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Corona: Miet-Erlass für Geschäfte in Not

Viele Läden und Lokale im Kreis Bautzen zahlen jetzt weniger Miete oder setzen die Zahlung aus. Doch nicht für jeden ist das eine Lösung.

Vermieter Stephan Juros hat Maria Winkler vom neuen Café "Waffle & more" in Bautzen im April die Hälfte der Miete für die Geschäftsräume erlassen. Auch andere Ladenbetreiber bekommen Unterstützung.
Vermieter Stephan Juros hat Maria Winkler vom neuen Café "Waffle & more" in Bautzen im April die Hälfte der Miete für die Geschäftsräume erlassen. Auch andere Ladenbetreiber bekommen Unterstützung. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Maria Winkler Eröffnung gefeiert: Anfang März schloss sie erstmals die Türen zu ihrem Café „Waffle & more“ in Bautzen für Kunden auf. Mitte März dann musste sie ein Schild ans Fenster hängen. Ein buntes Einhorn ist darauf zu sehen und die Worte: „Um die Ausbreitung des Coronavirus zu minimieren, sehen wir uns in der Pflicht, unser Geschäft vorübergehend zu schließen.“

Die Eröffnung sei ein voller Erfolg gewesen, sagt Maria Winkler. Aber die Zeit danach? Nein, die war und ist nicht einfach – weder für sie noch für alle anderen Restaurants, Cafés, Kneipen und Geschäfte im Kreis Bautzen, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten.

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„Ich habe Soforthilfe und Kurzarbeit beantragt“, erzählt Maria Winkler, „klar ist es schwer.“ Die Fixkosten laufen weiter, die Einnahmen hingegen sind komplett weggebrochen. Sie greife auf private Ersparnisse zurück. Auch andere Geschäfte erzählen von hohen Umsatzeinbußen. Einige dürfen noch für Lebensmittelverkäufe öffnen oder liefern aus, anderen fehlen die Einnahmen komplett.

Vermieter sorgt sich um lokalen Handel

Helfen soll ein Gesetz der Bundesregierung: Wer seine Miete nicht zahlen kann, geht daraus hervor, dem darf nicht gekündigt werden. Wie handhaben es die Geschäfte im Kreis Bautzen?

„Mein Vermieter ist nett“, sagt Maria Winkler, „er hat mir für diesen Monat die Hälfte der Miete erlassen.“ Dieser besagte Vermieter, das ist Stephan Juros. „Ich habe gesehen, was für ein Aufwand das Einrichten war“, sprudelt es aus ihm heras, „und habe zum Teil auch geholfen.“ Er freue sich, dass das Geschäft so viel Anklang gefunden habe – „es ist wichtig für Bautzen.“ Er mache sich Sorgen um den lokalen Handel. Breche der weg, wäre das ein Verlust von Lebensqualität für alle. Und sich zu unterstützen, das sei eben auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen. „Sicher, auch in meinem Portemonnaie wird die Einnahme fehlen“, sagt er, „aber wir müssen das gemeinsam durchstehen.“

Auch andere Geschäfte bekamen Unterstützung von ihren Vermietern. So zum Beispiel Karin Morgenroth mit ihrem Laden Lebens-Quelle in Kamenz. „Das Geschäft wird über die Städtische Wohnungsgesellschaft verwaltet, ich kenne die Eigentümer gar nicht“, erzählt sie. Umso mehr habe sie sich gefreut, als sie die Hälfte der Miete für den April zurück überwiesen bekam – und die Information, dass die Hälfte der Mai-Miete ebenfalls nicht gezahlt werden müsse. „Ich hatte schon vorher überlegt, ob ich nach einem Mieterlass fragen sollte“, erzählt sie. „Wir sind ein Verein und haben deshalb keine großen Rücklagen“.

Die beiden Geschäfte in Bautzen und Kamenz – es sind nicht die einzigen, die versuchen, sich durch eine kleinere Miete über Wasser zu halten. Viele Läden im Bautzener Kornmarkt-Center zum Beispiel, berichtet Center-Manager Christian Polkow, haben angekündigt, ihre Miete nicht mehr zahlen zu können.

„Sofern betroffene Mieter derzeit ihre Mietzahlungen nicht leisten, gehen wir zunächst davon aus, dass dies im Sinne des Gesetzes auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beruht“, sagt er, „wir werden die Mietzahlungen zunächst auch nicht durchsetzen.“ Erst zu einem späteren Zeitpunkt, „wenn das Ausmaß der Krise absehbar ist, werden wir uns mit unseren Mietern und Investoren zusammensetzen, um gemeinsam individuelle und für alle Beteiligten faire Lösungen zu finden.“

Nicht alle wollen Zahlungsaufschub

Auch die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) hat Anträge auf Zahlungsaufschub erhalten, ebenso die Städtische Wohnungsgesellschaft Kamenz und die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Wohnbau Radeberg. „Eine Stundung bedeutet jedoch keinen Mieterlass“, stellt BWB-Chefin Kirsten Schönherr klar.

Es ist einer der Gründe, weshalb einige Geschäfte auch nicht darauf zurückgreifen wollen und trotz der Krise versuchen, das Geld aufzubringen. „Ich zahle meine Miete weiterhin“, sagt Sibylle Schafflik vom gleichnamigen Modeatelier in Bautzen. „Ich dürfte stunden, müsste darauf aber Zinsen zahlen“, sagt sie.

Auch die Buchhandlung Heinrich in Bischofswerda zahlt weiterhin, und Daniel Polenk vom Geschenkeladen aus Bautzen hat sich ebenfalls dazu entschieden. „Auch der Vermieter hat ja Ausgaben zu bestreiten“, sagt er, und: „Früher oder später muss ich ja sowieso zahlen.“ Daniel Polenk ist sich sicher: Nicht nur er leide gerade an Existenzängsten. „Wie geht es danach weiter? Das weiß ja keiner“, sagt er. Er sorge sich, dass viele Geschäfte wegen der Krise schließen müssen.

Maria Winkler vom Waffel-Laden ist indes noch positiv gestimmt. Wenn die Krise vorbei ist, erzählt sie, dann will sie wieder öffnen. Und zwar nicht einfach so; nicht einfach bloß die Tür aufschließen und weitermachen. Sie will feiern: „Wir machen eine komplette Neueröffnung.“

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