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Kreisstadt blickt nach Westen

Der erste Schritt ist getan: Der Landkreis wird von der Stadt Gebäude und Grundstück der Grundschule Neschwitzer Straße kaufen. Der Kreistag hat dafür jetzt grünes Licht erteilt. 1,85 Millionen Mark soll der per 1. September 2001 über die Bühne gehende Grundstückskauf den Kreis kosten.

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Von Jens Fritzsche

Der erste Schritt ist getan: Der Landkreis wird von der Stadt Gebäude und Grundstück der Grundschule Neschwitzer Straße kaufen. Der Kreistag hat dafür jetzt grünes Licht erteilt. 1,85 Millionen Mark soll der per 1. September 2001 über die Bühne gehende Grundstückskauf den Kreis kosten. Im Gegenzug will Kamenz das alte Landratsamt am Bönischplatz und das ab Ende Juli lehrstehende Krankenhaus am Damm vom Kreis kaufen.
Eine Investition in die Zukunft soll das Ganze sein. Einerseits wird der Kreis die am 31. Juli 2001 schließende Grundschule in der Neschwitzer Straße sanieren und hier dann die bisher noch in Bernbruch beheimatete Förderschule für Geistigbehinderte unterbringen, andererseits hat die Kreisstadt mit dem Gebiet Kamenz-West große Pläne. Und genau dafür braucht die Stadt die Grundstücke am Bönischplatz und das Krankenhaus-Gebäude samt Gelände. "Wir wollen ja bekanntlich das Gebiet zwischen Bönischplatz, Hutberg und Straße am Damm als Wohngebiet mit Geschäfts- und Bürobereichen entwickeln", erläutert das Kamenzer Stadtoberhaupt Lothar Kunze (CDU) das Interesse an den kreislichen Grundstücken. Also wieder ein Kauf, um in Zukunft die Hand auf dem Gelände zu haben, so wie im Fall der einstigen Brauerei am Ortseingang wo sich bisher noch nicht viel getan hat? "Nein, für Kamenz-West gibt es schon wesentlich konkretere Vorstellungen als es bei der Brauerei der Fall ist", widerspricht Kunze nachdrücklich. "In Kamenz-West sind die Entwicklungsmöglichkeiten auch wesentlich besser, da das Gebiet im sogenannten Innenbereich liegt, hier also auch Wohnbebauung möglich ist." Auch sind die Voruntersuchungen für die Entwicklung des Gebietes schon in Auftrag gegeben. Kurz- bis mittelfristig, nennt der Bürgermeister den Zeitraum erster tatsächlicher Veränderungen. Konkreter: "Wenn entsprechende Fördermittel fließen, sind fünf Jahre eine Zeitspanne, die man als realistisch ansehen kann." Konkrete Nutzungspläne für Krankenhaus und altes Landratsamt kann Bürgermeister Lothar Kunze allerdings noch nicht verkünden. Eine Jugendherberge in den denkmalgeschützten Mauern des Krankenhauses geisterte als Idee schon mal durch die Kreisstadt, auch ein Abriss des einstigen Landratsamtes wurde in Kamenzer diskutiert
Dass es auch schon konkretere Architekten-Pläne gibt, präsentierte kürzlich der Kamenzer Baudezernent Roland Dantz während einer Veranstaltung im Kamenzer Klub. Anstelle des einstigen Landratsamtes am Bönischplatz stellte sich ein Planer einen Mehrgeschosser vor, der zu DDR-Zeiten massenweise errichteten Plattenbauten nicht unähnlich war. Dazu wird es nun wohl nicht kommen. "Dazu darf es auch nicht kommen! Deshalb müssen wir die Grundstücke kaufen und die Planungen vorantreiben", hatte Dantz in der Veranstaltung unterstrichen. Was tatsächlich in Kamenz-West entstehen soll, bleibt abzuwarten. Klar ist derzeit nur: "Wir sind uns im Stadtrat über Fraktionsgrenzen hinweg einig, dass sich die Kamenzer Innenstadt in Zukunft in Richtung Kamenz-West entwickeln muss", so Bürgermeister Kunze. Und Baudezernent Dantz meint: "Kamenz muss sich an Städten wie Bautzen orientieren, sie muss verstärkt Möglichkeiten bieten, hochwertigen Wohnraum in hochwertiger Lage präsentieren zu können, um nicht Einwohner ans Umland zu verlieren."