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Kräftiger Geruch und starke Wirkung

Im Landkreis Bautzen gibt es zahlreiche interessante Pflanzen, die Hans-Werner Otto aus Bischofswerda, Lehrer im Ruhestand, in loser Folge den Lesern der Sächsischen Zeitung näher bringen möchte. Heute sind die Giftpflanzen Thema.

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Gewöhnliches Maiglöckchen (Convallaria majalis). Das in Laubwäldern von Berg- und Hügelland weit verbreitete, zerstreut aber auch im Tiefland vorkommende Liliengewächs hat schon mehrfach zu schweren Vergiftungen geführt. Seine grellroten Beeren enthalten wie Blätter und Wurzelstock zahlreiche herz-wirksame Glykoside (Convallatoxin, Convallosid, Majalosid, Convallatoxol). Richtig dosiert, spielen diese Stoffe als Herzmittel eine Rolle, anderenfalls aber führen sie zu Verdauungsstörungen, erhöhtem Harnabgang, Herz--schwäche und Kreislaufkollaps.

Das Zweiblättrige Schattenblümchen (Maianthemum bifolium), im Volksmund auch Wildes Maiglöckl oder Falsche Zauke genannt, wird kaum 15 cm hoch und ist an seinen ein oder zwei herzeiförmigen Laubblättern leicht zu erkennen. Sein Blütenstand vereint zehn bis 20 kleine weiße, vierblättrige Blüten und ragt im Gegensatz zum Maiglöckchen über die am Stängel befindlichen Laubblätter hinaus.

Die Pflanze ist in der Oberlausitz in bodensauren Laub- und Nadelwäldern weit verbreitet. Ihre fünf

Millimeter großen Beeren, anfangs grün, später rötlich punktiert, zuletzt kirschrot, gelten als schwach giftig.

Gemüse-Spargel (Asparagus officinalis) tritt in der Oberlausitz als verwilderte Kulturpflanze in ruderal beeinflussten Trockenrasen zerstreut im Tiefland und sehr zerstreut auch im Hügelland auf. Seine ziegelroten erbsengroßen Beeren enthalten Saponine, die zu Magen-Darm-Beschwerden führen können. Bei Berührung der Pflanze kommt es auch nicht selten zu Hautausschlägen. Junge, unterirdische Sprosse dienen zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel.

Die Gewöhnliche Blasenkirsche (Physalis alkekengi) ist in West-, Süd- und Mitteleuropa zu Hause. Ihre Kulturform, auch Laternen- oder Lampionpflanze genannt, wird als Zierpflanze nicht selten an Ruderalstandorte verschleppt. Die glänzend roten Beeren werden von verwachsenen, aufgeblähten, orangeroten Kelchen umhüllt. Unreife Beeren enthalten Bitterstoffe, die zu Reizungen von Mund- und Magenschleimhaut führen können.

Das Wohlriechende Geißblatt (Lonicera caprifolium), auch Jelänger-jelieber genannt, stammt aus Südeuropa und dem südlichsten Mitteleuropa, wird in Gärten und Anlagen angepflanzt und ist hin und wieder auch verwildert anzutreffen. Der bis vier Meter hohe Kletterstrauch besitzt gegenständige, kurzgestielte, eiförmig-elliptische Laubblätter, deren oberste paarweise zu einem ovalem bis kreisrundem Gebilde verwachsen sind. Den zweilippigen, weißlich-rötlich-gelblichen Blüten entströmt abends ein kräftiger Geruch. Die erbsengroßen Beeren enthalten den Bitterstoff Xylostein, der Erkrankungen des Magen-Darm-Ka-nals und Herzstörungen hervorrufen kann.

Das Wald-Geißblatt, (Lonicera periclymenum) auch Deutsches Geißblatt genannt, stammt im Gegensatz zur vorherigen Art aus dem westlichen Mitteleuropa. Es tritt im Bautzener Land vor allem am Rande des Teichgebietes und in der gra-nitischen Vorbergzone in Gebüschen, bodensauren Wäldern und Nadelholzforsten auf.

Die Mehrzahl der Vorkommen geht sicher auf Verwilde-rung oder Anpflanzung zurück. Die Beeren enthalten Bitterstoffe und geringe Alkaloidmengen, die nachVerzehr zu Durchfall und Erbrechen führen können, beim „Genuss“ von mehr als zwanzig Beeren kann es auch zu Herz-Kreislauf- und zentralnervösen Beschwerden kommen.

Der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) bevorzugt im allgemeinen Auwaldgebiete mit regelmäßigen Frühjahrsüberschwemmungen, in der Oberlausitz aber siedelt er vorwiegend auf Basalt, selten auch auf Phonolith oder Granit. Im Landkreis Bautzen ist er nur auf dem Valtenberg anzutreffen. Im Mai fällt er durch weiße Kesselfallenblüten und pfeilförmige Laubblätter auf, im Spätsommer ragen aus der Krautschicht nur Fruchtstände mit scharlachroten, kugelig-kantigen Beeren heraus. Sie schmecken süßlich, enthalten aber unter anderem Aronin, Saponin und ein Blausäureglycosid, die Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Nie-renschäden und Krämpfe hervorrufen können.

Die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) ist schon in Südwestsachsen heimisch. Bei uns wird sie nur als Zierstrauch angepflanzt und selten einmal verschleppt. 1960 entdeckte sie der vielseitig tätige Heimatforscher Theodor Schütze in einem Hangwäldchen bei Döberkitz. Die in den Beeren enthaltenen Giftstoffe sind noch nicht eindeutig bekannt, ein Alkaloid scheint zu Erbrechen, Durchfall, mitunter auch zu Erregung und Herzbeschwerden führen.