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Kreischa will Flüsse sicherer machen

Die Gemeinde investiert in den Hochwasserschutz. Doch gegen die Pläne regt sich erster Widerstand.

Von Marleen Hollenbach

Es geht noch gar nicht richtig los, da streiten sie schon. Aufregung herrschte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kreischa. Grund dafür: Bürgermeister Frank Schöning (FBK) hatte einen besonderen Gast geladen. Andreas Stowasser vom Ingenieurbüro Stowasserplan Radebeul war gekommen, um mit den Kreischaern über den Wiederaufbau ihrer kleinen Bäche zu reden. Diese hatten unter dem Hochwasser im Juni stark gelitten, müssen jetzt dringend saniert werden.

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Besonders deutlich wird das am Beispiel des Wittgensdorfer Bachs. Das hatte im Juni nicht nur ganze Wiesen überflutet, sondern auch die Brücke an der Wittgensdorfer Straße zerstört. Hier, an einem beliebten Wanderweg, sorgt jetzt eine Behelfsbrücke, dafür, dass Wanderer und auch Reiter das Gewässer überqueren können. Eine Dauerlösung ist das aber nicht. Eine neue Brücke muss her. Doch mit dem Wiederaufbau der Brücke allein ist es noch nicht getan. „Anders, als nach dem Hochwasser 2002, dürfen wir jetzt nicht einfach sanieren, sondern müssen gleichzeitig auch das Hochwasserrisiko verringern“, erklärt Andreas Stowasser. Das bedeutet, nicht nur die Brücke hat der Chef des Ingenieurbüros ins Auge gefasst, sondern den ganzen Flusslauf. „Es geht darum, die Gewässer im Gemeindegebiet so zu entwickeln, dass es zu solchen Schäden erst gar nicht mehr kommen kann“, sagt er.

Gewässer entwickeln? Das klingt für die Kreischaer befremdlich. So richtig wissen sie noch nicht, was da auf sie zukommen wird. Konkrete Pläne lassen bisher auch auf sich warten. Dennoch machen schon die ersten Gerüchte die Runde. Angeblich soll der Wittgensdorfer Bach durch eine Kleingartenanlage geführt werden. Zwei Parzellen müssten dafür weichen. Schon stöhnen die Hobbygärtner auf. „Das Wasser braucht Platz, und den müssen wir schaffen. Anders können wir die Hochwassergefahr nicht verringern“, sagt Andreas Stowasser, versucht die aufgebrachten Anwohner zu beruhigen.

Auf einer Karte hat er eingezeichnet, an welchen Stellen noch dringender Handlungsbedarf besteht. Rot umrandet ist der Lauebach. Dieses Flüsschen hat im Juni eine Mülldeponie freigelegt und verwüstet. Kein schöner Anblick. Auch hier soll schnellstens etwas geschehen. Gleiches gilt für den Possendorfer Bach. Dort hat sich an vielen Stellen die Bachbefestigung komplett gelöst. Und auch am Quohrener Bach sieht der Chef des Ingenieurbüros Handlungsbedarf. Gespannt folgt auch Bürgermeister Frank Schöning den Erklärungen des Fachmanns. Die Diskussionen kann er verstehen, weiß aber auch, dass Kompromisse gefunden werden müssen. Schließlich muss das Wasser ja irgendwo hinfließen. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Schäden zu beseitigen. Das sollten wir gut nutzen“, sagt er. Dem stimmt auch Andreas Stowasser zu. „Es ergeben sich bei der Sanierung viele Synergien. Denkbar wäre es beispielsweise, die Baustraßen später als Wanderwege zu nutzen“, erklärt er.

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Jetzt müssen erst einmal die Fördergelder für die einzelnen Baumaßnahmen beantragt werden. Im kommenden Jahr werden alle Bauprojekte dem Gemeinderat vorgestellt. Erst danach kann es mit dem Wiederaufbau wirklich losgehen. Es bleibt also noch genug Zeit, um über die einzelnen Pläne mehr oder weniger hart zu diskutieren.