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Kreischas Probleme mit dem Schulbus

Die Gemeinde fühlte sich nach der Fahrplanänderung im Februar abgehängt. Nun scheint aber eine Lösung in Sicht.

Von Sebastian Martin

Wenn der sonst so besonnen wirkende Bürgermeister von Kreischa in den vergangenen Wochen über eines der aktuell größten Probleme in seiner Gemeinde gesprochen hat, dann wählte er teilweise recht drastische Worte. „Der neue Busfahrplan hat wahnsinnige Auswirkungen auf uns. Wir wurden abgehängt“, sagte Frank Schöning (FBK) vor Kurzem. Heute klingt der Rathauschef wieder deutlich ruhiger, auch wenn das Problem noch nicht ganz vom Tisch ist.

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Schöning sieht in dem seit Mitte Februar geltenden Fahrplan einen Grund dafür, weshalb es nur 29 Anmeldungen für die nächste fünfte Klasse an der Oberschule in Kreischa gibt – elf weniger als der Freistaat für die Zweizügigkeit verlangt und ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Denn damals gab es auf Anhieb 48 Anmeldungen. Zwar sei die Hauptursache, dass von den derzeit 35 an der benachbarten Grundschule lernenden Viertklässler lediglich 15 Kinder eine Bildungsempfehlung für die Oberschule erhalten haben und von denen sogar nur acht in Kreischa bleiben werden, sagt Schöning. Dennoch könnte seiner Meinung nach auch der neue Busfahrplan eine Rolle spielen, warum die Anmeldezahl im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken ist.

Und der Verdacht ist nicht ganz abwegig. Schließlich werden in Kreischa ab dem neuen Schuljahr vermutlich keine Fünftklässler aus Reinhardtsgrimma mehr lernen – trotz stabiler Zahlen in den Vorjahren. Schuld könnte sein, dass der Bus aus Glashütte jetzt 20 Minuten eher und damit eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn eintrifft. Nicht das einzige Problem. Für die Schüler aus Hirschbach und Hermsdorf entstand durch die veränderte Führung der Linien 386 und 389 eine verlängerte Fahrtzeit. Und die Kinder und Jugendlichen aus Maxen müssen durch den neuen Fahrplan längere Wartezeiten in Kauf nehmen – teilweise bis zu einer Stunde.

17 Schüler werden daher jetzt mit dem sogenannten freigestellten Schülerverkehr zum Unterricht nach Kreischa gefahren – sprich mit dem Taxi. „Diese zusätzliche Beförderung verursacht Kosten in Höhe von 54,80 Euro pro Schultag, hat aber für die Eltern keine Auswirkungen auf die Zahlung des Eigenanteiles“, sagt Irina Heise vom für die Schülerbeförderung zuständigen Landratsamt in Pirna.

Die Behörde hat sich inzwischen in das Problem eingeschaltet. „Eine Ursache sehen wir beim Unterrichtsbeginn zur nullten Stunde um sieben Uhr“, sagt Heise. „Dieser Unterrichtsbeginn wurde durch die Schulleitung dem RVD als Hauptunterrichtszeit benannt und eine entsprechend zeitnahe Busanbindung für die Schüler beantragt. Auch der Hinweis des RVD, dass dann kein weiterer Bus zur ersten Stunde um 7.50 Uhr verkehren kann, wurde seitens der Schule nicht beachtet.“

Die Gemeinde Kreischa will dem nicht widersprechen. Es habe ein Kommunikationsproblem gegeben, sagt aber Kreischas Bürgermeister Frank Schöning. Er weist zudem auf ein weiteres Problem bei der Schülerbeförderung nach Kreischa hin, das durch den veränderten Fahrplan auftritt. Denn die Linie F, deren Ankunft am Mühlgraben für 7.39 Uhr angekündigt wird, treffe regelmäßig später ein, sodass die Schüler es nicht mehr rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn um 7.50 Uhr schaffen, sagt der Bürgermeister. Etwa 60 Schüler seien betroffen.

Um die Probleme zu lösen, hat sich Frank Schöning diese Woche mit Vertretern des Landkreises sowie des Regionalverkehrs Dresden (RVD) an einen Tisch gesetzt. Anscheinend mit Erfolg. „Es war ein konstruktives Gespräch“, sagt er. Das bestätigt auch Volker Weidemann vom RVD. Das Unternehmen habe zudem bereits reagiert und setze auf der Linie F andere Busse ein, um das Kapazitätsproblem zu lösen und die vielen Ein- und Ausstiege besser handhaben zu können. „Wir bemühen uns um eine Stabilisierung der Fahrtzeiten“, sagt er. Der RVD prüfe zudem, ob die Linie F zeitiger losfahren könne, damit sie selbst bei dichtem Berufsverkehr pünktlich zum Unterrichtsbeginn in Kreischa ankommt. Allerdings gebe es viele Abhängigkeiten bei der Fahrplangestaltung zu beachten – wie die Anschlusszeiten. „Wir können keine Schule oder Gemeinde separat betrachten“, sagt Volker Weidemann.

Dafür hat Kreischas Bürgermeister Verständnis. Gemeinsam mit dem RVD will er an einer Optimierung der Schülerbeförderung nach Kreischa arbeiten, die spätestens zum neuen Schuljahr in Kraft treten soll. Wie die Lösungen der Probleme genau aussehen wird, ist noch unklar. Ein überarbeiteter Fahrplan ist ebenso denkbar wie ein geänderter Unterrichtsbeginn. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Frank Schöning – wieder mit besonnener Stimme.