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Corona: Krankenhäuser holen verschobene OPs nach

Die Kliniken im Kreis Bautzen nehmen jetzt Patienten auf, die wegen der Pandemie auf eine Behandlung warten mussten. Doch noch ist nicht alles wie zuvor.

In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen werden jetzt Operationen nachgeholt, die in den vergangenen Wochen verschoben wurden, um Kapazitäten für Corona-Kranke freizuhalten.
In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen werden jetzt Operationen nachgeholt, die in den vergangenen Wochen verschoben wurden, um Kapazitäten für Corona-Kranke freizuhalten. © Sven Hoppe/dpa

Bautzen/Bischofswerda/Kamenz.  Als Anfang März die Corona-Welle nach Deutschland schwappte, richteten sich die Krankenhäuser auf viele Patienten mit der Lungenkrankheit ein. Auch die Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda sowie das Malteser-Krankenhaus in Kamenz schufen spezielle Corona-Stationen, hielten Betten frei und änderten ihre Dienstpläne. Behandlungen, die nicht dringend waren, wurden vorsichtshalber verschoben.

Als Beispiele nennt Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken, Operationen in der Orthopädie, der Frauenheilkunde, der Augenmedizin sowie der Gefäß- und der Bauchchirurgie. Das Krankenhaus in Bautzen vertagte seit dem 16. März insgesamt 436 Operationen, das Bischofswerdaer Haus 149. Doch seitdem wurden diese Kranken nicht gesünder.

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„Die Zeit läuft“, sagt Rogowski. „Von Tag zu Tag wird der Eingriff bei den Patienten notwendiger. Nach nunmehr sechs Wochen Stillstand ist es angebracht, sie zu behandeln.“ Das soll jetzt nach und nach geschehen. Unaufschiebbare Operationen hat es auch in den vergangenen Wochen gegeben. „Das betraf akute medizinische Probleme im Bauch, am Herzen, bei erkanntem Schlaganfall und bei ähnlichen Diagnosen. Auch Unfallpatienten wurden nach wie vor aufgenommen und behandelt“, stellt Rogowski klar.

Patienten bleiben der Notaufnahme fern

Er ahnt aber auch, dass die Angst vor Corona viele Kranke von dem Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus abhielt. „Selbst Patienten mit Herzproblemen und Symptomen, die auf andere schwere Erkrankungen hindeuten, kommen nicht in die Notaufnahme. Wir schließen schwerwiegendere Krankheitsverläufe bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Tumoren und Ähnlichem nicht aus. Das ist alarmierend.“

Eine „behutsame und schrittweise Wiederaufnahme unseres Leistungsangebotes“ kündigt auch Sven Heise, Geschäftsführer der Malteser Sachsen-Brandenburg, an. „Wir müssen uns aber auf eine längere Dauer der Corona-Pandemie einstellen und dies in die Abwägung der medizinischen Vertretbarkeit einer Verschiebung von Behandlungen einbeziehen.“

Auch in Kamenz seien in den vergangenen Wochen alle Patienten behandelt worden, die dringende medizinische Hilfe benötigten. Heise zählt dazu zum Beispiel Krebstherapien, lebensgefährliche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung sowie Eingriffe und Wundversorgungen bei Entzündungen mit Gefahr einer Blutvergiftung. 

„Herzschrittmacher-Kontrollen wurden nur bei Patienten gemacht, wo eine Batterieerschöpfung im Raum stand. Jährliche Schrittmacher-Routinekontrollen gab es nicht“, erklärt der Chefarzt der Inneren Medizin, Dr. Rüdiger Soukup. „Die Hausärzte haben auch von sich aus weniger Patienten geschickt.“

Alle Krankenhäuser bleiben in Sachen Corona weiter „Gewehr bei Fuß“. „Wir sind jederzeit in der Lage, die Rolle rückwärts zu machen. Das heißt, in kurzer Zeit wieder alle Behandlungsmöglichkeiten für Corona-Patienten bereitzustellen“, versichert Reiner Rogowski für die Oberlausitz-Kliniken. Am Krankenhaus in Bautzen stehen 68 Betten für Corona-Kranke zur Verfügung. In Bischofswerda 36 Betten.

Weniger Schwerkranke als erwartet

Die Leitung des Kamenzer St.-Johannes-Krankenhauses der Malteser hatte angekündigt, die Bettenzahl dem jeweiligen Bedarf anzupassen. Hier bleiben auf der Corona-Intensivstation weiter 30 Betten für Kranke reserviert. Auf allen anderen Stationen sind die Betten fast vollständig genutzt, sagt Malteser-Sprecherin Stephanie Hänsch. Die Krankenhäuser hatten mit mehr schwer erkrankten Corona-Patienten gerechnet. Deshalb erhöhten sie in den vergangenen Wochen auch die Zahl der sogenannten Intensiv-Einheiten – also Betten zur Beatmung Kranker.

In Bautzen gab es anfangs 16 solche Intensiv-Einheiten, jetzt sind es 33 und damit mehr als doppelt so viele wie zuvor. In Bischofswerda können sofort sieben Patienten beatmet werden, aber diese Zahl lasse sich bei Bedarf steigern. Gleichzeitig bildeten die Oberlausitz-Kliniken zusätzliches Personal für die technisch anspruchsvollen Intensiv-Einheiten aus.

"Wir sind gerüstet für einen höheren Anfall an beatmungspflichtigen Patienten. Diese kamen aber Gott sei Dank bisher nicht“, sagt Rogowski. „In unserer Region hatten wir ein vergleichsweise moderates Auftreten der Pandemie - bis jetzt jedenfalls.“

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Doch die Krankenhäuser in Bautzen, Bischofswerda und Kamenz bleiben vorsichtig. Dazu gehört auch, dass sie das seit März geltende Besuchsverbot weiterhin aufrecht erhalten – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

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