merken
PLUS

Kriminalist will Bürgermeister werden

Bei der Wahl am 4. März fordert Frank Heinrich den Amtsinhaber von Schirgiswalde-Kirschau heraus. Der Crostauer hat dafür zwei Gründe.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Schirgiswalde-Kirschau. Eigentlich könnte sich Frank Heinrich schon so langsam auf seinen Ruhestand vorbereiten. „Bis zu meinem ersten Pensionstag wären es nur noch gut zwei Jahre“, sagt er schmunzelnd. Doch der Crostauer will nichts davon wissen – sondern lieber mit ganzer Kraft neu durchstarten. Frank Heinrich fordert bei der Bürgermeisterwahl in Schirgiswalde-Kirschau Amtsinhaber Sven Gabriel heraus.

Bereits vor zwei, drei Jahren sei er von einigen Leuten animiert worden zu kandidieren, erzählt der 59-Jährige. Lange überlegen musste er nicht. „Ich bin bei einigen Dingen nicht damit zufrieden, wie sie bisher in unserer Stadt laufen. Vor allem habe ich des Öfteren Transparenz vermisst“, sagt Frank Heinrich, der seit vier Jahren für die CDU im Stadtrat sitzt. Diese Unzufriedenheit ist ein Grund dafür, warum er am Sonntag nächster Woche zur Bürgermeisterwahl antritt. Ein anderer ist persönlicher Natur. „Ich bin von jeher neugierig auf Neues, will mich immer weiterentwickeln“, sagt der Mann, der in Crostau lebt, seit er zweieinhalb Jahre alt ist.

Im Landmaschinenkombinat Fortschritt hat er den Beruf des Zerspanungsfacharbeiters erlernt. Nach dem Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei arbeitete er in seinem Betrieb unter anderem als Ausbilder. Später absolvierte Frank Heinrich ein Kriminalistik-Studium. Dass das an einer Offiziersschule der DDR war, sagt der 59-Jährige ganz offen und betont zugleich, dass er und seine Tätigkeit nach der Wende mehrfach überprüft wurden, ohne dass es irgendwelche Beanstandung gab. In Bautzen baute er dann das Rauschgift-Dezernat mit auf, ermittelte aber auch als Kriminalist, bis er an die Fachhochschule der Sächsischen Polizei wechselte. Dort unterrichtet er seit einigen Jahren junge Kommissarsanwärter, unter anderem im Digitalfunk, ist auch als Tutor eingesetzt und in der Fortbildung tätig. – Resultierend aus seiner beruflichen Tätigkeit ist Sicherheit in vielen Facetten ein großes Thema für den Bürgermeisterkandidaten Frank Heinrich. Unter anderem will er die Wege zu Schulen und Kindereinrichtungen in Schirgiswalde-Kirschau sicherer machen, zum Beispiel indem die Parksituation vor der Crostauer Kita verbessert wird. Aber auch die Sicherheit für Senioren hat er im Blick. Öffentliche Gebäude und viele andere Bereiche sollen seinem Willen nach barrierefrei werden, um Stürze zu vermeiden. Die Fußgängerampel in Kirschau will der Crostauer so umgestalten, dass Autofahrer sie nicht mehr so leicht übersehen und deshalb oft bei Rot fahren.

Treffpunkt für die Stadt

Zwei Bewerber treten an

Am 4.März ist in Schirgiswalde-Kirschau Bürgermeister-Wahl. Die erste Amtszeit von Sven Gabriel endet nach sieben Jahren planmäßig. Er war 2011 nach dem Zusammenschluss von Crostau, Kirschau und Schirgiwalde als Bürgermeister der neuen Stadt gewählt worden.

Wahlberechtigt sind knapp 5300 Bürger von insgesamt knapp 6400 Einwohnern.

Zwei Bewerber treten zur Wahl an.

Amtsinhaber Sven Gabriel kandidiert erneut. Er ist Mitglied der FDP, tritt zur Bürgermeisterwahl aber als unabhängiger Bewerber an. Der 40-Jährige wohnt in Großpostwitz.

Herausgefordert wird er von Frank Heinrich aus Crostau. Der 59-Jährige wurde von der CDU nominiert.

Gewinner der Wahl und somit künftiger Bürgermeister ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt. Fällt im ersten Wahlgang keine Entscheidung – was bei zwei Kandidaten sehr unwahrscheinlich ist – findet am 18.März ein zweiter Wahlgang statt.

1 / 6

Einen zweiten Schwerpunkt sieht Frank Heinrich darin, den Zusammenhalt in Schirgiswalde-Kirschau zu stärken. „Wir sind eine Stadt“, sagt er und betont dabei das Wort „eine“. Bisher – so ist seine Erfahrung – fühlen sich die Einwohner in einzelnen Ortsteilen hintenan gestellt. „Wir dürfen die Orte nicht alleine lassen, keinen vergessen. Und wir müssen auch die kleinen Probleme der Leute ernst nehmen“, nennt er seinen Anspruch. Wenn er Bürgermeister wird, will Frank Heinrich regelmäßig jeden Ortsteil besuchen, „am Sonnabendvormittag, wenn die meisten Leute da sind“. Zugleich sollen die Ortschaftsräte, die es in Schirgiswalde, Kirschau, Crostau und Rodwitz gibt, größere Verantwortung bekommen. „Außerdem will ich mehr Leute aus allen Altersgruppen dazu animieren, sich aktiv ins Stadtleben einzubringen“, sagt der Crostauer, dessen Motto im Wahlkampf lautet: „Wir können mehr“.

Das Wort aktiv fällt auch, wenn es um die Jugendarbeit geht. Der Bürgermeisterkandidat unterstützt die Pläne, ein altes Umgebindehaus mitten in Kirschau als zentralen Treffpunkt für die ganze Stadt auszubauen. „Ich will aber, dass die Jugend dort nicht nur zum Relaxen zusammenkommt, sondern auch aktiv was macht“, äußert Frank Heinrich und nennt als Beispiele thematische Abende, Lesungen oder gemeinsames Sporttreiben. Ein weiterer Schwerpunkt ist für den Bewerber um den Chefposten im Rathaus die Stärkung der Feuerwehren. Er will sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass mehr Maschinisten ausgebildet werden.

Auch die Unterstützung von Handwerkern und Gewerbetreibenden liegt ihm am Herzen. Unter anderem möchte er sie regelmäßig zu Unternehmerstammtischen einladen. „Außerdem will ich dafür sorgen, dass es eine gute Kommunikation zwischen der Verwaltung – speziell dem Bürgermeister – und den Bürgern gibt“, verspricht Frank Heinrich. Wie er betont, sei es für ihn durch seine Arbeit bei der Polizei selbstverständlich, jede Anfrage innerhalb kurzer Zeit zu beantworten. Ganz wichtig findet er es auch, „bei allen Entscheidungen immer in die Zukunft zu denken, zu überlegen, wie geht’s weiter“.

Während der 59-Jährige beruflich gern neue Herausforderungen sucht, ist ihm im Privatleben Beständigkeit wichtig. Seit 36 Jahren ist er verheiratet. Sohn (38) und Tochter (32) sind schon lange aus dem Haus, doch mit den Enkelkindern – inzwischen sind es vier – unternehmen Frank Heinrich und seine Frau Sabine viel, zum Beispiel Ausflüge in den Saurierpark oder auf die Sommerrodelbahn. Zu zweit machen sie gern Radtouren, wenn es nicht gerade am Haus oder auf dem Grundstück an der Crostauer Talstraße etwas zu tun gibt. Frank Heinrich gehört außerdem dem Oberguriger Verein Bärwaldschützen an.

Dass er im Falle des Wahlsiegs als Bürgermeister voraussichtlich weniger Freizeit als bisher hat, schreckt ihn ganz und gar nicht. „Aus meiner Zeit als Kriminalist im Bereitschaftsdienst bin ich es gewohnt, keinen geregelten Feierabend zu haben. Da war ich oft abends oder am Wochenende im Einsatz“, sagt der Kandidat. Wollte er Ruhe haben, würde er sich so langsam auf seine Pensionierung vorbereiten. Doch Frank Heinrich will Bürgermeister von Schirgiswalde-Kirschau werden.