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Dresden

"Eine vollständige Garantie gibt es nie"

Nach der Brandkatastrophe im Krefelder Zoo soll auch in Dresden die Sicherheit nochmals geprüft werden. Warum von Brandmeldern Abstand genommen wurde.

Die Orang-Utans im Dresdner Zoo sollen bald ein neues Haus bekommen.
Die Orang-Utans im Dresdner Zoo sollen bald ein neues Haus bekommen. © Sven Ellger

Die Bilder des komplett ausgebrannten Affenhauses im Krefelder Zoo lassen auch die Mitarbeiter im Zoo Dresden nicht kalt. Mehr als 30 Tiere waren in der Silvesternacht in den Flammen gestorben, darunter viele Menschenaffen. Ausgelöst wurde der Brand mit hoher Wahrscheinlichkeit durch sogenannte Himmelslaternen, die in der Nähe steigen gelassen worden waren.

Seit mehr als zehn Jahren sind solche Flugobjekte in ganz Deutschland verboten, nachdem wiederholt Gebäude und Wälder durch abgestürzte Himmelsleuchten in Brand geraten waren. Im Internet gibt es sie aber immer noch zu kaufen. 

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Zumindest in Dresden zeigt das Verbot dennoch die erhoffte Wirkung: In den vergangenen Jahren habe es in der Stadt keine Fälle von Bränden gegeben, die durch solche Laternen ausgelöst wurden, bestätigte Michael Klahre, Sprecher der Dresdner Feuerwehr.

Auch andere Pyrotechnik kann jedoch schnell gefährlich werden, wie die vielen Feuerwehreinsätze in Dresden in der Silvesternacht zeigten. 

Das Affenhaus im Krefelder Zoo brannte in der Silvesternacht komplett aus.
Das Affenhaus im Krefelder Zoo brannte in der Silvesternacht komplett aus. © Andreas Drabben

Könnte eine Rakete oder ein anderer Leuchtkörper womöglich auch im Dresdner Zoo eine ähnliche Katastrophe auslösen wie in Krefeld?

"Unsere Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, besonders vor Silvester", sagt Wolfgang Ludwig, der Zoologische Leiter. Die Tiere seien eingesperrt, Unterstände überdacht, die große Scheune solide gebaut. Alle Heuhaufen, die sich entzünden könnten, würden abgedeckt. "Eine vollständige Garantie gibt es dennoch nie."

Als Reaktion auf den Brand in Krefeld würden nun vermutlich noch einmal alle Sicherheitskonzepte überprüft. "Das wird sicher ein Thema in den nächsten Wochen sein", sagte Ludwig. "Die letzte Beratung vor dem nächsten Jahreswechsel wird dann wohl auch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen." Detaillierte Fragen zur Bauweise der einzelnen Gebäude im Zoo könnten allerdings nur die Techniker beantworten, die noch im Urlaub seien.

Klar ist: Über eine Brandmeldeanlage verfügt bislang nur das neue Afrikahaus. In anderen Gebäuden, etwa dem Brandes-Haus, sei dagegen nach ausführlichen Tests bewusst Abstand davon genommen worden. "Überall, wo es Tierbewegungen gibt, und damit auch regelmäßig Staub und Dreck aufgewirbelt werden, sind Rauchmelder kaum zu gebrauchen", erklärt Ludwig.

Im Dresdner Zoo ist nur das neue Afrikahaus mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet.
Im Dresdner Zoo ist nur das neue Afrikahaus mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. © Sven Ellger

Dort, wo sie dennoch installiert sind, könnten sie im Zweifel aber eine Katastrophe verhindern. "Nach einem Alarm rücken wir innerhalb von 60 Sekunden in der Feuerwache Altstadt aus und sind nach zehn Minuten vor Ort", sagt Feuerwehrsprecher Klahre.

Konkrete Pläne für einzelne Szenarien gebe es zwar nicht. Regelmäßig würden aber für alle relevanten Objekte in Dresden "operative taktische Studien" durchgeführt. So gebe es auch im Zoo Vorort-Termine von Einsatzkräften, um sich zum Beispiel auf neue bauliche Besonderheiten einzustellen. Grundsätzlich seien Klein- und Huftiere im Katastrophenfall natürlich einfacher in Sicherheit zubringen als beispielsweise Raubkatzen.

Ralf Leidel, Präsident der Zoofreunde Dresden, forderte als Reaktion auf den Brand in Krefeld bereits eine Feuerwerksverbotszone rund um den Zoo, um das Risiko zumindest zu verringern. Wolfgang Ludwig hält von dieser Idee allerdings wenig. "Ich bin auch kein großer Freund der Knallerei, aber das ist nun mal Tradition und wie groß sollte eine solche Verbotszone überhaupt sein?" Einfacher umzusetzen wäre seiner Ansicht nach eine zusätzliche Sicherheitsstreife über das vergleichsweise kleine Zoogelände zu Silvester. Bislang gebe es diese noch nicht.

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Ralf Leidel von den Dresdner Zoofreunden glaubt dagegen eher, dass eine solche Patrouille teurer und weniger effektiv sei, wie er den Dresdner Neuesten Nachrichten sagte. Einen Fakt könne allerdings auch ein Verbot nicht aus der Welt schaffen, räumt er ein: "Vor dummen Menschen und deren Handlungen kann man sich nicht schützen."

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