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Kriminalisten ermitteln in Seifhennersdorf

Die Polizeidirektion Görlitz hat am 1. Juni eine neue Dienststelle im Oberland eingerichtet. Und sie plant noch mehr.

© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Seifhennersdorf. Zwei Kriminalbeamte haben am Freitag ihren Dienst in Seifhennersdorf aufgenommen. Für die beiden Ermittler des Fachkommissariates für Bandenkriminalität hat die Polizeidirektion Görlitz hier extra einen regionalen Ermittlungsabschnitt Oberland eingerichtet. Ihre Dienststelle befindet sich im Gebäude der Bundespolizei in der Zollstraße unmittelbar am Grenzübergang. Die Polizeidirektion reagiert damit auf die anhaltende grenzüberschreitende Eigentumskriminalität, die viele Menschen in der Region verunsichert. „Erst im zurückliegenden Winter hatten zahlreiche Garageneinbrüche im Oberland für ein Aufhorchen gesorgt“, berichtet Polizeipräsident Torsten Schultze.

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Die beiden nun in Seifhennersdorf ständig eingesetzten Kriminalisten kennen sich gut in der Region aus. Kriminalhauptmeister Frank Lange hatte beispielsweise 1989 mit seinem Dienst in Löbau angefangen. Gemeinsam mit seinem Kollegen ist er jetzt näher am Geschehen dran. Ihre Fälle von grenzüberschreitender Eigentumskriminalität sollen sie nun gemeinsam mit dem Kriminaldienst der Polizeireviere Zittau-Oberland und Bautzen ortsnah ermitteln können. Dazu gehört auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die die beiden schon seit vielen Jahren erfolgreich praktizieren.

Die neue Dienststelle in Seifhennersdorf soll aber nur ein erster Schritt sein, um die Zusammenarbeit mit der tschechischen Polizei noch mehr zu intensivieren, schildert Polizeipräsident Torsten Schultze. „Wir haben auf beiden Seiten der Grenze die gleichen Ziele“, sagt er. Und die Zusammenarbeit trägt durchaus schon Früchte. „Wir hatten 2017 einen Fall mit zahlreichen Garageneinbrüchen. Den tschechischen Kollegen in Usti ist es gelungen, einen der Haupttäter einzusperren“, erzählt Torsten Schultze. Die deutsche Polizei erhofft sich einen schnellen Informationsaustausch mit den benachbarten Sicherheitsbehörden über grenzüberschreitende Täter. Und Torsten Schultze stößt dabei auf offene Ohren in den Bezirkspolizeidirektionen in Liberec (Reichenberg) und Usti nad Labem (Aussig). Die zuständigen tschechischen Koordinatoren für die grenzüberschreitende Polizeiarbeit schildern, dass die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen bereits jetzt gut funktioniert. Und sie begrüßen es, dass es nun direkt am Grenzübergang in Seifhennersdorf eine Dienststelle für Kriminalisten gibt.

Tschechische und deutsche Polizisten sind sich einig, dass die Täter die Grenze für sich ausnutzen. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Garageneinbrüche des vergangenen Herbstes und Winters in der Region handelt es sich beispielsweise zumeist um tschechische Täter, die mit einer Vielzahl an Einbrüchen oder Diebstählen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Andererseits gehen aber auch zahlreiche Eigentumsdelikte auf deutsche Diebe zurück. Einem deutschen Serientäter ist erst in diesem Jahr das Handwerk gelegt worden.

In den elf Städten und Gemeinden entlang der „grünen“ Grenze im Zittauer Gebirge sowie im Oberland sind der Polizei 2017 insgesamt 1 131 Eigentumsdelikte gemeldet worden. Damit waren es ähnlich so viele wie in den Jahren davor. Mit hohem Kräfte-Einsatz hat die Polizei etwa jedes vierte Eigentumsdelikt im grenznahen Raum zu Tschechien aufklären können, heißt es. Die Polizisten auf beiden Seiten der Grenze wissen aber, dass das Sicherheitsgefühl der Leute oft ein anderes ist und dass auch ihre Statistiken daran nichts ändern. „ Wir müssen den Leuten zeigen, dass wir ihre Ängste ernst nehmen und wir kommen, wenn sie uns brauchen“, sagt Torsten Schultze.

Kriminalhauptmeister Lange und Kriminalhauptkommissar Heckel arbeiten derzeit an 60 Fällen. Gerade erst haben sie wieder einen tschechischen Einbrecher ermittelt, dem mehrere Diebstähle zur Last gelegt werden. Immer häufiger haben sie es dabei mit einem neuen Phänomen – dem „Home-Jacking“ – in der Region zu tun. Die Autodiebe brechen dabei nicht mehr die Fahrzeuge auf, sondern steigen vorzugsweise in Häuser und Wohnungen ein und holen sich dann daraus die Autoschlüssel.