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Baustelle macht Geschäften zu schaffen

Der Bau des Kreisverkehrs an der Rottwerndorfer Straße bedeutet Einbußen für die Unternehmen. Aber die Pirnaer Händler wollen nicht nur klagen.

Vor der Adler-Apotheke an der Rottwerndorfer Straße wird derzeit ein Kreisverkehr gebaut. Die Apotheke kann nur über die Seminarstraße erreicht werden.
Vor der Adler-Apotheke an der Rottwerndorfer Straße wird derzeit ein Kreisverkehr gebaut. Die Apotheke kann nur über die Seminarstraße erreicht werden. © Daniel Schäfer

Zu den ganz großen Baustellen in Pirna gehört ohne Frage der Kreisverkehr, der derzeit auf der Rottwerndorfer Straße/Zehistaer Straße errichtet wird. Autofahrer werden umgeleitet, ebenso wie Radfahrer. Zeitweise kommt es zu Staus. 

Vor allem die angrenzenden Geschäfte sind hart getroffen und haben Nachteile. Kunden der Adler-Apotheke gelangen ausschließlich von der Seminarstraße in den Verkaufsladen. Sie müssen durch den Garten gehen. "Die Stammkunden halten uns trotzdem die Treue und kommen nach wie vor. Aber die Laufkundschaft fällt natürlich weg", sagt Heike Iwan, die 2001 die Adler-Apotheke übernommen hat. Das bedeutet Einbuße. Die Apotheken-Inhaberin schätzt den Verlust auf rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Ferienzeitraum. Um dieses Minus zu kompensieren, sind sie und ihr Team auf Rücklagen angewiesen. "Eine andere Möglichkeit gibt es nicht", erklärt Iwan. 

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Patienten von außerhalb haben Probleme

Allerdings steht für sie nicht nur die finanzielle Belastung im Vordergrund. Auch die Lärmbelästigung mache ihren Mitarbeitern zu schaffen. Gebaut wird momentan direkt vor der Eingangstür der Apotheke. "Das ist schon anstrengend, aber es gibt ja keine Alternative", stellt die Apothekerin fest. Die schwierigste Aufgabe sei für die Adler-Apotheke, die Nacht- und Notdienste zu leisten. "Für Patienten, die von außerhalb kommen, ist es oft nicht einfach, den Weg zu uns zu finden. Deshalb haben wir den Zugang über die Gartenseite von der Seminarstraße auch nochmals ausgeschildert", sagt Iwan. Auch die Kundenparkplätze befinden sich an der Seminarstraße.

Heike Iwan rechnet noch bis zum Spätherbst mit Beeinträchtigungen. Sie gehört aber nicht zu den Menschen, die nur klagen, sondern sieht ebenso den Vorteil bei dem Ausbau. "Wir schauen in die Zukunft. Mit dem neuen Kreisverkehr wird eine Gefahrenstelle entschärft, und für Autofahrer sind wir künftig besser zu erreichen", meint die Apothekerin. Besonders freut sie sich, dass der Hauseigentümer und die Apotheke rechtzeitig vorab über mögliche Einschränkungen informiert worden sind. "Die Stadtverwaltung hat uns von Anfang an mit ins Boot geholt", lobt Iwan. 

Dieser Weg durch den Garten führt derzeit zur Adler-Apotheke in Pirna.
Dieser Weg durch den Garten führt derzeit zur Adler-Apotheke in Pirna. © Daniel Schäfer

Ebenfalls betroffen von der Baustelle ist die Aral-Tankstelle an der Zehistaer Straße. Auch Besitzerin Christa Gaebel spricht von Umsatzeinbußen. Genau kann sie die Zahl aber nicht beziffern, da die Tankstelle wegen der Corona-Pandemie die Öffnungszeiten geändert hat. "Hier kommen mehrere Faktoren zusammen", so Gaebel. Die Kunden hätten jedoch Verständnis für die Einschränkungen aufgrund der Baustelle. Sie selber übrigens auch. "Wir freuen uns, dass der Kreisverkehr jetzt errichtet wird. Für die Autofahrer wird es einfacher und sicherer", betont Gaebel. 

Dem schließt sich Tom Schindler an. Er ist stellvertretender Filialleiter von A.T.U. Auto-Teile-Unger. Die Autowerkstatt mit Einkaufsshop befindet sich direkt an der Rottwerndorfer Straße und ist quasi von der Baustelle eingeschlossen. "Aber es gibt eine Behelfszufahrt, die auch gut von allen Seiten ausgeschildert ist", sagt Schindler. Er schätzt, dass sich wegen des Baus die Laufkundschaft um 30 Prozent verringert hat. "Die Werkstatt selber ist weniger betroffen. Wir bieten jetzt verstärkt Sofortservice ohne Anmeldungen an." Das soll die aktuellen Verluste möglichst wettmachen. 

Freie Fahrt im November

Immerhin: Die Arbeiten am Ausbau des Kreisverkehrs Rottwerndorfer Straße/Zehistaer Straße liegen im Plan. Das teilt Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin auf Anfrage von Sächsische.de mit. Trotzdem müssen die Geschäftsleute und Autofahrer noch etwas Geduld haben. Freie Fahrt am Kreisverkehr herrscht erst im Spätherbst.

Das Großbauvorhaben umfasst Straßen-, Tiefbau- und Leitungsbauarbeiten der Stadt Pirna, der Stadtwerke Pirna sowie der Stadtwerke Pirna Energie. Die Bauausführung erfolgt in vier Bauphasen. Es ist geplant, die ersten drei Bauphasen Ende November 2020 abzuschließen. Dann wird der neue Kreisel für den Verkehr freigegeben. Damit wird die neue Kreuzungslösung noch vor der Fertigstellung der Südumfahrung in Betrieb gehen. "Die Stadt Pirna ist somit auch an dieser Stelle für die damit einhergehenden veränderten Verkehrsströme in die Innenstadt und in die Seitentäler gerüstet", sagt Nikitin. Bauphase vier beginnt nach der Winterpause voraussichtlich im Frühjahr 2021. Die Arbeiten auf der Seminarstraße werden zirka zwei Monate andauern.

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