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Kraft neu entdecken

Meißen. Der StadtteilZaschendorf feiert am Wochenende einbesonderes Jubiläum.

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Von Gottfried Walther

Am Wochenende feiern die Zaschendorfer ein Dorffest. Grund ist das 450-jährige Jubiläum der Zugehörigkeit von Zaschendorf zur Kirchgemeinde Cölln, zur heutigen Johanneskirchgemeinde Meißen. Deshalb ist dieses Jubiläum nicht nur ein Höhepunkt für die Zaschendorfer, sondern auch für die ganze Johanneskirchgemeinde, zu der die Meißner Ortsteile Cölln, Spaar und Zaschendorf gehören.

Die erste erhaltene urkundliche Erwähnung von Zaschendorf stammt aus dem Jahre 1350. Kirchlich gehörte es ursprünglich zu Zscheila, obwohl die erste Cöllner Kirche bereits um 1170 gebaut worden ist, worauf die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen von 1992 hinweisen. Die Cöllner Ersturkunde ist von 1233.

1539 wurde die Reformation im Herzogtum Sachsen eingeführt. In den folgenden Jahren wurden die kirchlichen Verhältnisse in allen sächsischen Städten und Dörfern durch Visitationen neu geordnet. Bei der Visitation von 1555 stellten die Einwohner von Zaschendorf den Antrag, zur Kirchgemeinde Cölln gehören zu dürfen, da der Weg nach Cölln für die Zaschendorfer nicht so weit ist wie der Weg nach Zscheila. Diesem Antrag gaben die Kursächsischen Kirchenvisitatoren statt und ordneten die kirchliche Umgemeindung der Zaschendorfer an.

Gegenwärtig gehören zu den 1 210 Gemeindegliedern der Johanneskirchgemeinde Meißen 134 Zaschendorfer. Die Johannesgemeinde feiert am Sonntag 15 Uhr einen Familiengottesdienst an der Lutherlinde in Zaschendorf. In diesem Gottesdienst wirkt auch der Posaunenchor der Trinitatisgemeinde Meißen-Zscheila mit. Die Lutherlinde wurde am 31. Oktober 1905, dem Reformationstag, gepflanzt. Damals feierte man 350 Jahre Zugehörigkeit Zaschendorfs zur Kirchgemeinde Cölln. Die Zaschendorfer nehmen das Jubiläum zum Anlass, das gute Miteinander zu vertiefen.

Die Predigt im Familiengottesdienst wird auf das Bibelwort Apostelgeschichte 2,42 bezogen sein: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Christ zu sein, ist schon lange nicht mehr selbstverständlich. In der frühen Zeit der Christenheit war es auch nicht selbstverständlich. Wir sind dabei, die Merkmale einer christlichen Gemeinde in ihrer ursprünglichen Eindeutigkeit und Kraft neu zu entdecken. Das Jubiläum ist dafür eine gute Chance.

Gottfried Walther ist Pfarrer der Johanneskirchgemeinde Meißen