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„Kreischa bleibt selbstständig“

Im SZ-Interview erklärt Bürgermeister Frank Schöning (FBK), was die Bürger 2012 erwartet. Und warum das Erbgericht fällt.

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Herr Schöning, eigentlich wollte Kreischa mit einer gesicherten Mittelschule ins Jahr 2012 starten. Jetzt ist die Situation immer noch angespannt.

Ich denke, man sollte im Rückblick nicht unzufrieden sein. Vergangenes Jahr standen noch Schließung und Auflösung der 5. Klassen zur Debatte. Das wurde alles abgewendet – vor allem übrigens ein Erfolg der Eltern, ohne deren Engagement die Schule heute längst zu wäre. Und was die Perspektive anbelangt: 40 Anmeldungen brauchen wir. Das wird uns, sicher auch mit Anstrengungen wie bisher, gelingen. Und dann kann der Landkreis im März oder Juni uns wieder in den Schulnetzplan aufnehmen.

Also bewerten Sie 2011 als ein erfolgreiches Jahr für Kreischa?

Auf alle Fälle. Auch abseits der Schulproblematik haben wir viel erreicht. Das Vereinshaus wurde eingeweiht. Positiv war 2011 vor allem auch, neben vielen anderen abgeschlossenen Straßenbaumaßnahmen, die Fertigstellung der S36. Nach 20 Jahren Bauzeit ist die Ortsdurchfahrt endlich komplett erneuert.

Was erwartet die Bürger 2012?

Erst einmal, dass die Steuern und Gebühren stabil bleiben. Beschäftigen wird uns natürlich die ganze Thematik Ausgleichsbeträge im Sanierungsgebiet Ortsmitte. Da verschicken wir demnächst die Informationsbriefe mit konkreten Aussagen – sicher wird das zu Debatten führen. Logisch, über Abgaben freut sich schließlich keiner. Aber die Gemeinde muss sich nun mal an das Bundesrecht halten.

Wie kann sich Kreischa in diesem Jahr finanziell aufstellen?

Das Jahr 2011 lief sehr positiv, sodass wir eine halbe Million Euro Mehreinnahmen verbuchen können und den geplanten Kredit nicht aufnehmen mussten. Das schafft natürlich für das aktuelle Jahr gute Voraussetzungen. Insgesamt reden wir von 1,6 Millionen Euro an geplanten neuen Investitionen, vor allem in Sachen Infrastruktur, und 1,5 Millionen, die wir aus 2011 mitnehmen. Allerdings müssen wir für das anspruchsvolle Jahr auch in die Rücklage greifen und wohl den Kredit jetzt aufnehmen. Das liegt vor allem daran, dass zwar Steuereinnahmen fließen, aber Zuweisungen des Freistaates enorm sinken.

Können Sie, nicht nur unter dem Gesichtspunkt Finanzen, eine Fusion mit Nachbarkommunen da letztlich überhaupt verhindern?

Unser Haushalt zeigt, dass Steuereinnahmen da sind und wir, ohne Steuer-Erhöhungen, daraus sogar ein Plus verzeichnen. Sicher ist das nicht viel. Aber es zeigt, dass wir aus eigener Kraft existieren und sogar freiwillige Aufgaben wie Bibliothek, Vereinsförderung, Zuschuss zum Schul-Essengeld, umsetzen können. Was kommt, kann sicher keiner voraussagen. Aber ich gehe fest davon aus, dass Kreischa selbstständig bleibt. Und solange wir leistungsfähig sind und unsere Aufgaben – zum Teil sogar noch für andere – erfüllen, gibt es keinen Grund, Verbünde mit anderen einzugehen. Wieso auch, wenn das nichts an Effektivität bringt. Unbenommen ist natürlich, dass eine Zusammenarbeit, wo es sinnvoll ist, mit anderen immer willkommen ist.

Sie haben vergangenes Jahr Ihre Platzprobleme in der Kita mit einem Anbau gelöst. Reicht das?

Wir haben mit den 254 Plätzen in Krippe und Kindergarten eine ausreichende Kapazität.Auch für die gesetzliche Neuerung mit dem Anspruch auf einen Krippenplatz ab 2013 sind wir gerüstet.

Was passiert 2012 mit den Dauerbrennern Gasthof Lungkwitz und Erbgericht?

Beim Gasthof sind wir dran, dass endlich die Fördergelder für die geplante Sanierung fließen. Ich hoffe in den nächsten Tagen auf gute Nachrichten aus dem Landratsamt. Beim Erbgericht sollen dieses Jahr voraussichtlich Nebengebäude und Saal abgerissen werden. Für das Haus hatte ich 2011 mehrere Termine mit Interessenten und etliche Zuarbeiten gemacht. Wir nehmen jeden ernst. Leider war der große Wurf noch nicht dabei. Aber schauen Sie aufs Stiftsgut Lungkwitz. Dort hatte auch keiner gedacht, dass es zu retten ist. Und jetzt wird daraus ein Schmuckstück.

Was muss 2012 liegen bleiben?

Die Wunschlisten sind groß. Da bleibt zwangsläufig etwas liegen. Aber wir überlegen natürlich bereits heute für die kommenden Jahre, zum Beispiel für einen Anbau an die Turnhalle und Außensportanlagen für die Schule, die Nutzung des Sachsenwerk-Geländes, Sanierung von Ortsstraßen, Entwicklung von Wohnflächen, usw. Da wird es noch einige Diskussionen geben.

Gespräch: Matthias Weigel.