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Dippoldiswalde

Kraxeln mit dem Therapeuten

Im Altenberger Raupennest ist die neue Bäderabteilung in Betrieb. Investiert wurde nicht nur in die Behandlung mit Schlamm und Wasser.

Physiotherapeutin Rica Ziegert an der neuen Boulderwand. Klettern können Patienten im Raupennest sozusagen auf Rezept zur Kräftigung der Muskulatur.
Physiotherapeutin Rica Ziegert an der neuen Boulderwand. Klettern können Patienten im Raupennest sozusagen auf Rezept zur Kräftigung der Muskulatur. © Egbert Kamprath

Wo ist denn hier das Wasserbett?, fragt eine ältere Dame und schaut sich etwas hilfesuchend in der großen Bäderabteilung vom Raupennest um. Vorsichtig guckt sie durch die geöffneten Türen. Gleich rechts im Gang ein großer leerer Raum. Der ist für Gruppentherapien. Gegenüber steht auch kein einziges Möbelstück im Zimmer, das wie ein kleiner Ballettsaal aussieht mit verspiegelter Wand, aber ohne Primaballerina. Ein paar Türen weiter stecken bunte Brocken in der Wand, die zum Klettern animieren. Aber irgendwo muss doch auch das Wasserbett sein?

Anke Gundel schmunzelt, als sie die Dame vor sich hin murmeln hört. Die Leiterin der Reha-Klinik nimmt sie bei der Hand und zeigt ein paar Türen weiter auf einen Schriftzug. „Hydrojet“ steht da. Das klingt neumodisch und ist es auch, alles ein bisschen anders als noch vor ein paar Monaten. Helga Brückner ist nun schon das dritte Mal im Raupennest, aber mit einem Hydrojet hatte die Dresdnerin hier noch nichts zu tun. Wie das auch immer heißt, sie ist froh, als sie in der Kabine das Wasserbett entdeckt.

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Helga Brückner mit Niklas Domke am neuen Hydrojet.
Helga Brückner mit Niklas Domke am neuen Hydrojet. © Egbert Kamprath

Der Hydrojet sieht auch wirklich so aus und fühlt sich im ersten Moment auch so an wie ein Wasserbett. Aber da drin steckt viel Technik. Auf Knopfdruck setzt sich das Wasser unter der Liegefläche in Bewegung, und die Strahlen massieren den Körper. Die Fachleute im Haus haben lange überlegt, ob sie sich so eine spezielle Massage-Liege im Zuge des Umbaus der Bäderabteilung anschaffen, verrät Anke Gundel. „Aber die Technik hat sich in den letzten Jahren auf diesem Gebiet sehr entwickelt und uns letztlich überzeugt.“ Der Hydrojet ergänzt nun das manuelle Angebot der Therapeuten.

Das ist nicht die einzige Neuerung. Die Johannesbad Fachklinik für Orthopädie mit dem dazugehörigen Gesundheitszentrum hat in den vergangenen Monaten einen ihrer Kernbereiche modernisiert und umgebaut. Rund 300 000 Euro wurden investiert, um nach über 20 Jahren seit der Eröffnung des Hauses die Bäderabteilung zu sanieren und damit zugleich auf den neuesten Stand zu bringen. Es entstanden unter anderem zwei große Gruppentherapieräume, acht Massage- und vier Lymphdrainagekabinen. Auch eine Boulderwand wurde installiert für das therapeutische Klettern. „Das war eine Forderung der Berufsgenossenschaft“, sagt Frau Gundel. Jüngere Patienten, die ein orthopädisches Leiden haben, können damit wieder schneller fit gemacht werden, ihre Muskulatur kräftigen. „Ich habe das schon ausprobiert“, sagt die Klinik-Chefin, die selbst sehr sportlich ist. „Danach spürt man Muskeln, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es die gibt.“ 

Die Behandlungsbereiche wurden mit Kabinen voneinander abgetrennt.
Die Behandlungsbereiche wurden mit Kabinen voneinander abgetrennt. © Egbert Kamprath

Auch optisch hat sich die Bäderabteilung verändert. Die Vorhänge zum Beispiel, die einst die Behandlungsbereiche für die Anwendung mit Pelose, einem Naturheilschlamm, abschirmten, sind verschwunden. Überall wurden Kabinen mit Türen eingebaut, die mehr Ruhe und Intimsphäre sichern. Die neue Bäderabteilung ging erst vor wenigen Tagen in Betrieb. Eigentlich wollte das Raupennest viel eher fertig sein. Aber der Umbau, der Ende vergangenen Jahres begann, hatte es in sich. Als die alte Einrichtung abgerissen wurde, inklusive Fußboden, stellte sich heraus, dass kontaminierte Materialien verbaut worden waren. „Die mussten extra entsorgt werden“, so Frau Gundel. Das brachte den Zeitplan durcheinander. „Doch was lange währt, wird gut.“ Davon können sich die Besucher am Sonntag beim Tag der offenen Tür überzeugen und auch den neuen Hydrojet testen. Helga Brückner ist schon nach den ersten Minuten angetan: „Das fühlt sich sehr gut an.“

Tag der offenen Tür im Raupennest

Zu einem Gesundheitstag der Generationen laden Fachklinik und Gesundheitszentrum Raupennest in Altenberg am Sonntag, 30. Juni, 10-16 Uhr, ein.

Besucher haben die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen. So wird die neue Bäderabteilung vorgestellt, ebenso das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin. Angeboten werden Schnupperkurse im Strömungskanal (11.30/14/15 Uhr) und in Qi Gong (11.30/13.30 Uhr). Es gibt Führungen durchs Haus (11.30/14/15 Uhr) und durch die Badtechnik (12/14.30/15.30 Uhr).

Mediziner stehen zur Verfügung. Der Skoliosespezialist des Universitätsklinikums Dresden und Oberarzt im Raupennest, Dr. Peter Bernstein, bietet die Untersuchung des Rückens von Kindern an und beantwortet Fragen von 10.30 bis 13.30 Uhr. Chefarzt Dr. Friedemann Steinfeldt hält 11 Uhr einen Vortrag zu Kniegelenksarthrose.

Experten geben den ganzen Tag über Tipps zur gesunden Ernährung, Blutdruck-, Blutzucker-, Venen- und Fußdruckmessungen sind möglich.

Für Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt.

Ein Pendelverkehr zwischen der Reha-Klinik und dem Bahnhof ist eingerichtet. (SZ)

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