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Kreativ an Herd und Staffelei

Sabine Gottlöber aus Goldbach führte mit ihrem Mann erfolgreich einen Partyservice. Im Ruhestand entdeckte sie ein frühes Hobby neu und zeigt es in Rammenau.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda / Rammenau. Bilder vom Darß. Reetgedeckte Häuser, Strände, Dünen, Fischerboote und natürlich immer wieder das Meer – Sabine Gottlöber holt all das auf ihren Bildern nach Rammenau. Im Zimmer des Friedensrichters in der Alten Schmiede am Dorfplatz zeigt die Goldbacherin unter dem Titel „Auszeit“ Malerei in Acryl und Aquarell. Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Sonntag anlässlich des Tages des offenen Umgebindehauses. Die Besucher werden auch Bekanntes entdecken. Zum Beispiel die Frankenthaler Pfarrlinde, den Sommersteg von Goldbach nach Rammenau und den Blick aufs Frankenthaler Beigut.

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Seit 20 Jahren zieht es Sabine und Hans Gottlöber jedes Jahr einmal an die Ostsee. Sie schätzen das Meer, die Landschaft, den Menschenschlag, der anfangs mitunter etwas rau, aber herzlich ist. Seit ein paar Jahren reist Sabine Gottlöber nie ohne ihren Skizzenblock. Nachdem sie und ihr Mann Ende 2014 in den Ruhestand traten, entdeckte die jetzt 65-Jährige ein früheres Hobby neu. Schon als Schülerin in Goldbach malte sie gern, damals im Zeichenzirkel des Kunsterziehers Kurt Kaßner. Heute ist Malen für sie nicht nur Zeitvertreib, sondern auch ein wichtiger Lebensinhalt: „Ich schaffe etwas, das nur ich habe“, sagt sie. Die jetzige ist ihre zweite Ausstellung. Bereits im vergangenen Jahr zeigte sie ihre Bilder auf der Hobbyschau in Rammenau.

Erinnerungen und Emotionen

In ihren 45 Berufsjahren war keine Zeit zum Malen. Sabine Gottlöber ist gelernte Fleischverkäuferin und machte später noch den Abschluss als Köchin. Sie lernte beim Konsum in Bischofswerda, just in jenem Geschäft an der Bautzener Straße, das einige Jahrzehnte später ihr Mann und sie mieten und darin einen gut gehenden Partyservice einrichten sollten.

Spätestens seitdem wissen viele in Bischofswerda, dass Sabine Gottlöber mehr als nur eine kreative Ader hat. Das Geschäft fiel auf. Zum einen durch seine pfiffige Gestaltung, Blumenschmuck und die Tafel am Eingang, auf der handschriftlich stand: „Essen ist fertig“. Zum anderen aufgrund der Küche. Sabine Gottlöber kochte in ihrem Geschäft nicht nur jeden Tag frisch, sondern auch individuell nach eigenen Rezepten und mit frischen Kräutern – angebaut im eigenen Garten. Noch heute wird sie daraufhin angesprochen, wenn sie in Bischofswerda ist. „Sie fehlen uns“, hört sie dann von Kunden immer wieder. „Und mir fehlen meine Kunden“, sagt die agile Frau.

Fast elf Jahre lang führten die Gottlöbers ihren Partyservice mit Mittagstisch und Wurstverkauf von Betrieben aus dem Bischofswerdaer Umland. Ist sie jetzt in Bischofswerda, gehe sie kaum noch an ihrem früheren Geschäft an der Bautzener Straße vorbei, sagt Sabine Gottlöber. Zu tief sitzen die mit den Erinnerungen verbundenen Emotionen – zumal es mit der zunächst in Aussicht gestandenen Fortführung des Partyservice durch eine jüngere Unternehmerin nicht geklappt hat. Sabine Gottlöber sagt aber auch: „Wir haben aufgrund unseres Alters genau zur richtigen Zeit aufgehört“. Und Hans Göttlöber, der im März 70 wurde, ergänzt: „Wir hätten uns nur einige Jahre früher selbstständig machen sollen.“

Er unterstützt das Hobby seiner Frau nach ganzen Kräften. Vor ein paar Jahren sagte sie zu ihm: „Wenn du mir eine Staffelei baust, fange ich wieder mit dem Malen an.“ Sabine Gottlöber musste nicht lange bitten, bis ihr Mann das Holz kaufte.

Die Alte Schmiede am Rammenauer Dorfplatz kann am Sonntag, 27. Mai, von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden. In dieser Zeit ist auch die Ausstellung mit den Bildern von Sabine Gottlöber zu sehen.