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Kraftakt für die Turnhalle

Die Flutschäden im Gebäude an der Rädelstraße werden behoben. Das hätte schon früher passieren sollen.

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Von Mareike Huisinga

Von der Straßenseite wirkt alles ganz friedlich und ruhig. An der Rückseite der Turnhalle geht es aber so richtig zur Sache. Ein Bauarbeiter mit kräftigen Oberarmen reißt mit einem Stemmhammer die Außentreppe weg. Wohl dem, der Ohrenschützer hat. Der Krach ist enorm, die Staubwolke auch.

Im Auftrag der Stadt Pirna wird derzeit die Turnhalle an der Siegfried-Rädel-Straße saniert. Dabei handelt es sich um die Beseitigung der Hochwasserschäden. 2013 fluteten Elbe beziehungsweise Gottleuba sämtliche Kellerräume und den Boden der historischen Turnhalle. Da die komplette technische Gebäudeausrüstung sowie Herren-Umkleide und Sanitärräume im Kellergeschoss untergebracht waren, richtete das Hochwasser hier Totalschaden an.

Der Hallenfußboden erhält einen anderen Aufbau, der, so die Hoffnung, im Fall einer erneuten Flut mit weniger Aufwand erneuert werden kann. Momentan verlegen Facharbeiter eine Dämmschicht. Die bisher im Kellergeschoss untergebrachten Umkleiden und Sanitärräume sollen in einem Anbau an der Rückseite verlegt, Halle und Anbau barrierefrei erschlossen werden. Die Gebäudetechnik zieht aus dem Keller in das Erdgeschoss des Kopfbaus, die Innenwände werden überwiegend massiv ausgeführt, nur noch in Teilbereichen kommt Trockenbau zum Einsatz.

Nach Angaben von Pirnas Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin werden die Arbeiten voraussichtlich Ende August abgeschlossen sein und rund 775 000 Euro kosten. Ursprünglich hatte der Bau bereits im vergangenen Sommer beginnen sollen. „Jedoch stellte sich heraus, dass der Untergrund für den Anbau in einem zu schlechten Zustand war“, so die Stadtsprecherin. Diese Erkenntnis machte weitere Planungen nötig.

Auf die Freigabe der Halle freuen sich sicher nicht nur die Lessing-Grundschüler und Goethe-Oberschüler, die hier wieder Sportunterricht machen wollen, sondern auch zahlreiche Sportvereine in Pirna. Besonders der SV Fortschritt schielt auf das Ende der Instandsetzung. Und das gleich aus zwei guten Gründen.

Zum einen hat der Verein vor dem Hochwasser die Halle für zahlreiche Sportgruppen angemietet. Unter anderem fand hier der Vorschulsport, Volleyball und Sport für Menschen mit einer Behinderung statt. Als Interimslösung sind die meisten Gruppen momentan in der neuen Sporthalle an der Seminarstraße, die zum Schillergymnasium gehört, untergekommen. „Es ist eine praktikable Lösung, aber wir sind froh, wenn wir wieder in der Turnhalle an der Rädelstraße Sport machen können“, sagt Ulrike Wolf. Sie ist die Geschäftsführerin vom SV Fortschritt.

Außerdem sitzt sie täglich in ihrem Büro, das sich in dem Kopfbau der Turnhalle an der Rädelstraße befindet. „Natürlich kommt es zu Staub- und Lärmbelästigung“, stellt sie fest. Diese Bemerkung will sie aber nicht als Kritik verstanden wissen. „Die Maßnahme ist notwendig und da müssen wir jetzt durch.“ Einmal mehr, da sich der SV Fortschritt der Turnhalle an der Rädelstraße besonders verbundenen fühlt. Das betont jedenfalls Johannes Förster. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins. „Landläufig wird die Turnhalle sogar Fortschritt-Turnhalle genannt, weil wir hier unser Büro haben“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Die Turnhalle an der Siegfried-Rädel-Straße wurde 1895 eröffnet und zunächst vom damaligen Pirnaer Turnverein genutzt. Eine umfassenden Sanierung hatte das Gebäude bereits in den Jahren 1994 bis 1996 erhalten. (mit SZ/alm)