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Krankenhäuser denken an eine Fusion

Letztes Jahr machte das Klinikum Dresden drei Millionen Euro Defizit. Nun soll es ohne Verluste auskommen.

© Norbert Millauer

Von Bettina Klemm

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Verwaltungsdirektor Jürgen Richter ist zuversichtlich: „In diesem Jahr werden die Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt zusammen eine schwarze Null erreichen“, kündigt er an. Vor zweieinhalb Jahren hat der Stadtrat die Verwaltung der städtischen Krankenhäuser an Richter übertragen. Nun präsentierte er den Stadträten im Gesundheitsausschuss seine Therapieschritte für die Krankenhäuser.

Die Diagnose: Zwei Krankenhäuser arbeiten verlustreich gegeneinander.

Zum Zustand der Krankenhäuser hatte die Stadt Gutachten anfertigen lassen. Damals arbeiteten beide Häuser teilweise gegeneinander. Nur die gemeinsame Apotheke diente als Beispiel für eine Zusammenarbeit. Die IT-Systeme sind grundverschieden. Die Produktivität lag um etwa zehn Prozent unter den Vergleichszahlen anderer Krankenhäuser. Das heißt, entweder gab es zu viele Mitarbeiter, oder zu wenige Patienten wurden behandelt. Wenn nichts geschieht, prognostizierten die Gutachter für 2015 Verluste in Höhe von 16 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr lag das Minus bei drei Millionen Euro.

Therapie 1: Die Verwaltungsstrukturen werden geändert.

Die Dresdner hatten bei einem Bürgerentscheid festgelegt, dass die beiden Krankenhäuser weiterhin getrennte städtische Eigenbetriebe bleiben sollen. In der nächsten Woche läuft die Bindungsfrist für diesen Bürgerentscheid aus. Richter wurde jedoch von Anfang an für beide Häuser eingesetzt. Er hielt sich an die Vorgaben des Bürgerentscheids, stellte aber intern die Weichen in Richtung Gemeinsamkeit. „Wir haben drei wichtige Ziele verfolgt: Eine gemeinsame Leitung, das Einbinden der Mitarbeiter in das Projektmanagement sowie die Reorganisation der medizinischen Prozesse und der Infrastruktur“, sagt er. Für die Umgestaltungsphase wurden drei Jahre geplant.

Therapie 2: Die medizinischen Aufgaben werden anders verteilt.

Grundsätzlich haben beide Krankenhäuser fast gleiche Aufgaben: Sie versorgen die Menschen in den jeweiligen Stadtteilen. So gibt es in beiden Häusern Chirurgie, Inneres, Gynäkologie, Geburtshilfe und Psychiatrie. Daran soll sich auch grundsätzlich nichts ändern, um der Bevölkerung lange Wege zu ersparen. Zugleich werden Spezialisierungen in Friedrichstadt und Neustadt deutlich. Auch die Gutachter hatten die Empfehlung zur Spezialisierung abgegeben. So sind die Urologie, Rheumatologie, Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Augenheilkunde und Pulmologie/Thoraxchirurgie in Friedrichstadt Schwerpunkte. Neustadt konzentriert sich auf Geriatrie, Infektiologie, Adipositaszentrum, Kinderheilkunde, Plastische Chirurgie und Psychosomatik.

Therapie 3: Die Krankenhäuser arbeiten enger zusammen.

Bei einem Schlaganfall beispielsweise kommt es auf schnelle Entscheidungen an. So wird die Kompetenz beider Häuser genutzt. Über eine gemeinsame Befundstation und Server können beispielsweise Neurologen aus der Neustadt die Befunde der Patienten auf dem Untersuchungstisch in Friedrichstadt beurteilen. Notfalls erledigen das die Ärzte sogar vom heimischen PC aus. Hausübergreifendes Stroke-Unit nennen das die Fachleute. So konnten 2014 bis zu zwölf Prozent mehr Patienten behandelt werden. Friedrichstadt ist mittlerweile als Zentrum für Schwerstverletzte zugelassen, als eine von sechs Kliniken in Sachsen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es in der Onkologie. In Friedrichstadt wurde eine onkologische Klinik geschaffen. Bei der Entscheidung über die Behandlung von Tumoren sind grundsätzlich die Fachärzte beider Häuser beteiligt. Um effektiver zu arbeiten und Kosten zu sparen, werden einfache Operationen aus dem Zentral-OP ausgegliedert. So gibt es im Haus Z in Friedrichstadt zwei Säle für ambulante Operationen. Damit können insgesamt mehr Patienten behandelt werden.

Therapie 4: Kliniken arbeiten mit ambulanten Zentren zusammen.

Über das Projekt Onko.net gibt es inzwischen auch eine Vernetzung mit niedergelassenen Onkologen, Psychologen und Hausärzten bei der Betreuung von Krebspatienten. Onko.net wurde mit einer Million Euro von der EU gefördert. Auch bei den Herz-Kreislauferkrankungen beispielsweise gibt es eine Zusammenarbeit.

Therapie 5: Die Aufgaben werden konzentriert.

Zur Gesundung tragen viele scheinbar kleine Lösungen bei. So werden Patientenstammblätter klinikübergreifend ausgefertigt, Doppeluntersuchungen vermieden. Eine automatisierte Bettenmeldung sorgt für einen besseren Überblick und letztlich auch Auslastung. Gespart wird durch gemeinsame Einkäufe. Durch die Konzentration der Laborversorgung wurden auch die Möglichkeiten verbessert. So gibt es Schnelltests, um multiresistente Keime zu erkennen. Im Vergleich zu 2011 werden fürs Laborsystem jährlich 1,7 Millionen Euro eingespart. Eine Zentralküche senkt die Kosten um 190 000 Euro. Die Krankenhäuser haben mit der Drewag Verträge zur Übernahme eines Blockheizkraftwerks geschlossen. Das spart 850 000 Euro im Jahr.

Erste Erfolge: Die Krankenhäuser wachsen zusammen.

Seit vergangenem Sommer treten beide Krankenhäuser als städtisches Klinikum auf. Nun denken sie auch über eine Fusion nach. „Da wächst zusammen, was zusammengehört“, sagt SPD-Fraktionschef Peter Lames. Der Weg und die Richtung seien richtig. Mit weiteren Investitionen müsste den Krankenhäusern geholfen werden, das Zukunftskonzept umzusetzen.

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