es liegt dank unserer sorbischen Mitarbeiterin und Muttersprachlerin Marka Suchec auch in Sorbisch vor. Schüler der 7. Klassen des Sorbischen Gymnasiums Bautzen zum Beispiel nutzten das Quiz bereits. Weitere Sorbische Schulen sind willkommen. Sie sollen ihre Begeisterung für die Krabat-Sage entdecken.

Was begeistert Sie selbst immer wieder für die Krabat-Sage?

Die Krabat-Sage – nach dem Roman von Otfried Preußler – las ich schon als Kind mit Freude. Mich faszinierte die Spannung. Mich begeisterte die Dichte der Handlung. Mich fesselte die besondere Stimmung, die Otfried Preußler beschreibt. Später entdeckte ich Krabat auch durch die Bücher von Jurij Brězan und Měrćin Nowak-Njechorński. Heute kann ich sagen: Krabat ist ein Teil meines Lebens; ich brenne für die Idee des Erlebnishofes Krabatmühle. Mit der Erweiterung des Erlebnispfades wollen wir langfristig noch mehr inhaltliche Tiefe erreichen.

Magdalena Schaffer (27) ist auf dem Erlebnishof Krabatmühle seit August 2019 die Verantwortliche für Kinder- und Jugendarbeit im Bereich kulturelle Bildung.
Magdalena Schaffer (27) ist auf dem Erlebnishof Krabatmühle seit August 2019 die Verantwortliche für Kinder- und Jugendarbeit im Bereich kulturelle Bildung. © Foto: Andreas Kirschke

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