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Krebskranke Irakerin verlässt Dresden

Reem Mahdi hofft, dass sie andernorts in Ruhe ihre Chemotherapie fortsetzen kann - und die Behörden sie dort mehr unterstützen.

Von Henry Berndt
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Nach der Krebsdiagnose und dem Kampf mit den Behörden wagt Reem Mahdi noch einen Neuanfang.
Nach der Krebsdiagnose und dem Kampf mit den Behörden wagt Reem Mahdi noch einen Neuanfang. © Marion Doering

Sie kam nach Dresden, um Arbeit zu finden und sich ein Leben aufzubauen. Doch die Stadt brachte der Irakerin Reem Mahdi kein Glück.

Die Ärzte diagnostizierten bei der 44-jährigen eine aggressive Form von Brustkrebs. Kurz darauf begann ihre Chemotherapie an der Uniklinik. Doch das Drama wurde noch größer: Ende Oktober endete die Krankenversicherung der Irakerin in Deutschland - und konnte nicht verlängert werden.

Hilfesuchend wandte sich ihre Familie an die Öffentlichkeit und die Behörden. Dutzende Dresdner boten ihre Hilfe an, wollten Geld spenden und ihr Arbeit vermitteln. In einem Eilverfahren verpflichtete das Sozialgericht Dresden schließlich das Jobcenter, die Irakerin in die gesetzliche Krankenversicherung aufzunehmen. 

Das war allerdings nur ein Teilerfolg. Bis zuletzt weigerte sich die Ausländerbehörde, den im Januar 2020 auslaufenden Aufenthaltstitel für Reem Mahdi zu verlängern, damit sie in Dresden ihre Krebstherapie fortsetzen kann.

Nun hat die Familie entschieden, Dresden zu verlassen. Ihr Bruder Ali, in dessen Haus sie in Dresden lebte, hat in Wolfsburg eine neue Arbeitsstelle gefunden und wird seine Schwester mit nach Niedersachsen nehmen.  Die Chemotherapie hätte Reem Mahdis Immunsystem bereits sehr geschwächt. Immer häufiger werde sie krank.  "Die Lymphknoten haben gut und schnell  auf die Therapie reagiert, aber der Tumor nur wenig", sagt Ali Haider. Ab sofort gebe es wöchentliche Sitzungen. "Das bedeutet, wir müssen sie mehr pflegen."

Sie allein in Dresden zurückzulassen, ist für den Bruder keine Option. "Vor allem die Ausländerbehörde hat uns keine positiven Signale gegeben, dass ihr Aufenthaltstitel verlängert werden könnte", sagt er. Die Chemotherapie soll nun im Krebszentrum Wolfsburg fortgesetzt werden. Erste Gespräche habe es schon gegeben.

Ob nach dem Umzug nach Wolfsburg auch die bis Januar befristete Krankenversicherung weiterbestehen wird, ist bislang allerdings offen und wird von den Entscheidungen der niedersächsischen Behörden abhängen.

Bevor Reem Mahdi nun Dresden verlassen wird, hat sie vor wenigen Tagen noch ihre Abschlussprüfung nach dem B1-Sprachkurs absolviert. "Wir denken, dass der Abschluss sich positiv auf ihren Lebenslauf auswirkt", sagt Ali Haider. "Vielleicht haben wir dadurch bessere Möglichkeiten, in Wolfsburg einen Job für sie zu finden."

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