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Kreuz symbolisiert das Ende des Zweiten Weltkrieges

Von der Straßenbahn-Endhaltestelle am Wiesengrund aus Richtung Friedhofstraße gehend, stößt man nach 50 Metern rechts auf ein eisernes Tor. Durch dieses den Friedhof betretend ist es nicht weit nach rechts zum Grabfeld 30. Hier ist ein besonderes Ehrenmal zu finden.

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Von Erich Feuerriegel

Von der Straßenbahn-Endhaltestelle am Wiesengrund aus Richtung Friedhofstraße gehend, stößt man nach 50 Metern rechts auf ein eisernes Tor. Durch dieses den Friedhof betretend ist es nicht weit nach rechts zum Grabfeld 30. Hier ist ein besonderes Ehrenmal zu finden.

Die meisten der in den Grabfeldern 29 und 30 bestatteten Toten stammen aus der Zeit Winter 1944 bis Sommer 1945. Ursprünglich befand sich hier kein Denkmal. Zwar gab es früher schon einmal Pläne, in der Mitte zwischen den beiden Feldern ein Denkmal aufzustellen, diese wurden jedoch aus verschiedensten Gründen nie verwirklicht.

Nach der Wende meldete sich ein Herr namens Ziegler aus Weilheim in Bayern bei der Friedhofsverwaltung, dessen Cousin hier bestattet wurde. Er bedauerte, dass kein Ehrenmal für die während des 2. Weltkrieges Gefallenen oder an den Folgen ihrer Verwundungen gestorbenen Soldaten vorhanden ist und erklärte seine Bereitschaft, hierfür eine Spendenaktion ins Leben zu rufen. Durch seine Kontakte mit Personen, die sich im Volksbund für Kriegsgräberpflege engagieren, sowie Hinterbliebenen gelang es ihm tatsächlich, umgerechnet etwa 2500 Euro zusammenzutragen.

Schädlinge im Holz

Nun konnte man sich Gedanken über die Form des Denkmales machen und entschied sich dafür, an der heutigen Stelle ein Holzkreuz aufzustellen. Jürgen Bergmann, bekannt durch die Kulturinsel Einsiedel, wurde mit der Fertigung beauftragt. Bei seiner Suche nach geeignetem Material fand er in den Wäldern bei Rothenburg einen von Granatsplittern durchlöcherten Eichenstamm, welchen er zu diesem Holzkreuz gestaltete. Die Frage des Ortes der Aufstellung wurde so gelöst, dass das Kreuz den Abschluss der belegten Grabstellen bildet und somit das Ende des 2. Weltkrieges symbolisiert. Am Fuß dieses Kreuzes trägt eine steinerne Tafel die Inschrift: „Hier ruhen 606 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges.“

Heute besteht mit dem Holzkreuz das Problem, dass sich in diesem Stamm der Nassfäulepilz Eichenwirling festgesetzt hat und außerdem der Schädling Pochkäfer dem Holz Schaden zufügt. Für die Friedhofsverwaltung macht sich daher eine Entscheidung darüber, wie damit weiter verfahren werden soll, in nächster Zeit erforderlich. Am oberen Rand des Grabfeldes befindet sich die Grabstelle von Emma Schön. Sie war ursprünglich im Sommer 1941 durch die Familie in einem Urnengrab bestattet worden. Bei der Einebnung dieser Urnengräber erzählte eine Hinterbliebene, dass Frau Schön sich zum damaligen Zeitpunkt im Lager für psychisch Kranke in Pirna-Sonnenstein befand.

Opfer der Nazi-Ideologie

In der Naziideologie wurden diese Menschen als „unwertes Leben“ betrachtet, und so wurde auch sie ein Opfer der Euthanasie.

In Umsetzung des seit 7. April 1965 gültigen und nach der Wende erweiterten „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz)“ der BRD, welches dauerhaftes Ruherecht garantiert, wurde im Jahr 2000 die Grabstelle der Emma Schön an die heutige Stelle umgesetzt. In den Registern der Friedhofsverwaltung wurden 20 Verstorbene aus den KZs Dachau, Buchenwald, Auschwitz und Sachsenhausen gefunden. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurden auch in Görlitz Menschen selbst für geringfügige Vergehen erschossen.

So erging es jenen vier Frauen, zu deren Gedenken heute im Gräberfeld XVI des Alten Friedhofes ein Obelisk steht. In einer Chronik heißt es zu diesem Ereignis: „11. April 1945: Erschießen wegen Plünderung. – Am 11. April wurden durch ein Exekutionskommando des 4. Zuges auf dem Gelände des Schießstandes der NSDAP in Görlitz-Moys wegen Plünderung erschossen: Hildegard Walter, geboren am 17. April 1901, aus Görlitz; Elfriede Majewski, geboren am 15. April 1920, aus Senftenberg; Herta Schumann, geboren am 13. September 1920, aus Senftenberg; Elsa Rothe, geboren am 27. Dezember 1922, aus Nieder Ulbersdorf.“