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Staffelübergabe beim Lachefischen

In diesem Jahr fällt das Spektakel an der Schwarzen Lache aus. Für die Zukunft wird der Modus verändert. Und das hat mehrere Gründe.

Ein symbolischer Fisch ist es, den Dietmar Mühle (links) an Rüdiger Richter übergibt. Künftig hat der Chef der Teichwirtschaft Kreba den Hut für die Organisation des Fischerfestes an der Schwarzen Lache auf.
Ein symbolischer Fisch ist es, den Dietmar Mühle (links) an Rüdiger Richter übergibt. Künftig hat der Chef der Teichwirtschaft Kreba den Hut für die Organisation des Fischerfestes an der Schwarzen Lache auf. © André Schulze

Einige Wissbegierige haben bei Dietmar Mühle schon angefragt, wann und ob überhaupt die Schwarze Lache in diesem Jahr abgefischt werde. Nun lässt der Geschäftsführer der Kreba Fisch GmbH die Katze aus dem Sack: Er selbst und sein Unternehmen ziehen sich aus der Organisation des als Volksfest zelebrierten Spektakels ab sofort zurück. Den Hut hat jetzt Rüdiger Richter mit der Teichwirtschaft Kreba auf, die das Gewässer auch gepachtet hat.

Und Richter stellt klar, dass es im Herbst 2020 kein Lachefischen geben wird. Dies habe sich, so der Teichwirt, im Laufe dieser Saison abgezeichnet. "Die angespannte Situation beim Wasser und mit Corona lässt das einfach nicht zu", begründet der 66-Jährige. Schon jetzt sei der Pegel auf einen Stand gesunken, wie er normal eigentlich eineinhalb Wochen vor dem Abfischen wäre. Zudem liege die Wassertemperatur derzeit bei 28 Grad. "Wir hoffen, dass wir uns noch ein bisschen durchhangeln können. Aber das hängt tatsächlich am seidenen Faden." Eine Veranstaltung dieser Größenordnung unter den aktuellen Gegebenheiten nicht abzusagen, sei unverantwortlich. Zumal auch noch ein Hygienekonzept nötig gewesen wäre. "Ein Aufwand, den wir nicht leisten können", bedauert Richter.

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In diesem Jahr gibt es kein Fischerfest an der Schwarzen Lache. Erst 2022 wird das Abfischen in Kreba wieder öffentlich durchgeführt.
In diesem Jahr gibt es kein Fischerfest an der Schwarzen Lache. Erst 2022 wird das Abfischen in Kreba wieder öffentlich durchgeführt. © Archiv/Rolf Ullmann

Außerdem gibt der Pächter des 78 Hektar großen Gewässers zu bedenken, dass schon im Frühjahr 30 Zentimeter zum Vollstau gefehlt hätten und sich diese Mindermenge im Jahresverlauf eher noch vergrößert habe. "Die zurückliegenden Monate waren ein einziger Krampf. Die Zuflüsse haben fast nichts gebracht. Nur starke Platzregenfälle würden helfen, nach denen das Wasser die Gräben füllt."

Weil sich wohl auch in Zukunft an der Wettersituation nicht viel ändern und Wasserknappheit zu den ständigen Begleitern der Lausitzer Fischereibetriebe gehören wird, haben sich Rüdiger Richter und sein Sohn Jörg, der die Teichwirtschaft irgendwann übernehmen wird, für einen veränderten Abfisch-Modus entschieden. "Mit dem 55 Hektar großen Weißen Lug bewirtschaften wir einen zweiten sehr respektablen Teich. Allerdings reicht das Wasser nicht, um sie jedes Jahr abzulassen und wieder anzustauen." Deshalb werde man das künftig im Wechsel tun.

Volksfest an der Schwarzen Lache erst wieder 2022

Das nächste Abfischen der Schwarzen Lache findet demnach erst wieder im Herbst 2022 statt. Dann aber nicht mehr wie bisher üblich Mitte Oktober, sondern in der ersten November-Woche. Das Problem sei die mangelhafte Sauerstoffzufuhr im Wasser, erklärt Richter. "Die Fische hätten sonst beim Abfischen zu viel Stress." Dies bedeute durchaus auch Lebensgefahr. 2021 und 2023 wird der Weiße Lug abgefischt - allerdings ohne großes Brimborium. Und auch das Lachefischen wird aller Wahrscheinlichkeit nach abgespeckt. "Das Fest soll bleiben. Aber wie es ablaufen wird und in welcher Größe steht noch nicht fest. Dazu werden wir uns mit den bisherigen Partnern unterhalten", macht Rüdiger Richter die absehbaren Veränderungen deutlich.

Die Fischernte - hoffen die Teichwirte - fällt in diesem Jahr trotz knapper Wasserressourcen noch respektabel aus. Allein in der Schwarzen Lache liegt der Pegel aktuell 30 Zentimeter unter der sonst üblichen Marke.
Die Fischernte - hoffen die Teichwirte - fällt in diesem Jahr trotz knapper Wasserressourcen noch respektabel aus. Allein in der Schwarzen Lache liegt der Pegel aktuell 30 Zentimeter unter der sonst üblichen Marke. © Archiv/Rolf Ullmann

Zuvor möchte Dietmar Mühle offiziell den Staffelstab übergeben. Dazu wird es am 18. August mit allen bisher Beteiligten im Krebaer Dorfgemeinschaftshaus eine interne Runde geben. Um auch zu begründen, warum es zum Wechsel in der Verantwortlichkeit kam. Denn die Kreba Fisch GmbH verlegt in Kürze ihren Firmensitz nach Sproitz, wo sie die große Satzfischanlage unterhält. Das Gelände in Kreba, einschließlich Wirtschaftshof und Hälteranlage, übernimmt Rüdiger Richters Teichwirtschaft. Und setzt sich damit auch den Hut für das Lachefischen auf.

Teichwirtschaft hält mehr Schleie und weniger Karpfen

Richter hat mit dem Freistaat im vergangenen Jahr langfristige Pachtverträge geschlossen. Insgesamt 59 Teiche bewirtschaftet das Unternehmen - vom 0,1 Hektar großen Mini-Gewässer bis zur Schwarzen Lache mit ihren 78 Hektar Fläche. Passend dazu - und zur Nachfolgeregelung mit seinem Sohn - richtet er seine Firma neu aus. Am Krebaer Wirtschaftshof wird in den Bau einer Lagerhalle investiert, der Besatz der Teiche an die veränderten Bedingungen und Ertragschancen angepasst. "Wir haben den Bestand an Schleien drastisch erhöht und dafür die Karpfenhaltung heruntergefahren." Schleie seien im Moment sehr gefragt, gekauft würden sie vor allem von Angelvereinen aus den Altbundesländern. "Die setzen unsere Fische dann in ihren Angelgewässern aus."

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