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Wie lange bleibt der Minikreisel?

Der Kreisverkehr in Niederfrauendorf sorgt weiter für Diskussionen. Es gibt viele Kritiker, die Menschen vor Ort sehen das aber ganz anderes.

Für Jürgen Angrick (li.) und Hartmut Fröb hat sich der neue Kreisverkehr in Niederfrauendorf bewährt. er bringt mehr Vor- als Nachteile.
Für Jürgen Angrick (li.) und Hartmut Fröb hat sich der neue Kreisverkehr in Niederfrauendorf bewährt. er bringt mehr Vor- als Nachteile. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Minikreisverkehr im Glashütter Ortsteil Niederfrauendorf bewegt weiter die Gemüter. Die Meinungen zu dieser sehr speziellen Form der Verkehrsführung gehen immer noch weit auseinander. Nach wie vor gibt es viele Kritiker. Diese melden sich vor allem bei Facebook zu Wort. Dort sind Kommentare wie diese zu lesen: Es reicht von "Der Kreisverkehr ist totaler Blödsinn.", geht über "Es ist ein einziges Chaos, keiner weiß, wie er sich verhalten soll." bis hin zu "Das ist der sinnloseste Kreisverkehr, den ich je gesehen habe." 

Einer der Kritiker ist Sven Rensmeyer. Vor einigen Tagen schrieb er, dass es in den letzten Wochen "zwei Unfälle beim ach so tollen Kreisverkehr" gegeben habe. Seines Wissens gab es vier zum Teil Schwerverletzte. "Muss noch Schlimmeres passieren oder wurde hier mit Absicht was verschwiegen." Die Sächsische Zeitung gab die Frage an die Polizei weiter, die zu den meisten Unfällen im Landkreis gerufen wird und diese aufnimmt und  über einen Presseverteiler den Medien zusendet. 

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Polizei: "Wir vertuschen nichts!"

Polizeisprecher Stefan Grohme erklärte, dass der Kreisel in Niederfrauendorf als Unfallhäufungsstelle eingestuft wurde. "Für April und Mai sind mir zwei Unfälle bekannt", so Grohme. Diese fanden am 23. April um 17.40 Uhr und am 15. Mai um 20.20 Uhr satt. "In beiden Fällen wurde ein Unfallbeteiligter leicht verletzt", so Grohme. Damit widerspricht er Rensmeyer. Beide Unfälle seien aber nicht in den Medieninformationen  veröffentlicht worden. Vertuschen wollte man nichts, versichert der Polizeisprecher. Im Zuständigkeitsbereich der Dresdner Polizeidirektion passieren pro Tag im Schnitt zwischen 70 und 80 Verkehrsunfälle. "Ein Berichten über alle Unfälle ist daher schlichtweg nicht möglich", so Grohme.

Vor der Umgestaltung zum Minikreisel regelte eine provisorische Ampel den Verkehr in Niederfrauendorf. Hier kreuzen sich die Straßen zwischen Dippoldiswalde (oben) und Glashütte (unten) sowie zwischen Oberfrauendorf/Schmiedeberg (links) und Reinhardtsgrim
Vor der Umgestaltung zum Minikreisel regelte eine provisorische Ampel den Verkehr in Niederfrauendorf. Hier kreuzen sich die Straßen zwischen Dippoldiswalde (oben) und Glashütte (unten) sowie zwischen Oberfrauendorf/Schmiedeberg (links) und Reinhardtsgrim © Archivfoto: Egbert Kamprath

Der Minikreisel hat aber auch Befürworter. Einer davon ist Hartmut Fröb, der im Ort als stellvertretender Ortsvorsteher tätig ist. Er wohnt in Niederfrauendorf und kommt täglich am Minikreisel vorbei. "Am Anfang war ich skeptisch", sagt er. Doch inzwischen hat er seine Meinung geändert. Der Minikreisel hat dafür gesorgt, dass es keine Staus mehr im Ort gibt. Die haben die Anwohner genervt. "Nur wenige haben ihren Motor abgestellt." Teilweise stank es fürchterlich. Das gibt es nun nicht mehr. Doch nicht nur das spricht für den Kreisel. "Ich habe mich belesen", sagt Fröb. Kreisverkehre halbieren die Zahl der Unfälle und die Kosten pro Unfall."

Zu den Befürwortern des Kreisels gehört auch Jürgen Angrick, dessen Ausfahrt fast auf den Kreisverkehr führt und der von seiner Anhöhe tagtäglich das Fahrgeschehen im Auge hat. "Die Leute fahren langsamer, passen mehr auf", sagt er. Ähnlich sieht es Frank Rensmeyer, der seit 55 Jahren an der Kreuzung wohnt, an der sich die Straßen aus Glashütte, Dippoldiswalde, Schmiedeberg und Reinhardtsgrimma treffen. Nur ungern denkt er an die Zeit zurück, als der Verkehr noch mit Ampeln geregelt wurde. 

Hartmut Fröb, der viele Jahre als Kraftfahrer und Fahrlehrer gearbeitet hat, kennt die Einwände der Kritiker: Dass es am Minikreisel immer wieder zu brenzligen Situationen kommt, liegt an den Fahrern, meint er. Viele wüssten nicht, wie man sich im Minikreisel verhält. Das bestätigen sowohl die beiden Anlieger, als auch eine Beobachtung vor Ort. Dabei müssten die Regeln allgemein bekannt sein, meint Fröb. Die Fahrzeuge im Kreisel haben Vorfahrt. Nicht beim Einfahren, sondern nur beim Verlassen des Kreisverkehrs wird geblinkt. Größere Fahrzeuge dürfen über die Kreismitte fahren, alle anderen sollten versuchen, diese zu umfahren, sagt Förb. Er wünscht sich, dass sich die Verkehrsteilnehmer mit der Zeit an den Kreisel gewöhnen und dass dieser bleibt.

Lasuv: Testphase hat vor wenigen Tagen begonnen

Ob es dazu kommt, hängt vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) ab, das den Minikreisverkehr errichten ließ und nach einer dreimonatigen Eingewöhnungsphase am 22. Mai einen Verkehrsversuch startete. "Eine erste Zwischenbilanz wurde noch nicht gezogen", sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeifer. Der Verkehrsversuch wurde auf ein Jahr befristet. Eine erste Zwischenbilanz soll Ende August gezogen werden. Dann wird das mit dem Verkehrsversuch betraute Fachplanungsbüro erste Ergebnisse vorlegen, die es mit Vor-Ort-Beobachtungen und Videoüberwachung gewonnen hat. Sollten zuvor notwendig werden, die Verkehrsführung zu optimieren, dann werde das im Interesse der Erhöhung der Verkehrssicherheit getan, versichert Pfeifer. 

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"Sollte sich das Unfallgeschehen aber tendenziell negativ entwickeln, ist mit den Fachgremien zu entscheiden, ob der Verkehrsversuch beendet werden soll", so Pfeifer.  Derzeit ist das aber nicht vorgesehen. Das Lasuv erhofft sich Erkenntnisse, ob es sich lohn, perspektivischen weitere Minikreisverkehre einzurichten.

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