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Krawall im Krankenkassenbüro

Ein Mann gerät in Freital außer sich, als die einzige Servicemitarbeiterin nicht schnell genug das macht, was er verlangt. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

© Symbolfoto: dpa

Von Anne Schicht

An einem Augustmittag 2019 war in der Filiale IKK in Freital einer der drei Mitarbeiter im Urlaub und einer war kurz zur Mittagspause unterwegs. Eine junge Sozialversicherungsangestellte war allein, als Martin S. in den Geschäftsraum stürmte. Ohne zu grüßen fragte er mit erhobener Stimme, wo sein Geld wäre. Die Angestellte bat ihn, ihr seine Krankenkarte zu geben, damit sie ihn identifizieren könne und auch um zu erkennen, wo das Problem lag. Auch bat sie ihn, doch normal mit ihr zu reden, so von Mensch zu Mensch. Immerhin nahm der damals 33-Jährige daraufhin am Besprechungstisch widerwillig Platz. Sein Konto wäre immer noch von der Krankenkasse gepfändet, obwohl er schon längst alle Beiträge gezahlt hätte. Der Anruf bei der Fachabteilung ergab, dass die Pfändung zurückgenommen worden sei. Martin S. brachte das noch mehr auf: Das würde nicht stimmen und er wolle das schriftlich. Dazu war die Angestellte bereit, erklärte aber, dass sie dazu noch mal mit den Kollegen telefonieren müsse. Schließlich sollte das, was sie aufschrieb, ja auch von der Sparkasse anerkannt werden. Da war es mit der Beherrschung des Arbeitslosen vorbei. Er sprang auf, stieß den Beratungstisch und die Stühle um, griff sich schließlich den einigermaßen schweren Kugelschreiberhalter und warf ihn nach der Frau. Der Halter donnerte hinter ihr an die Wand, denn die Angestellte konnte den Kopf glücklicherweise noch zur Seite drehen. Der Halter hinterließ eine Delle in der Wand. Bevor der Mann aus dem Büro rannte, soll er der Büromitarbeiterin noch gedroht haben: „Ich komme wieder und bringe dich um, du Fotze!“ 

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Fragen des Richters nur widerwillig beantwortet

Nun musste sich der Deutsche vor dem Amtsgericht in Dippoldiswalde wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Hier verweigerte er sich zunächst dem routinemäßigen, coronabedingten Abfragen beim Einlass, trat ohne Gruß bei Aufruf in den Gerichtssaal und reagierte nur sehr widerwillig auf die Fragen des Richters. Er habe den Kugelschreiberhalter nicht auf die Angestellte geworfen, sondern in die Ecke. Schließlich erklärte er noch, er habe 14 Tage lang jeden Tag bei der Krankenkasse angerufen, immer hätten sie ihm gesagt, sein Konto wäre wieder frei, aber bei der Sparkasse wäre sein Konto immer noch gesperrt gewesen. Ob er Beleidigungen gesagt habe, wüsste er nicht mehr. Die Geschädigte erzählt konzentriert von dem Augustmittag. Der Vorfall hat tiefe Spuren bei ihr hinterlassen. Zunächst sei sie krankgeschrieben gewesen und werde auch psychologisch betreut. Langsam könne sie wieder einige Stunden arbeiten, die Angst nage aber weiter an ihr, auch das der Angeklagte seine Drohung wahr machen könne.

Sieben Monate auf Bewährung

Richter Christian Mansch verurteilte den Deutschen schließlich wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung zu sieben Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung. Noch dazu muss der Verurteilte 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.Der Richter ist sich sicher, dass es vom Angeklagten nur eine Scheinbehauptung gewesen sei, dass er den Kugelschreiberhalter in die Ecke geworfen hätte und die Angestellte nicht hätte treffen wollen. Wenn er sie getroffen hätte, hätte das zu schwerwiegenden körperlichen Verletzungen führen können. Und bei Martin S. könne er keinen Funken Unrechtsbewusstsein erkennen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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