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Döbeln

Krawall-Kids ziehen blank

Hosen runterlassen, Toiletten verwüsten, Wände beschmieren – damit sorgen ein paar Zwölf- bis 14-Jährige für Ärger. Mehrere Stadträte fordern Konsequenzen.

Die Besucher eines Imbisses an der Dresdener Straße in Roßwein bekamen kürzlich beim Blick aus dem Fenster einen nackten Hintern zu sehen. Der gehörte einem Jugendlichen. Er und andere Minderjährige sorgen nicht nur auf diese Weise für Ärger.
Die Besucher eines Imbisses an der Dresdener Straße in Roßwein bekamen kürzlich beim Blick aus dem Fenster einen nackten Hintern zu sehen. Der gehörte einem Jugendlichen. Er und andere Minderjährige sorgen nicht nur auf diese Weise für Ärger. © Symbolfoto: Lutz Weidler

Roßwein. Die Stadt  hat ein Problem mit einigen jungen Leuten im Schulalter. „Das gab es in jeder Generation, das Wände beschmiert oder Scheiben zerschlagen worden sind“, versucht Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) zu beschwichtigen. Doch was zurzeit überwiegend im Stadtgebiet passiert, geht darüber oft hinaus.

Stadtrat Steffen Thiele (SPD) hat vor kurzem einen Jugendlichen beobachtet, der vor einem Imbiss an der Dresdener Straße die Hosen herunterzogen und seinen blanken Hintern den Gästen durchs Fenster präsentiert hat. Vor einiger Zeit war die öffentliche Toilette im sogenannten Brautloch mit Fäkalien verschmiert. Wenig später hatten Jugendliche die Seifenspender dort herausgerissen und den Durchgang in eine Schlitterbahn verwandelt. 

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In einer Gartenanlage wurden Verwüstungen festgestellt, die nach Lindners Worten den jungen Leuten zuzuordnen sind. Auch was viele Schmiererein ums Rathaus und darüber hinaus betreffe, sei die „Handschrift“ der Jugendlichen erkennbar, ergänzt Ordnungsamtsleiterin Kristina Gebhardt. Wie sie und der Rathauschef sagen, habe man es mit verschiedenen Gruppen von jungen Leuten zu tun. Das Wort „Bande“ wollen beide deshalb nicht in den Mund nehmen.

Trotzdem: „Wie lange wollen wir uns dieses Verhalten noch gefallen lassen?“, will Stadtrat Hans-Jürgen Schibiak (CDU) wissen. Eine befriedigende Antwort können weder der Bürgermeister noch die Chefin des Ordnungsamtes geben. „Wir sind nicht diejenigen, die die Jugendlichen erziehen“, sagt Veit Lindner. Mehrfach seien auffällige Jugendliche von der Polizei nach Hause und Schwänzer zurück in die Schule gebracht worden. Geändert habe sich deswegen aber kaum etwas.

„In jedem Fall werden wir Sachbeschädigungen immer wieder anzeigen“, so der Bürgermeister. Die Frage sei allerdings, wie konsequent die Kommune die Fälle dann auch verfolgen soll. Die oftmals bekannten Jugendlichen seien noch nicht strafmündig. Letztlich würden Strafen wie Geldbußen oder Gefängnis auf die Eltern zukommen. Aber mache das Sinn?, fragen Lindner und Gebhardt. Manche Eltern würden gleichgültig reagieren, wenn sie auf das Verhalten ihrer Kinder angesprochen werden. Andere bemühten sich, seien aber sichtlich überfordert. „Auch mit Vertretern des Jugendamtes haben wir hier schon am Tisch gesessen. Deren Handlungsmöglichkeiten sind ebenso begrenzt“, sagt der Bürgermeister.

Die Eltern müssten auch mitspielen, wenn die Jugendlichen ertappt werden und den von ihnen angerichteten Schaden begrenzen sollen. Im Fall der Toilettenverunreinigung konnte der Täter ermittelt und zum Reinigungseinsatz „verdonnert“ werden. „Wieder andere Jugendliche werden demnächst den Zaun um das Gelände des Kirchgemeindehauses anstreichen, wo es vielfach Schmierereien gibt“, so Kristina Gebhardt. In diesem Fall bekommt die Kommune Unterstützung von Pfarrer Heiko Jadatz, der den Arbeitseinsatz beaufsichtigen will.

Verbote und Kameras

Um die permanenten Verunreinigungen im Brautloch in den Griff zu bekommen, gibt es einen Drei-Punkte-Plan. „Wir werden einen Papierkorb dort aufstellen sowie Schilder anbringen, nach denen das Rauchen und der Alkoholkonsum in diesem Bereich verboten sind“, kündigt die Leiterin des Ordnungsamtes an. Überdies will die Kommune nach den Worten von Veit Lindner prüfen, inwieweit sie eine Kamera einsetzen kann, um sich vor Vandalismus zu schützen beziehungsweise die Täter zu identifizieren. „Die Verbote bieten uns andere Möglichkeiten, zu handeln. Wer trotzdem Alkohol trinkt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das können wir ahnden und einen Platzverweis aussprechen“, erklärt Kristina Gebhardt, was das Ordnungsamt tun kann.

„Wir haben allerdings auch nur ein begrenztes Stundenkontingent“, sagt sie. Abends oder am Wochenende seien genauso die Anwohner gefragt: „Zum Telefonhörer greifen und bei der Polizei in Döbeln anrufen“, fordert die Ordnungsamtsleiterin auf. Überhaupt sieht der Bürgermeister in dieser Angelegenheit mehr den Freistaat und die Polizei in der Pflicht. „Es kann nicht sein, dass sich unser Ordnungsamt fast ausschließlich um wenige Jugendliche kümmert und alles andere liegenbleibt“, findet Lindner.

Die Forderung von Stadtrat Uwe Hachmann (SPD), das Ordnungsamt stundenmäßig oder personell aufzustocken, sieht Lindner durchaus als Hürde: finanziell gesehen und wegen des korsettartigen Personalschlüssels. Allerdings räumte er auch ein: „Am Ende entscheiden darüber alle Stadträte mit dem Haushaltplan.“