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Krimi um Harthaer Vereinsfahne

Bei der Neugründung des Schützenvereins 1990 war das Symbol nicht aufzufinden. Doch dann meldet sich ein Mann.

Sandro Geisler (von links), Jens Merkel und Dietmar Merkel präsentieren die Fahne des Harthaer Schützenvereins. Dieses Exemplar ist eine Nachbildung. Das Original ist in einer Vitrine zu sehen.
Sandro Geisler (von links), Jens Merkel und Dietmar Merkel präsentieren die Fahne des Harthaer Schützenvereins. Dieses Exemplar ist eine Nachbildung. Das Original ist in einer Vitrine zu sehen. © Norbert Millauer

Hartha. Vor ein paar Wochen waren die Harthaer Schützen noch guter Dinge, das 30-jährige Bestehen seit der Neugründung richtig feiern zu können. Doch mittlerweile haben sie sich von dem Gedanken verabschiedet. Das Schützenfest, das meist Anfang September gefeiert wird, ist abgesagt.

„Die große Feier fällt aus. Es wird lediglich eine vereinsinterne Veranstaltung geben“, sagt Dietmar Merkel, Vorsitzender des Vereins. Es werden Vertreter von Partnervereinen eingeladen, ergänzt Stellvertreter Sandro Geisler. 

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„Wir holen den runden Geburtstag nach und feiern nächstes Jahr halt 30+1“, so Jens Merkel, der als Schriftführer im Vorstand mitarbeitet.

Gründungsidee des Schützenvereins kam am Stammtisch

Am Stammtisch ist vor 30 Jahren die Idee entstanden, in Hartha wieder einen Schützenverein zu gründen. „Wir wussten, dass es in Hartha früher einen Schützenverein gab und wir im ehemaligen Schützenhaus saßen“, so Dietmar Merkel, der zu den Gründungsmitgliedern gehört. 

Achim Hennig, Uwe Martin und Hartmut Reichenbach waren ebenfalls damals schon dabei. Diese vier Herren gehören auch heute noch dem Verein an. 

„Wir waren einer der ersten Vereine, die sich im Altkreis Döbeln gründeten“, sagte Merkel. Zunächst sei es schwierig gewesen, die erforderliche Personenanzahl für die Vereinsgründung aufzubringen, doch sei das letztendlich gelungen. 

„Wir sind der Nachfolgeverein des ehemaligen Harthaer Schützenvereins, den es bis 1933 gab“, betont Merkel. Er war damals der erste Vereinschef, fungierte zwischendurch als Stellvertreter und ist seit zwölf Jahren wieder Vorsitzender.

Tradition besitzt bei Harthaer Schützen großen Stellenwert

Später sei der Zuspruch sehr groß gewesen. Es gab Zeiten, in denen zählte der Verein 70 bis 80 Mitglieder. Heute sind es 29. In den Anfangsjahren trainierten die Schützen in der Turnhalle auf dem Schützenplatz. Geschossen wurde damals mit Luftdruckwaffen auf Scheiben. Später sanierten die Vereinsmitglieder das Schützenhaus. 1994 wurde damit begonnen. „Wir hatten große Unterstützung von den Firmen in der Region“, sagt Dietmar Merkel. 

Es gab aber auch genügend zu tun. Das Haus bekam ein neues Dach, neue Fenster, Wärmedämmung. Der Schießkeller und die Einliegerwohnung wurden ausgebaut. Letztere wird derzeit von Sandro Geisler bewohnt. Insgesamt sind damals etwa 90.000 D-Mark investiert worden. Und auch später habe der Verein immer wieder Verbesserungen am Gebäude und auch am Außengelände vorgenommen.

Auch ein Mast für den Vogel wurde nach dem Vorbild der Partnerstadt gebaut. Die ersten Schützenfeste wurden noch mit viel Drumherum gefeiert. Das war zwischendurch etwas eingeschlafen, doch in den vergangenen Jahren gab es wieder zünftige Feste. 

Die Schützen halten an den Traditionen fest und widmen sich auch der Geschichte ihres Vereins. Deutlich zu sehen ist das im Schützenhaus. Im großen Vereinszimmer hängen Schilder mit den Namen der Schützenkönige von 1890 bis zum Krieg. 

Auch die originale Vereinsfahne, die 1873 übergeben wurde, hängt unter Glas an der Wand. Damit die Schützen eine solche bei Festen bei anderen Vereinen präsentieren können, wurde eine Fahne nachgebaut.

Alte Schärpe gehört belgischen Sammler und taucht auf

Doch wie die Schützen zu ihrer Fahne kamen, mutet fast schon wie ein Krimi an. Vereinschef Dietmar Merkel bekam eines Tages einen Anruf von einem Mann, der behauptete, die Vereinsfahne im Besitz zu haben. 

„Er wollte 2.000 D-Mark dafür haben“, erinnert sich Merkel. So viel Geld konnten die Vereinsmitglieder nicht aufbringen. Der Vorstand beschloss, sich die Fahne zumindest anzuschauen. „In dem Gebäude am Markt, in dem heute die Bibliothek untergebracht ist, war früher ein Jugendclub. Dort haben wir uns getroffen“, so Merkel.

Die Schützen boten dem Mann 1.000 D-Mark. Der erbat sich Bedenkzeit, sagte aber einige Tage später zu. „Wir sammelten unter den Vereinsmitgliedern und kratzten so die Summe zusammen“, so Merkel.

Dietmar Merkel (von links), der damalige Harthaer Bürgermeister Gerald Herbst, ein belgischer Sammler und Bernd Hennig halten im Juni 2010 eine Schärpe des Harthaer Schützenvereins.
Dietmar Merkel (von links), der damalige Harthaer Bürgermeister Gerald Herbst, ein belgischer Sammler und Bernd Hennig halten im Juni 2010 eine Schärpe des Harthaer Schützenvereins. © Archiv/Lutz Weidler

Eine Sensation gab es im Juni 2010. Eine verloren geglaubte Schärpe des Harthaer Schützenvereins war aufgetaucht. Sie gehört mittlerweile einem Belgier. Vertreter des Schützenvereins und der damalige Bürgermeister Gerald Herbst bewunderten eine lange grüne, mit knapp 30 ziselierten und gravierten Silberschildchen behängte, längliche Stoffbahn. Das Schmuckstück war eine Schärpe des 486 Jahre alten Harthaer Schützenvereins.

Die einzelnen Silberschilde erinnern an die Schützenkönige vom Beginn des 17. bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts. Der älteste Schild nennt den Schützenkönig von 1603.

Die Schärpe wurde wohl vom jeweils aktuellen Schützenkönig bei offiziellen Anlässen getragen. Am 6. Juni 1679 wurde diese Ehre beispielsweise dem „Bürgermeister, Steuereintreiber, Stadtschreiber“ Balthasar Hofmann zuteil, wie einer der Silberschilde bekundet.

Vereinsgebäude war früher schon Schützenhaus

Jahrzehntelang existierten nur Vermutungen über den Verbleib dieser und weiterer Schärpen des Vereins. Mitgebracht hatte den Schatz ein 75-jähriger belgischer Sammler, der die Schützenschärpe 2005 beim Auktionshaus Christie’s in London ersteigert hat. Wie das Schmuckstück nach England kam, ist nicht bekannt. 

Die Harthaer Schützen würden sich jedenfalls freuen, auch Näheres über den Verbleib der übrigen Schärpen aus der Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1933 zu erfahren, als der Verein sich auflösen musste und auch die Tradition der Schilderschärpen zu Ende ging. 

Die Schützenkönige des neu gegründeten Vereins stiften nicht mehr Silberschilde für eine Schärpe, sondern Glieder für eine Kette, die ebenfalls bei offiziellen Anlässen getragen wird.

Das Vereinsgebäude diente auch früher schon als Schützenhaus. „Es ist 1900 vom damaligen Schützenverein gebaut worden“, weiß Dietmar Merkel. Bis 1933 gehörte es dem Schützenverein, der während des Hitlerregimes und auch in der DDR-Zeit verboten war. 

Nach dem Krieg wurde das Gebäude als Umsiedlerheim genutzt. In den späten 1950er-Jahren diente es als sogenanntes FDJ-Heim. 1964 zogen die Harthaer Handballer ein, die ihre Spiele damals auf dem Hartplatz nebenan austrugen. 1979 übernahm Dietmar Merkel die Gaststätte, die er bis 1990 führte.

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