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Krabat wird eingemottet

Die dreiwöchigen Festspiele sind zu Ende. Innerhalb eines Tages wurde an der Krabatmühle klar Schiff gemacht.

Am Sonntagabend saßen hier noch dicht gedrängt die Zuschauer der letzten Vorstellung der Krabatfestspiele in diesem Jahr – Montagfrüh war es ungewohnt leer und still auf dem Mühlenhof. Nach und nach trafen die Helfer ein, um aufzuräumen, Technik abzubauen
Am Sonntagabend saßen hier noch dicht gedrängt die Zuschauer der letzten Vorstellung der Krabatfestspiele in diesem Jahr – Montagfrüh war es ungewohnt leer und still auf dem Mühlenhof. Nach und nach trafen die Helfer ein, um aufzuräumen, Technik abzubauen © Foto: Anja Wallner

Auf einem Tisch standen noch die Reste vom Vorabend: leere Gläser und Becher, ein halbgegessenes belegtes Brötchen, Kronkorken. Katerstimmung am Montagfrüh an der Krabatmühle. Am Sonntagabend waren die dreiwöchigen Krabatfestspiele in Schwarzkollm mit der finalen Vorstellung für dieses Jahr zu Ende gegangen. 12 000 Zuschauer, so viele wie noch nie in der achtjährigen Festspielgeschichte, erlebten an 15 Abenden die Geschichte um Krabat und die Elemente der Macht. Gegen 8 Uhr lag der Mühlenhof gestern fast verlassen und ziemlich still da. Nur ein paar frühe Helfer waren schon auf den Beinen, reinigten Toiletten und stapelten Bierzeltgarnituren aufeinander, die zum Teil geliehen waren und wieder abtransportiert werden müssen.

Zu den Frühaufstehern gehörte Dieter Jakobaschk, der am Vorabend noch auf der Bühne gestanden hatte und schon wieder zum Helfen angetreten ist. Gegen 1 Uhr hatte er die After-Show-Party verlassen, um an diesem Morgen fit zu sein. „Das war eine tränenreiche Sache“, sagte er über den vergangenen, sehr emotionalen Abend. Wer weiß, wen man beim nächsten Mal im Team wiedersehen wird? Jetzt freut er sich auf den September, wenn Darsteller und Helfer mal selbst „nur“ Zuschauer sein dürfen und zu einem Dankeschön-Abend ins Radeberger Biertheater eingeladen werden. „Aber zunächst machen viele erst mal Urlaub. Das ist auch nötig.“

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Nach und nach trafen die Helfer ein. Müde sahen sie aus. Der erste Griff galt der Tasse mit frischgebrühtem Kaffee. Die drei Festspiel-Wochen haben Spuren hinterlassen. Aber wer würde es den Helfern und Darstellern verdenken, jetzt ganz schön kaputt zu sein? Trotzdem hieß es, einen Arbeitsplan zu erstellen. Seit heute ist das Mühlengelände wieder regulär geöffnet; die Besucher werden keine Spuren mehr von den aufregenden drei Wochen sehen können.

Abbau geht schneller als Aufbau

Zunächst war Spülen angesagt: Dutzende Bierbecher aus der Mühlenscheune und dem Getränkewagen mussten eingesammelt, gereinigt, poliert und bis zur nächsten Veranstaltung in Kartons gestapelt werden. „Mit unserem Transporter mit Hänger werden wir von der Mühle aus zig Mal hin- und herfahren“, meinte Tobias Zschieschick, Geschäftsführer der Krabatmühle gGmbH, der genauso mit zupackte wie die Mitarbeiterinnen im Büro. Leergut musste zurück in die Märkte gebracht werden. Es war teilweise sehr heiß in den letzten Wochen, da ist beim Team einiges an leeren Wasserflaschen zusammengekommen. Die Bauzäune, die als Absperrungen dienten, gingen wieder an die Firmen, die sie der Mühle leihweise überließen. Helfende Hände sammelten die Zaunfelder an einem Standort. Der Toilettenwagen gehört nach Steinitz, zur dortigen Jugend. Siegfried Platta aus Lauta Dorf schaute vorbei, er holte wohl seine Kutsche ab, die als Requisit diente.

Zwei Laster sind gestern im Laufe des Tages auf den Mühlenhof gerollt. In einem „verschwand“ die Technik – noch waren Boxen, Beleuchtung, Strahler – nicht abgebaut, in den anderen wanderten die rund 85 Kostüm-Sets für die Laiendarsteller, die noch kunterbunt im Brězan-Haus und im Gastraum des Restaurants auf Kleiderständern hingen. „Aber heute Abend ist das alles weg“, sagte Heiko Werner, Mitarbeiter der veranstaltenden Agentur 0351 und gefühlt seit Monaten im Umfeld der Krabatmühle „zu Hause“. „Der Abbau geht schneller als der Aufbau“, meinte auch der Schwarzkollmer Dieter Jakobaschk.

Alexander Siebecke von der Festspielleitung war gestern zuallererst auch nach einem Kaffee zumute. Bis spät in die Nacht musste wegen des Feuerwerks aus Sicherheits- und Brandschutzgründen immer jemand vor Ort sein. Der Pyrotechniker aus Dresden wurde gestern ebenfalls noch erwartet – Verkabelung und Batterien wurden genauso „eingemottet“ wie die zahlreichen Kostüme, die sich – noch versehen mit dem Namenszettel des jeweiligen Darstellers – in beinahe allen Räumen des Brezan-Hauses aufreihten. Sylvia Fenk hatte hier gut zu tun, mit Hilfe eines dicken Ordners die katalogisierten Kleidungsstücke und Accessoires zu ordnen, abzuzeichnen und so in Säcke zu verpacken, dass sie wieder zurück an die richtige Adresse gehen: den Theaterfundus in Meißen, den Fundus des „Theaters der Jungen Generation“ Dresden und einen Kostümverleih in Zabeltitz. Wer weiß – im nächsten Jahr wird vielleicht einiges davon wieder in Schwarzkollm gebraucht werden.

Für eine „richtige“ Bilanz der Festspiele war es gestern noch etwas zu früh. Bis auf den vergangenen Sonnabend, als die Vorstellung wenige Minuten vor Schluss wegen heftigen Unwetters abgebrochen werden musste, gab es wohl keine besonderen Vorkommnisse. Und glücklicherweise war die Geschichte zu diesem Zeitpunkt bereits erzählt. Alexander Siebecke kann von überwiegend positiven Besucherrückmeldungen berichten. Für ihn heißt es ab Donnerstag aber auch erst mal: ab in den Urlaub ...

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