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Krankenhausbetten auf Tournee

Das Gesundheitssystem kränkelt, sagt die Linke. Sie geht mit einem ungewöhnlichen Projekt auf Diagnosensuche.

Von Ines Mallek-Klein

Sie stehen mitten auf dem Pirnaer Marktplatz. Acht Krankenhausbetten. Die Laken schneeweiß, die Bettbezüge türkis. Sie laden zu einer kleinen Rast ein, oder zu einem Gespräch, zum Beispiel über das deutsche Gesundheitssystem. Und um das steht es keineswegs zum Besten, sagt André Hahn. Wie bei den Betten auch ist an manchen Stellen der Lack ab, erzählt der Bundestagsabgeordnete. Die Kosten steigen, und dafür gibt es viele Gründe. Die Linke möchte dazu mit den Bürgern ins Gespräch kommen und hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Sie startete nach Pfingsten eine politische Kunstaktion. Unter dem Motto „Gesundheit ist keine Ware“ touren die Krankenhausbetten durch insgesamt zwölf Städte in Sachsen. Pirna war die siebte Station, am Mittwoch geht es in Rochlitz weiter. Entworfen hat die Installation die Dresdner Aktionskünstlerin Eva Olivin. Die acht Betten stammen aus dem Altbestand eines Krankenhauses. Es sind aber nicht nur einfach Betten. An ihren Kopfenden wächst eine Parkuhr aus dem Metallgestänge. Wir möchten damit auf die Festbeträge aufmerksam machen, die für Krankheiten von den Kassen gezahlt werden. Wenn für einen Blinddarm nur drei Tage kalkuliert sind, bekommt ein Krankenhaus auch nur für diese Zeit Geld. Muss der Patient länger bleiben, sind entweder zeitaufwendige Nachverhandlungen mit der Kasse nötig oder das Krankenhaus macht ein Minusgeschäft. Die Parkuhren sind übrigens alles Originale. Sie stammen von einem Sammler aus Bielefeld.

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Originale sind auch die Stethoskope. Sie hängen an Laternenmasten mitten auf dem Markt und enden in den Krankenakten der Rettungsdienste, der Pflege, der Kliniken, der Krankenversicherungen und der Pharmaindustrie. Die Installation kommt an. Eine Dame bleibt stehen, blickt erst fragend auf die Krankenbetten und erzählt dann André Hahn ihre Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen. Der Bundestagsabgeordnete bekommt viele dieser Anekdoten zu hören. Nicht alle nehmen einen positiven Ausgang.

Hahn sieht vor allem die Politik und damit sich selbst gefordert. Das Gesundheitssystem muss reformiert werden. Man braucht nicht Dutzende private und gesetzliche Kassen, die Festbeträge für Krankheiten müssen abgeschafft werden, und wir müssen Konzepte gegen den Ärztemangel im ländlichen Raum entwickeln, so Hahn. Von den Passanten gibt es für diese Analyse zustimmendes Kopfnicken.