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Kreuzverhör in der Kirche

An drei Abenden wird die Großröhrsdorfer Stadtkirche bis Donnerstag zum Zentrum der Diskussion. Pfarrer Stefan Schwarzenberg erklärt warum.

© privat

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Im Kreuzverhör waren am Sonntagabend die Vertreter der Parteien nach der Bundestagswahl 2017. Da ging es manchmal hoch her. Dem Kreuzverhör will sich von Dienstag bis Donnerstag auch die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Großröhrsdorf-Kleinröhrsdorf stellen.

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Hintergrund sind Fragen, mit denen sich die Kirche immer öfter konfrontiert sieht: „Wo bleibt die Kirche bei den aktuellen Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft? Kann denn ein zweitausend Jahre alter Glaube noch Orientierung für das 21. Jahrhundert sein?“ Kritiker unterstellen besonders den beiden großen Konfessionen: Die Kirchen stecken sich das meiste Geld in die eigenen Taschen und genießen unzeitgemäße Privilegien. Andere Zeitgenossen sorgen sich angesichts des schwindenden Einflusses der Kirchen um die Ethik und Moral. Hinzu komme eine abnehmende Gesprächsbereitschaft im Zeitalter von Facebook und Twitter. Das soll an den kommenden drei Abenden anders sein. Drei Themenabende, die dazu stattfinden. Zu den Referenten zählt auch Landrat Michael Harig (CDU). Die SZ sprach darüber mit dem Großröhrsdorfer Pfarrer Stefan Schwarzenberg.

Herr Pfarrer Schwarzenberg, die Themenabende finden zwei Tage nach der Bundestagswahl statt. Haben Sie das bewusst so gelegt?

Themenabende

26. September: „Die Bibel – ein altes Märchenbuch?“ mit Reinhard Pappai, Superintendent i.R.;

27. September: „Sollten wir die Kirchen abschaffen?“ mit Referent: Frank Richter, Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche.

28. September: „Wozu ein Glaube?“ mit Landrat Michael Harig als Referent.

Beginn ist jeweils 19 Uhr im Kirchgemeindehaus in Großröhrsdorf, Kirchstraße 10.

Die Eintrittskarte für einen Vortragsabend (inklusive Abendessen und Getränke) kostet 10 Euro im Vorverkauf und 12 Euro an der Abendkasse. Verkauf: Büro der Kirchgemeinde auf der Kirchstraße 10.

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Ja, richtig. Wir wollten nicht, dass die Veranstaltung während des Wahlkampfes stattfindet, um die Parteienpolitik draußen zu halten. Denn die Kirche steht über den Parteien. Ein Dialog um Themen von Kirche und Gesellschaft sollte nicht durch den Wahlkampf belastet werden.

Welches Ziel verfolgen die drei Diskussionsabende?

Kirche, Glaube und Religion scheinen in unserer Zeit für viele in Verruf geraten, bedeutungslos zu sein. - Auf der anderen Seite machen sich Menschen Sorgen, was aus der christlich-abendländischen Tradition unseres Landes in Zukunft wird. Ziel ist es, andere Sichtweisen kennenzulernen und auch Kritik auszuhalten. Die Abende haben auch das Ziel Lebenswege aufzuzeigen und Gemeinschaft zu praktizieren. Ziel ist es nicht, dass wir als Christen jeden für unsere eigene Meinung überzeugen. Sondern wir wollen auf Andersdenkende zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Warum laden Sie gerade jetzt dazu ein?

Wir merken, dass die Gesellschaft immer mehr auseinander driftet. Ich denke an den Abstand zwischen Arm und Reich, der immer größer wird. Auch der Abstand bei politischen Überzeugungen, wie die Bundestagswahl gezeigt hat. Ein gemeinsamer Konsens über Werte steht infrage. Sind es die Zehn Gebote? Können wir uns darauf einigen. Auch das steht zur Debatte.

Sie sprachen das Wahlergebnis an. Dort haben die christlichen Parteien viel an Boden verloren ...

Es sind Parteien, die das C im Namen tragen und sich für christliche Werte einsetzen. Ich betone aber, die Kirche steht über den Parteien. Der Kirche ist nicht an Parteienpolitik gelegen, sondern an einer offenen Diskussion mit allen und überparteilich. Wir erleben, dass in unserer modernen Welt viele Menschen immer weniger etwas mit Kirche und Glauben anfangen können. Aber gerade die Kirche stellt Werte für die gesamte Gesellschaft zur Verfügung. Ich wünsche mir für die kommenden Abende viel Zeit zum Kennenlernen, zum Dialog und kontroverse Debatten. Das ist das Ziel von „Kirche im Kreuzverhör“. Dafür haben wir auch drei hochrangige Referenten gewonnen. Die Organisation der Veranstaltungsreihe war für uns schon auch ein Wagnis. Wobei der Mittwochabend bereits so gut wie ausgebucht ist. Daran sehen wir, dass das Konzept aufgeht, dass Bedarf da ist.