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Riesen-Kran behindert Kücheneinbau

Küche gegen Pflegeheim: In Roßwein kommen sich zwei Baustellen ins Gehege. Für einen Beteiligten könnte das nun noch ziemlich teuer werden.

Ein 450-Tonnen-Autokran hat am Donnerstag dabei geholfen, den Baukran zu demontieren, der für das Errichten des Pflegeheimes am Baderberg nötig war. Wegen des Abtransportes sind auch heute noch Einschränkungen notwendig.
Ein 450-Tonnen-Autokran hat am Donnerstag dabei geholfen, den Baukran zu demontieren, der für das Errichten des Pflegeheimes am Baderberg nötig war. Wegen des Abtransportes sind auch heute noch Einschränkungen notwendig. © Lars Halbauer

Roßwein. Zwischen Familie Bauer und ihren neuen Nachbarn – auf dem Grundstück nebenan entsteht gerade ein Pflegeheim – stimmt die Chemie nicht. Das ist beim Richtfest von mehreren Seiten angedeutet worden. In den vergangenen Tagen gab es wieder Ärger.

Auslöser dafür ist gewesen, dass die Baufirma den Bauers zunächst per Anruf und dann tags darauf in einem Schreiben angekündigt hat, dass sie eine Woche später einen Kran aufbauen muss. Das ist mit einer Straßensperrung verbunden. Aber auch zu Fuß wurden Einschränkungen angekündigt und gebeten, mit dem Kranführer abzustimmen, wenn das Stück betreten werden muss, in dem die Technik im Einsatz ist.

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Kritisch ist die Enge an dieser Stelle. Das Grundstück der Bauers ist nur über ein Stück öffentlichen Plattenweg erreichbar. Ab dem Gartentor der Familie wird daraus eher ein Feldweg, der in Privateigentum und nicht für den öffentlichen Verkehr zugelassen ist. Genutzt wird er allerdings genauso von Fußgängern, die zwischen Böhrigen und Roßwein auf kurzem Weg unterwegs sind. Auch Gartenbesitzer sind von der Sperrung betroffen.

Kerstin Bauer ist nach dieser Information sprachlos. Denn ihr geht es überhaupt nicht darum, einen Einkauf zu verschieben oder Ähnliches. „Wir bauen in unserem Haus gerade selbst. Für die angekündigten Sperrtage, also den 9. und 10. Juli, hatten sich die Küchenbauer bei uns angekündigt“, schildert Kerstin Bauer. 

Laut Vertrag müssen die Bauers mit 1.200 Euro Strafe rechnen, wenn die Handwerker die Terminkette nicht einhalten können. „Mal sehen, ob uns das nun wirklich in Rechnung gestellt wird“, sagt Jochen Bauer am Donnerstagmittag.

Bürgermeister sichert Hilfe zu, sie kommt jedoch nicht

Er ist am Morgen noch über das angekündigte Baufeld gelaufen, vorbei an Halteverbots- und noch umgedrehten Sperrschildern. Zur Frühstückszeit, kurz nach 9 Uhr, war der Ausleger des bisher regelmäßig genutzten Kranes bereits abmontiert. „Ich denke, am Nachmittag ist das Nachbargrundstück schon wieder erreichbar“, sagte Sandro Katzschner, der für den Trockenbau zuständige Polier auf der Pflegeheim-Baustelle. 

Tags darauf seien nochmals Einschränkungen nötig, weil Teile des zerlegten Krankes abtransportiert werden müssen. Für sein Dafürhalten hätte im Gespräch miteinander mancher Stress vermieden werden können.

Mit Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) stand Kerstin Bauer mehrfach in Telefon- und Mailkontakt. Der Rathauschef sicherte zwar Hilfe „beim Tragen schwerer Dinge“ zu – die Küchenteile sind dann aber von Stadtmitarbeitern doch nicht über die Baustelle getragen worden. Auch wollte die Kommune mit Feuerwehr und Fahrdienst sprechen. Letzterer bringt die Tochter der Bauers jeden Nachmittag aus den Roßweiner Werkstätten nach Hause zurück. 

Ein Pflegeheim mit Plattenweg und ein Kücheneinbau im Haus der Bauers: Auslöser eines Streits.
Ein Pflegeheim mit Plattenweg und ein Kücheneinbau im Haus der Bauers: Auslöser eines Streits. © Lars Halbauer

„Aus Sicherheitsgründen haben wir unsere Tochter aber jetzt selbst abgeholt“, so Jochen Bauer. Nach seinen Worten sind einige Fragen unbeantwortet geblieben: Wo führt offiziell eine Umleitung, die auch von Rettungsdiensten und Lieferfahrzeugen nutzbar ist, entlang? Kommen Kommune oder Baufirma dafür auf, wenn die privaten Bauherren Verträge unverschuldet nicht einhalten können? „Letztlich fühlen wir uns als Baustelle zweiter Klasse“, sagt Kerstin Bauer.

Bauleiter Marco Häsler hat für diese beiden Tage, aber auch schon im Vorfeld alles aus seiner Sicht Mögliche getan, um mit den Nachbarn gut auszukommen, versichert er Sächsische.de. Den Einsatz des 450-Tonnen-Autokranes auf Montag zu verschieben, wie gewünscht, hätte den Investor 15.000 Euro gekostet. „Das ist einerseits wirtschaftlich nicht zu verantworten“, sagt Häsler. 

Streit um Grundstückszufahrt

Andererseits sei die Technik derart gefragt, dass auf die Schnelle kein Ausweichtermin gefunden worden wäre. „Sobald der Einsatz feststand, habe ich Familie Bauer informiert“, so Häsler. Abstimmungen mit Feuerwehr und Fahrdienst seien gelaufen. Und: Für den Transport der Küchenteile wäre gesorgt gewesen, wenn es wirklich gewünscht gewesen wäre. Die Situation wird offenbar mit jedem Tag verfahrener.

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Im Ergebnis dieses Hin und Her wird vermutlich zu klären sein: Wem gehört welcher Abschnitt des verlängerten Weges Böhrigener Straße ab dem Abzweig Baderberg wirklich? Die bisherige Zufahrt zum Anwesen der Bauers erfolgt nach den Worten des Bauleiters „über unser Grundstück.“ Die Familie geht davon aus, dass sie öffentliches Gelände nutzt – teilweise. Zumindest der Plattenweg ist öffentlich, bestätigt die Stadtverwaltung.

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